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5.0 von 5 Sternen
Ein Kriminalkommissar mit ausgeprägten Charaktereigenschaften, 9. April 2008
Rezension bezieht sich auf: Hunkeler und die goldene Hand (Gebundene Ausgabe)
Kriminalkommissar Hunkeler ist schon älter. Sein Rücken plagt ihn, und deswegen befindet er sich zur Kur in Rheinfelden. Ärgerlich nur, dass zwei alte Damen die Düsen mit dem warmen Wasserstrahl im Bad so lange besetzt halten! Aber man kennt das ja.......
Als er gerade gemütlich im Solebad sitzt, sieht er eine Leiche mit aufgeschlitzter Kehle an sich vorbeischwimmen.
Natürlich kann er es nicht lassen und schaltet sich in die Ermittlungen ein. Es ist ihm sogar ganz recht so, denn die reine Ruhe ist gar nicht so sein Fall!
Wie sich alsbald herausstellt, ist der Tote ein schwuler Baseler Kunsthändler. Er war mit seinem Freund im Solebad Marina in Rheinfelden abgestiegen.
Die Spurensuche beschränkt sich auf Rheinfelden, Basel, den Aargau, aus dem Hunkeler stammt, und auf ein bisschen Schwarzwald. Zunächst aber gibt es Kompetenzstreitigkeiten. Wer ist zuständig? Die Polizeibehörde in Basel oder die in Rheinfelden?
Eine ganze Anzahl von Verdächtigten kommt ins Spiel.
Da gibt es eine Kunstfälscherbande, der man auf die Schliche kommt; Gastwirtinnen und Badegäste, Überfälle auf Kunstgalerien und Bahnhofsfächer verwirren den Leser und lassen ihn rätseln, wer wohl als Mörder in Betracht kommt, und wie nun der Mord an dem Kunsthändler damit zusammen hängt.
Die Spur führt zu der sagenumwobenen goldenen Hand Rudolfs von Rheinfelden. Sie war von Kunsträubern in Sachsen-Anhalt gestohlen und nach Basel gebracht worden, um hier an einen Kunsthändler verkauft zu werden.
Ruhig und besonnen macht sich Hunkeler auf die Suche nach den wahren Tätern. Er ist froh, der Langweile zu entkommen, die ihn als Vorruheständler bedroht.
Hunkler geht gerne in der Natur spazieren und trifft sich in angenehmen Lokalen zu seinen konspirativen Treffen. Die Schweiz, das Elsass und der Schwarzwald sind Hochburgen der Gastronomie. Sie gestatten Einblicke in das Bürgerdasein, hinter dem sich Neugierde, Klatsch, Gerede und versteckte Hinweise finden. Daneben erfährt man, was in der Kunstszene gespielt wird. Eine Apollostatue und seine Verehrer, alemannische und keltische Kunst im Wettbewerb und verrückte Brauchtumsaussteiger beleben eine Szene, die Hunkeler eher anödet als erfreut. Sein Alter und seine Knochen machen ihn unwillig!
Hunkeler sucht eher genötigt als freiwillig auch in Homosexuellenkneipen und in der feinen Baseler Gesellschaft nach dem mutmaßlichen Täter. Besonnen, weise und unaufgeregt führt seine Suche am Ende zum Erfolg!
Da mag der Spannungsbogen eher klein gehalten sein:
der Roman ist mehr Gesellschaftsstudie denn Krimi, mehr Anschauungsmaterial zum Dreiländereck Schweiz- Elsass-Schwarzwald als rasanter Verfolgungsthriller. Die Figur des Hunkeler bietet den Plot, um den sich die Welt der Schurken und Kunstfälscher, der Aufklärer und der Klatschreporter, der braven Bürger und der neugierigen Zuschauer gruppiert. Hunkeler alleine, sein Lebensstil und seine Mentalität ist es wert, sich mit dieser Geschichte zu befassen.
Gedankt sei dem Autor Hansjörg Schneider für die Hommage an Land und Leute der Örtlichkeit und eine hervorragend beschriebene Gastronomie!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Kunst, über Kunst zu schreiben oder wie das goldene Mittelalter lebendig wird, 27. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Hunkeler und die goldene Hand (Gebundene Ausgabe)
Es stimmt schon, dass Hansjörg Schneiders Romane mit dem Kriminalkommissär Peter Hunkeler süchig machen. Dass man seinen neuesten Fall in einer Nacht durchliest. Dabei liegt der Fall keinesfalls klar. Denn es sind zwei verschiedene Fälle und zwei verschiendene Szenen, die sich überschneiden und verzahnen. Souverän führt der Autor die Beteiligten durch die ganze Regio basiliensis, und den Leser an der Nase herum. Der Schluss ist durchaus eine Überraschung, die hier aber nicht verraten werden soll. Dank Peter Hunkelers Wissen um geschichtliche und menschliche Zusammenhänge kann er Menschenleben retten. Mystisches hingegen erweist sich stärker als Materielles. Das macht die Lektüre anspruchsvoll. Entschädigt wird der Leser durch wirklich wunderschöne Landschaftsschilderungen und die liebevolle Zeichnung junger Leute auf der Suche nach neuen Sinn- und Lebensformen. Sucht der Kriminalkommissär nicht auch nach einer neuen Daseinsform? "Wie Hunkeler Bauer wurde" spottet ein Bisschen seine Freundin Hedwig, aber sie macht mit. Man darf gespannt sein, wie Peter Hunkeler seinen nächsten Fall lösen wird.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Weiterhin süffige Unterhaltung, 3. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Hunkeler und die goldene Hand (Gebundene Ausgabe)
Rechtzeitig zu seinem 70. Geburtstag erschien ein weiterer Hunkeler-Krimi von Hansjörg Schneider. Wie gehabt poltert der unter Rückenbeschwerden leidende und krankgeschriebene Kommissär auf eigene Faust im Dreiland umher, um einen Mord aufzuklären und Kunstdieben das Handwerk zu legen. Wenn man eine Verfilmung gesehen hat, dann kommt man nicht umhin, bei Hunkeler an Mathias Gnädiger zu denken. Im Vergleich zum vorangegangenen Roman ("Der Fall Livius") ist der aktuelle dichter und stringenter geschrieben; man weiss nicht schon in der Mitte, wer der Mörder ist. Natürlich hat auch dieser Krimi wieder seine sympathischen Schwächen, sei es ein orthografischer Irrtum wie "Crowler" (statt "Crawler"), sei es die ein wenig an den Haaren herbeigezogene Story von den Heimatschutzhabsburgern, die alles unternehmen, um die mumifizierte Hand von Rudolf von Habsburg wieder nach Rheinfelden zu holen, sei es der ewig inkompetente Kollege Madörin, der gegen alles Schwule wettert oder der in der Kulturschickeria verkehrende Staatsanwalt Suter. Seien wir ehrlich - wir wollen es gar nicht anders, denn Hansjörg Schneiders Krimis bieten ausserordentlich gute Unterhaltung, die seit jeher mit einem zwinkernden Auge Gastronomie und Gesellschaft im Dreiland vorführen. Dass dies einem Bedürfnis entspricht, davon zeugen die Verkaufszahlen. Es sind Sätze wie die Folgenden, die mir beim Lesen gut tun und auch den Autor in Berührungsnähe bringen: "Er rollte langsam durch die Dörfer. Es gefiel ihm, dieses Tuckern im Sog der Scheinwerfer. Er fühlte sich eingepackt, heimisch in seinen Gedanken." Und: "Er grinste bitter. Er war jetzt so alt, dass er bereits von der heutigen Jugend redete. Dabei war seine eigene Jugend noch immer zum Greifen nah, jedenfalls in der Erinnerung."
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