Broder ist jemand, an dem sich die Geister scheiden. Viele nehmen ihm seinen bedingungslosen Proamerikanismus übel, dass er in Talkshows mit Stars-and-Stripes-Krawatte auftritt und, seit dem 11. September, dass er "Stimmung gegen die Moslems" macht; besonders in Zusammenhang mit seinem Buch "Hurra, wir kapitulieren!", das vor 2 Jahren erschienen ist, wurde ihm das vorgeworfen.
Broder stellt sich geschickter an als Oriana Fallaci ("Ich will unsere Kultur verteidigen, verdammt!"), da er den Akzent nicht auf die Taten oder Untaten der Islamisten legt, sondern auf die Reaktionen darauf vor allem von europäischer Seite, und diese Reaktionen den islamistischen Taten und Umtrieben gegenüberstellt. Dabei zeigt sich eines: Dass der "Dialog auf gleicher Augenhöhe" nicht stattfinden kann, solange die andere Seite nicht zum Dialog bereit ist. Zu einem kritischen Dialog gehört die Bereitschaft zur Selbstkritik, doch darin zeichnen sich vor allem wir Europäer und weniger die Moslems aus. Man bedenke die Reaktionen offizieller Islamvertreter zu Gewalt und Terror, vonwegen "Das ist ganz untypisch für den Islam", "Die Attentäter waren gar keine richtigen Moslems" usw. Wenn wie vor Kurzem in der Uno die Scharia zur Diskussion gestellt wird und die Vertreter islamischer Staaten es ablehnen, darüber zu diskutieren, dann merkt man schnell, wie es um dem kritischen Dialog bestellt ist. Wer außerdem mehr über die Lust am Beleidigtsein und vom Appeasement im Kleinen erfahren will, dem empfehle ich die Seiten des Muslim Markts, wo einem nichtmuslimischen User grob über den Mund gefahren wurde, weil er die Frechheit hatte, sich "PigRace" zu nennen. Symptomatisch war auch eine Sendung auf Phönix, eine Diskussionsrunde zum thema "Das Kreuz mit dem Halbmond", wo es um den Kölner Moscheebau und um Muslime unter Generalverdacht ging. Da wollte Neda Kelek die ganze Zeit was erklären, und Aiman Mazyek, ein Vertreter des Zentralrats der Muslime, dachte überhaupt nicht daran, ihr das Wort zu überlassen, er hatte sie ständig abgewürgt. Das Publikum empörte sich über Mazyek, und Guido Knopp, der die Sendung moderierte, ermahnte - das Publikum wegen seines "unzivilisierten" Verhaltens! Er hatte es vorher jedoch nicht für nötig gehalten, Mazyek wegen dessen rüpelhaftem, in hohem Grade unzivilisiertem Verhalten zu ermahnen. Darum, um eine solche Haltung, geht es in Broders Buch.
Fazit: Man muss Broder nicht bejubeln, aber man muss zugeben, dass er mit diesem Buch gar nicht so falsch liegt. Er bringt es auf den Punkt: "Wer als Reaktion auf Geiselentführungen und Enthauptungen, auf Massaker an Andersgläubigen, auf Ausbrüche kollektiver Hysterie mit der Forderung nach einem »Dialog der Kulturen« reagiert, der hat es nicht besser verdient." Wo er Recht hat, hat er Recht.