"Hurra, endlich ein neues Buch von Michael Moore," dachte ich mir und kaufte mir ungesehen ein Exemplar von "Hurra Amerika". Dieses Buch ist - im Gegensatz zu den anderen Erscheinungen des Satirikers - sogar mit einem richtig festen Einband versehen, was den nicht gerade studentenbudget-freundlichen Preis zumindest ein wenig rechtfertigt.
Bei der ersten Durchsicht des Buches stellte sich allerdings etwas Ernüchterung ein. "Hurra Amerika" ist ja gar nicht "neu", sondern bereits 1998 in den USA erschienen und die Beiträge des Buches beziehen sich auf eine Fernsehserie ("TV Nation" - hierzulande nie ausgestrahlt), die in den Jahren 1994 und 1995 ausgestrahlt wurde.
Das wäre allerdings noch gerade so zu verkraften gewesen, wenn nicht auch der Inhalt zu wünschen übrig ließe. Von Michael Moore's bissigem Sarkasmus ist in diesem Buch relativ wenig zu spüren (vielleicht kommt das ganze auch in geschriebener Form nicht so gut rüber wie in der TV-Version). Zwar bekommen auch hier Konzerne, konservative Politiker und allerlei andere nicht koschere Zeitgenossen ordentlich eins auf die Mütze und viele Einfälle sind echt nett ausgedacht und sehr witzig, aber das ist doch nicht der Michael Moore, den wir kennen und lieben!
Man muss es halt mal so sehen: Michael Moore hatte in den USA schon lange vor "Stupid White Men" Erfolg. In dieser Zeit sind natürlich auch Filme, Fernsehbeiträge und Bücher in den USA erschienen, die hier nicht veröffentlicht wurden. Dieser Frühwerke bedienen sich die Verlage natürlich jetzt, da sich alles, was den Namen Moore trägt, bestens verkaufen lässt, nur allzu gerne. Und was passt besser, als zum Kinostart von "Fahrenheit 9/11" ein scheinbar neues Buch auf den Markt zu werfen? Eben.
Für Hardcore-Fans von Michael Moore und diejenigen, die die Möglichkeit hatten, in den USA oder Großbritannien die Serie "TV Nation" zu sehen, ist "Hurra Amerika! Adventures in a TV Nation" sicherlich ein empfehlenswertes Buch. Alle anderen sollten auf das nächste "richtige" Buch von Michael Moore warten!