Ich habe diesen Film schon seit Jahren auf Video und habe ihn sicher an die zwanzig Mal gesehen - und jetzt geht das sogar endlich auf DVD und auch auf englisch!
Zur Handlung: der Film (der eigentlich ursprünglich ein Theaterstück war) handelt von vier langjährigen, doch trotzdem sehr unterschiedlichen Freunden. Zentraler Protagonist ist der kokainsüchtige und paranoide Eddie (Sean Penn), der sich zusammen mit dem selbstgerechten Mickey (Kevin Spacey), dem aggressiven Phil (Chazz Palminteri) und dem überheblichen Artie (Garry Shandling) in einem großen Haus in Hollywood Hills in weitreichende, sozial-philosophische, sensible und verletzende Gespräche vertieft. Und das unter einem gleichzeitig witzigen und erschreckenden Drogenkonsum von allen Protagonisten.
Das Interessante dabei ist, dass alle vier Charaktere seit Ewigkeiten Freunde sind, man aber mit jeder Minute im Film mehr Aggression und Neid unter allen feststellen kann - was so faszinierend und unterhaltend wie selten sonst dargestellt wird. Natürlich münden diese versteckten Differenzen bald in hochemotionale Konflikte, die einen tragischen Höhepunkt zur Folge haben.
(ACHTUNG - SPOILER: Für die, die es jetzt schon wissen wollen: dem Selbstmord von Phil. SPOILER - ENDE)
Die Charaktere erscheinen zwar am Anfang unsympathisch und etwas eindimensional - obwohl hier die Dialoge und das Timing schon zum Schreien komisch sind-, entwickeln sich aber schnell zu einem Netzwerk von Schuldzuweisungen, Ausreden und unterschwelligen Differenzen, die man untereinander nie ausgesprochen hat.
Herausragend finde ich dabei Sean Penn's Talent, Eddie's Paranoia und seine Schlussfolgerungen, die er selbst wohl als außergewöhnlich genial betrachtet, die in Wahrheit aber immer eine Winzigkeit neben einer logischen Interpretation liegen.
Als Beispiel sei hier gleich die Anfangsszene angeführt, in der Eddie sich bereits nach dem Aufstehen (vor einer Firmenkonferenz) eine nicht unerhebliche Menge Koks reinzieht und auf die Frage, ob er nicht lieber Kaffee zum Frühstück hätte, damit antwortet, dass Kaffee krank mache und pures Rattengift sei.
Und das war noch eine der unspektakuläreren Erleuchtungen, die Eddie in diesem Film propagiert.
Auch die weiblichen, (leider) nur in Nebenrollen vorkommenden Rollen, Darlene (Robin Wright Penn), Bonnie (Meg Ryan) und Donna (Anna Paquin, X-Men) können begeistern und unterhalten.
Das Ende mag zwar ein wenig unerwartet kommen, doch meiner Meinung nach ist es durch seine Offenheit durchaus passend und regt zum weiteren Diskutieren danach an.
Also: wer auf dialoglastige, philosophische Filme im Stil von Magnolia oder Waking Life steht und nichts gegen exzessiven Darstellungen von Drogenkonsum hat, dem wird dieser Film garantiert zwei Stunden voller Spaß, aber auch traurigem Mitgefühl und vielleicht sogar ein paar neue Blickwinkel bei dem einen oder anderem Thema geben. Allen anderen empfehle ich, den Film zumindest auszuborgen und sich selbst ein Bild zu machen.