Gute Wissenschaftsjournalisten sind rar, nicht nur in Deutschland. Die meisten schreiben über Dinge, von denen sie kaum eine Ahnung haben. Doch es gibt rühmliche Ausnahmen. Spontan fallen mir Gero von Randow, Rolf Degen, Bas Kast, Dieter E. Zimmer, Udo Pollmer, Michael Miersch und ... Dirk Maxeiner ein.
Dirk Maxeiner tritt publizistisch fast nur im Tandem mit seinem Freund und Kollegen Michael Miersch auf. Dass Maxeiner auch solo schreiben kann, beweist er nachdrücklich mit diesem Buch. Und er beweist auch, dass er seine Neigung zur Polemik (die ich sehr schätze) durchaus zurücknehmen kann, auch wenn sie an einigen Stellen doch gegen die Mäßigung siegt, z. B. wenn er unter der Überschrift "Die zehn Gebote des Öko-Glaubens" schreibt: "Die Natur ist unser gütiger Gott! Sie besteht aus Pandabären, Robbenbabys, Sonnenuntergängen und Blumen. Erdbeben, Wirbelstürme und Killerviren sind Folgen menschlicher Hybris. [...] Wisse, die Schuld ist weiß, männlich, christlich und westlich! Die Unschuld ist eine Urwaldindianerin."
Für Lesefaule und Leute mit angespanntem Zeitbudget gibt es auf den Seiten 200 bis 223 ein "kleines Klimalexikon". Sofort erfahren wir dort, dass Klimawandel normal ist, weil sich das Klima schon immer geändert hat. (Halbwegs Kluge wissen dies auch, allerdings kann man es gar nicht oft genug wiederholen.) Und "Klimakatastrophe" ist ein Kampfbegriff, ähnlich wie "Internationales Finanzjudentum", "Kapitalismus", "Neoliberalismus" und "Patriarchat".
Der Haupttext besteht aus zwei Teilen: "I. Zwischen Himmel und Erde" und "II. Zwischen Politik und Religion". In Teil I wird Klimawissenschaft sehr gut verständlich dargestellt, in Teil II werden die aktuellen Untergangs- und Heilsgesänge vorgestellt und kritisiert.
"Klima ist die Statistik des Wetters" (S. 18). Wer auch nur ein klein wenig Ahnung von Statistik (einer der wichtigsten Wissenschaften überhaupt!) hat und überdies gelegentlich die Prognosen des Wetterberichts hört oder sieht und sie auch überprüft, weiß, dass es in Klima- und Wetterdingen nicht deterministisch, sondern probabilistisch zugeht. Meteorologie und Klimaforschung befassen sich mit hochkomplexen Gegenständen, die eben wegen ihrer Komplexität nur sehr unvollständig verstanden werden. Ein prominentes Beispiel für die damit einhergehenden Wissenslücken ist die "Klimaempfindlichkeit". Dieser Begriff bezeichnet die entscheidende Variable der aktuellen Treibhaus-Theorien. Um wie viel Grad erwärmt sich die Luft, wenn sich ihr Kohlendioxidgehalt erhöht? Dieser Wert resultiert nun keineswegs aus der Wirkung des CO2 allein, diese Wirkung ist anscheinend relativ gering. Vielmehr scheint es eine positive Rückkoppelung zwischen der Menge des Wasserdampfes und der Temperaturentwicklung zu geben, und Treibhausgase bestehen offenbar zu mindestens zwei Dritteln aus Wasserdampf. Es dürfte mithin eine beträchtliche Illusion sein, zu glauben, dass man zum Beispiel durch eine Reduktion des CO2-Austoßes von Autos um 5, 10 oder 20 % einen nennenswerten Einfluss auf klimatische Prozesse ausüben kann.
Der Autor arbeitet auch sehr klar heraus, dass sich die Erklärungen und Prognosen der gängigen Klima-Theorien beträchtlich voneinander unterscheiden. Und genau diesen wichtigen Aspekt unterschlagen die Medien und die Politiker. Die Medien sind an eindeutig schlimmen Nachrichten interessiert ("Only bad news are good news!"), die Politiker müssen drohendes Unheil an die Wand malen, um sich als Retter vor diesem Unheil präsentieren zu können.
Regine Shelley Westphal, ihres Zeichens approbierte Apothekerin, die in ihrer kargen Freizeit sehr viel Wissenschaftsliteratur liest, hat mir erst kürzlich berichtet, sie habe selten ein so informatives und wohlformuliertes Buch wie "Hurra, wir retten die Welt!" gelesen. Ich kenne Regine als eine Person mit vortrefflicher Urteilskraft.