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Hungry: "Ich wollte essen. Aber ich wollte auch in der Vogue sein."
 
 
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Hungry: "Ich wollte essen. Aber ich wollte auch in der Vogue sein." [Taschenbuch]

Crystal Renn
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (15 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Während sich inzwischen die Kleiderständer für Prêt-à-porter-Mode unter dem Gewicht voluminöser XXXL-plus-Konfektion biegen, staksen noch immer spindeldürre Frauen notdürftig verhüllt in extravaganten 00-minus-Fähnchen über die Catwalks der Haut-Couture. Allzu schnell verhallt ist der Aufschrei des Entsetzens, den an Bilder aus dem KZ erinnernde riesige Plakate des Benetton-Schockwerbefotografen Oliviero Toscani in den Straßen von Rom und Mailand auslösten, weil sie einen zum Skelett abgemagerten Körper eines nackten Models zeigten. Und als nicht viel mehr als Lippenbekenntnisse erwiesen sich die Besserungsschwüre, mit denen die Branche den Hungertod von Top-Models wie Hila Elmalich, den Geschwistern Ramos oder Ana Carolina Reston quittierten.

Dass Crystal Renn nicht dasselbe Schicksal ereilte, hat sie einzig und allein der an ein Wunder grenzenden Widerspenstigkeit ihres Körpers zu verdanken. Bis auf 48 Kilogramm hatte ihn das 1,75 große Model bereits in einem beispiellosen Kraftakt aus Selbstkasteiung und Selbstzerstörung ausgemergelt, ehe er den Gehorsam verweigerte und zulegte statt abnahm. Um nicht zu sterben, blieb Renn also gar keine Wahl, als zur Besinnung zu kommen. Und so trat sie schließlich den Beweis an, dass das Plus-Size-Modeln – die Rede ist von Konfektionsgrößen um die 42 wohlgemerkt! – nicht zwangsläufig nur etwas für Frauen im reiferen Alter sein muss. In ihrem Buch mit dem bezeichnenden Titel Hungry, das nun auch in deutscher Übersetzung vorliegt, erzählt Crystal Renn die bewegende Geschichte eines 14-jährigen Mädchens aus der Provinz in Mississippi, das auszog, um so berühmt wie Gisele Bündchen zu werden. „Ich will, dass sich Frauen endlich bewusst werden, was sie ihrem Körper antun, wenn sie ihn so sehr hassen und mit Hunger malträtieren, wie ich es getan habe“, sagte die heute 22-Jährige anlässlich der Buchpräsentation. „Ich war magersüchtig. Ich war in der Hölle. Jetzt esse ich, was ich will, und bin trotzdem Model.“

Zugleich ein aufschlussreicher Insider-Bericht und Munition für Politiker vom Schlage einer Valérie Boyer, die sich unermüdlich für ein europäisches Gesetz gegen die „Anstiftung zur Magersucht“ stark macht, oder für Modedesigner wie Jean-Paul Gaultier, der als einer der Wenigen auch Frauen mit weiblichen Rundungen eine berufliche Chance gibt. – Franz Klotz

Pressestimmen

"Crystal Renn gehört zu den Ikonen der Full-Figure-Models." (sueddeutsche.de)

Kurzbeschreibung

„Ich wollte essen. Aber ich wollte auch in der ’Vogue’ sein.“ Crystal Renn

Sie ist ein weltweit erfolgreiches Plus-Size-Model. Dolce & Gabbana und Jean-Paul Gaultier buchen Crystal Renn für Fashion-Shows, „Harper’s Bazaar“ und „Vogue“ zeigen sie auf der Titelseite, Mango und H&M veranstalten große Werbekampagnen mit ihr. Für ihren Traum – eine Karriere als Model –wäre sie jedoch fast gestorben: Ihre Agentur nötigt sie so lange zum Abnehmen, bis ihr Körper schließlich streikt. Anstatt jedoch weiter zu hungern, startet sie eine neue Laufbahn als fülliges Model. Eine einzigartige Erfolgsstory nimmt ihren Lauf ...

Als Crystal Renn 14 Jahre alt ist, wird sie von einer Modelagentur in Florida entdeckt, die sie erst einmal auffordert, fast 40 Prozent ihres Körpergewichts abzuspecken. In einem Jahr nimmt der Teenager 35 Kilo ab und erkrankt schwer. „Mein Körper schrie förmlich auf“, stellt sie rückblickend mit großem Entsetzen fest. Sie entscheidet sich für das Leben und den Genuss und gegen den Kampf mit dem eigenen Körper. Heute, mit 22 und Kleidergröße 42, ist sie im Modelbusiness erfolgreicher denn je – als sogenanntes Plus-Size-Model. Kein Geringerer als Jean-Paul Gaultier präsentierte sie 2006 als seine neue Muse in Paris, Ellen von Unwerth fotografierte sie für „Harper’s Bazaar“, große Modelabels reißen sich um sie. Renn lebt ihren Traum von einer Modelkarriere – so wie sie ist. Dieses Buch ist der überraschend reife Bericht einer lebenshungrigen und charismatischen jungen Frau, die zeigt, dass man seinen eigenen Weg zum Erfolg finden muss.

Insiderbericht aus einer Branche, von der Millionen Mädchen träumen.

Klappentext

Crystal Renn gehört zu den Ikonen der Full-Figure-Models."
sueddeutsche.de

Über den Autor

Crystal Renn, geboren 1986, ist Amerikas gefragtestes Plus-Size-Model. Sie war das erste mollige Covergirl auf einer internationalen Ausgabe von "Harper's Bazaar" und hat mittlerweile die High-Fashion-Welt von Top-Designern wie Dolce & Gabbana oder Jean-Paul-Gaultier erobert. Mit ihrem Ehemann Greg Vrecenak, der an einer High School Englisch unterrichtet, lebt sie in Brooklyn.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Dies ist die Geschichte zweier Bilder.
Das erste Foto zeigt das Supermodel Gisele. Gemacht hat es der Fotograf Steven Meisel, es erschien 2000 in der Vogue. Es zeigt Gisele beim Posing in einem eng anliegenden weißen Kleid vor dem grauen Fotohintergrund im Studio. Ihre Haut glänzt golden. Ihr Haar wird vom Wind aufgewirbelt, als sei sie gerade von einer Brise überrascht worden, die durch ein offenes Fenster außerhalb des Bildes weht. Ihre Hände, ihre Augen, die Lineatur ihres Rückens - alles ist anmutig und ausdrucksstark. Sie ist absolut faszinierend.
Ich war 14 Jahre alt, als ich das Foto sah. Es war das erste Mal, dass ich jemals eine Ausgabe der Vogue durchblätterte. Ich hatte mich vorher nie um Modemagazine gekümmert. Dieses hier schaute ich mir nur an, weil ein Mann, den ich den Scout nennen möchte, mir eins in die Hand gedrückt hatte. Er arbeitete für eine der großen Modelagenturen - nennen wir sie einfach die Agentur - in New York. Sein Job war es, sich in den entlegenen Gegenden Amerikas rumzutreiben, in den Junior Highschools und Einkaufszentren der Vorstädte, immer auf der Suche nach dem nächsten Topmodel.
Einen wie den Scout hatte ich nie zuvor getroffen. Er war weltgewandt und freundlich, schmeichlerisch und doch aufrichtig. Ich war ganz geblendet von seinem Hemd. Maßgenau geschneidert, war es vermutlich teurer als meine gesamte Garderobe. Als er die Vogue bei Giseles Bild aufschlug, wusste er genau, was er tat. Er verankerte eine bestimmte Fantasie in mir. In den paar Sekunden, die es dauerte, Giseles Schönheit und erotische Ausstrahlung aufzunehmen, hatte sich in mir eine neue Vorstellung von weiblicher Perfektion gebildet. Es war Gisele.
Das war der Moment, in dem der Scout sagte: "Das könntest du sein."
Und auch wenn ich erst 14 war, so an die 30 Kilo mehr wog als Gisele und gerade mal mit der Kultiviertheit eines Mädchens aus Clinton, Mississippi, einer Kleinstadt von 23 000 Einwohnern, aufwarten konnte, glaubte ich ihm.
Das zweite Foto ist aus dem Jahr 2007. Es zeigt den nackten Rücken einer wohlgeformten Frau, in deren Nacken sich eine Locke ihres dunklen Haars kräuselt. Um ihren Körper ist ein edel anmutendes rotes Tuch geschlungen. Ihr Blick geht in die Ferne, sie wird seitlich von weichem, nordisch-mildem Licht beleuchtet. Sie erinnert an eine griechische Göttin oder an ein Gemälde alter Meister, wie Tizian oder Vermeer. Man sieht ihr ein gewisses Gewicht an. Da sie sich leicht nach rechts neigt, bilden sich zwei dezente Einkerbungen an ihrer Taille. (Weniger wohlmeinend könnte man diese sinnliche Fülle auch als Speckröllchen bezeichnen.) Die Aufnahme hat Ruven Afanador für die Breast Cancer Research Foundation gemacht, eine Einrichtung zur Erforschung von Brustkrebs. Es war eine nichtkommerzielle Anzeige, die sowohl zeitlos als auch aktuell aussehen sollte. Die Zielsetzung war, Schönheit und Stärke gleichermaßen zu zeigen, ein Bild der Hoffnung auf eine gesunde Zukunft für Frauen. Es war in allen großen Frauenzeitschriften Amerikas zu sehen, von Vogue bis O, von Bon Appetit bis Prevention. Die Frau auf dem Foto bin ich.
Hungry ist die Geschichte, wie ich vom ersten Foto zum zweiten kam.
Eine Gerade mag die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten sein, aber für mich verlief die Reise vom ersten Bild zum zweiten über Kontinente und ließ den Zeiger meiner Personenwaage vor- und zurückschnellen wie bei einer Zeitrafferaufnahme aus einem Schwarz-Weiß-Melodram der dreißiger Jahre. Dazwischen liegt ein Jahrzehnt voller Triumphe und Demütigungen, ein Auf und Ab von drastischem Gewichtsverlust und Episoden von Ruhm und Erfolg, gefolgt von Scheitern, Auszehrung und Essstörungen - bis ich schließlich sagte: genug.
Ich begann zu essen. Ich hörte auf, für sieben oder acht Stunden am Tag mit den schlenkernden Armen und Beinen einer Marionette stumpfsinnige Runden auf einem Crosstrainer zu drehen. Ich hörte auf, mir wie besessen Gedanken darüber zu machen, ob ich auch nur einen einzigen zuckerfreien Kaugummi essen dürfte. Ich wurde schwerer. Ich nahm Dutzende Pfunde zu und übersprang dabei einige Kleidergrößen - von Konfektionsgröße 00 (das ist noch etwas kleiner als die deutsche Größe 32, Anm. d. Red.) auf 12 (was der deutschen Größe 42 entspricht). Aber ich achtete nicht weiter auf die Gewichtszunahme oder die Einbuße meiner streichholzdünnen Gliedmaßen. Ich hatte mich gegen das Hungern entschieden.
Und das Seltsame ist: Man kann es verrückt, Ironie des Schicksals oder ausgleichende Gerechtigkeit nennen, aber als ich aufhörte zu hungern, begann meine Karriere erst richtig. Da hatte ich dann Aufnahmen in fünf Ausgaben der Vogue und war auf den Titelblättern der internationalen Ausgaben von Harper's Bazaar und Elle. Ich war bei der Anzeigenkampagne von Dolce & Gabbana vertreten. Und ich war auf dem Laufsteg das Schlussmodel für Jean Paul Gaultiers Pret-a-porter-Schau in einem hauchdünnen, atemberaubend figurbetonten Märchenkleid, das mit einer Unzahl hauchzarter Seidenblumen bedeckt war. Da wurde ich zu Oprah Winfrey eingeladen. Ich wurde zum bestbezahlten Übergrößen-Model Amerikas. Es machte mich zum Lieblings-Model des Mannes, der 2000 das wundervolle Bild von Gisele gemacht hatte, nämlich des großartigen Steven Meisel. Und das alles mit dem Gewicht, das zu meinem Körper passte.
Ich war wohl nicht allein bei meinem Abstieg in den Wahnsinn der Gewichtsbesessenheit. Fünf bis zehn Millionen Amerikaner leiden an Essstörungen. Eine Studie von 2005 zeigte, dass über die Hälfte aller Mädchen im Teenageralter und fast ein Drittel aller Jungen in dem Alter auf ungesunde Weise versuchen, dünn zu bleiben, etwa durch das Auslassen von Mahlzeiten, Rauchen mit dem ausdrücklichen Ziel, Gewicht zu verlieren, Erbrechen oder die Einnahme von Abführmitteln. Selbst Frauen ohne den klinischen Befund einer Störung verschwenden erschreckend viel Zeit damit, sich Gedanken über ihr Gewicht zu machen, und damit, ihren Körper zu hassen, weil sie glauben, ihr Leben wäre reicher, erfüllter und glücklicher, wenn sie nur dünner wären.
Ich bin der lebende Beweis, dass das nicht so sein muss. Man kann lernen, Freude an den Körpermaßen zu haben, die einem mitgegeben wurden. Ich musste 32 Kilogramm verlieren (neben ganzen Büscheln von Haaren, Muskelmasse, meiner Konzentrationsfähigkeit und jeglicher Lebensfreude), ehe ich zur Vernunft kam. Ich gewann wieder an Gewicht, und im Zuge dessen wurde ich ein ungleich erfolgreicheres Model.

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Dies ist die Geschichte zweier Bilder.Das erste Foto zeigt das Supermodel Gisele. Gemacht hat es der Fotograf Steven Meisel, es erschien 2000 in der Vogue. Es zeigt Gisele beim Posing in einem eng anliegenden weißen Kleid vor dem grauen Fotohintergrund im Studio. Ihre Haut glänzt golden. Ihr Haar wird vom Wind aufgewirbelt, als sei sie gerade von einer Brise überrascht worden, die durch ein offenes Fenster außerhalb des Bildes weht. Ihre Hände, ihre Augen, die Lineatur ihres Rückens - alles ist anmutig und ausdrucksstark. Sie ist absolut faszinierend.Ich war 14 Jahre alt, als ich das Foto sah. Es war das erste Mal, dass ich jemals eine Ausgabe der Vogue durchblätterte. Ich hatte mich vorher nie um Modemagazine gekümmert. Dieses hier schaute ich mir nur an, weil ein Mann, den ich den Scout nennen möchte, mir eins in die Hand gedrückt hatte. Er arbeitete für eine der großen Modelagenturen - nennen wir sie einfach die Agentur - in New York. Sein Job war es, sich in den entlegenen Gegenden Amerikas rumzutreiben, in den Junior Highschools und Einkaufszentren der Vorstädte, immer auf der Suche nach dem nächsten Topmodel.Einen wie den Scout hatte ich nie zuvor getroffen. Er war weltgewandt und freundlich, schmeichlerisch und doch aufrichtig. Ich war ganz geblendet von seinem Hemd. Maßgenau geschneidert, war es vermutlich teurer als meine gesamte Garderobe. Als er die Vogue bei Giseles Bild aufschlug, wusste er genau, was er tat. Er verankerte eine bestimmte Fantasie in mir. In den paar Sekunden, die es dauerte, Giseles Schönheit und erotische Ausstrahlung aufzunehmen, hatte sich in mir eine neue Vorstellung von weiblicher Perfektion gebildet. Es war Gisele.Das war der Moment, in dem der Scout sagte: "Das könntest du sein."Und auch wenn ich erst 14 war, so an die 30 Kilo mehr wog als Gisele und gerade mal mit der Kultiviertheit eines Mädchens aus Clinton, Mississippi, einer Kleinstadt von 23 000 Einwohnern, aufwarten konnte, glaubte ich ihm.Das zweite Foto ist aus dem Jahr 2007. Es zeigt den nackten Rücken einer wohlgeformten Frau, in deren Nacken sich eine Locke ihres dunklen Haars kräuselt. Um ihren Körper ist ein edel anmutendes rotes Tuch geschlungen. Ihr Blick geht in die Ferne, sie wird seitlich von weichem, nordisch-mildem Licht beleuchtet. Sie erinnert an eine griechische Göttin oder an ein Gemälde alter Meister, wie Tizian oder Vermeer. Man sieht ihr ein gewisses Gewicht an. Da sie sich leicht nach rechts neigt, bilden sich zwei dezente Einkerbungen an ihrer Taille. (Weniger wohlmeinend könnte man diese sinnliche Fülle auch als Speckröllchen bezeichnen.) Die Aufnahme hat Ruven Afanador für die Breast Cancer Research Foundation gemacht, eine Einrichtung zur Erforschung von Brustkrebs. Es war eine nichtkommerzielle Anzeige, die sowohl zeitlos als auch aktuell aussehen sollte. Die Zielsetzung war, Schönheit und Stärke gleichermaßen zu zeigen, ein Bild der Hoffnung auf eine gesunde Zukunft für Frauen. Es war in allen großen Frauenzeitschriften Amerikas zu sehen, von Vogue bis O, von Bon Appetit bis Prevention. Die Frau auf dem Foto bin ich.Hungry ist die Geschichte, wie ich vom ersten Foto zum zweiten kam.Eine Gerade mag die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten sein, aber für mich verlief die Reise vom ersten Bild zum zweiten über Kontinente und ließ den Zeiger meiner Personenwaage vor- und zurückschnellen wie bei einer Zeitrafferaufnahme aus einem Schwarz-Weiß-Melodram der dreißiger Jahre. Dazwischen liegt ein Jahrzehnt voller Triumphe und Demütigungen, ein Auf und Ab von drastischem Gewichtsverlust und Episoden von Ruhm und Erfolg, gefolgt von Scheitern, Auszehrung und Essstörungen - bis ich schließlich sagte: genug.Ich begann zu essen. Ich hörte auf, für sieben oder acht Stunden am Tag mit den schlenkernden Armen und Beinen einer Marionette stumpfsinnige Runden auf einem Crosstrainer zu drehen. Ich hörte auf, mir wie besessen Gedanken darüber zu machen, ob ich auch nur einen einzigen zuckerfreien Kaugummi essen dürfte. Ich wurde schwerer. Ich nahm Dutzende Pfunde zu und übersprang dabei einige Kleidergrößen - von Konfektionsgröße 00 (das ist noch etwas kleiner als die deutsche Größe 32, Anm. d. Red.) auf 12 (was der deutschen Größe 42 entspricht). Aber ich achtete nicht weiter auf die Gewichtszunahme oder die Einbuße meiner streichholzdünnen Gliedmaßen. Ich hatte mich gegen das Hungern entschieden.Und das Seltsame ist: Man kann es verrückt, Ironie des Schicksals oder ausgleichende Gerechtigkeit nennen, aber als ich aufhörte zu hungern, begann meine Karriere erst richtig. Da hatte ich dann Aufnahmen in fünf Ausgaben der Vogue und war auf den Titelblättern der internationalen Ausgaben von Harper's Bazaar und Elle. Ich war bei der Anzeigenkampagne von Dolce & Gabbana vertreten. Und ich war auf dem Laufsteg das Schlussmodel für Jean Paul Gaultiers Pret-a-porter-Schau in einem hauchdünnen, atemberaubend figurbetonten Märchenkleid, das mit einer Unzahl hauchzarter Seidenblumen bedeckt war. Da wurde ich zu Oprah Winfrey eingeladen. Ich wurde zum bestbezahlten Übergrößen-Model Amerikas. Es machte mich zum Lieblings-Model des Mannes, der 2000 das wundervolle Bild von Gisele gemacht hatte, nämlich des großartigen Steven Meisel. Und das alles mit dem Gewicht, das zu meinem Körper passte.Ich war wohl nicht allein bei meinem Abstieg in den Wahnsinn der Gewichtsbesessenheit. Fünf bis zehn Millionen Amerikaner leiden an Essstörungen. Eine Studie von 2005 zeigte, dass über die Hälfte aller Mädchen im Teenageralter und fast ein Drittel aller Jungen in dem Alter auf ungesunde Weise versuchen, dünn zu bleiben, etwa durch das Auslassen von Mahlzeiten, Rauchen mit dem ausdrücklichen Ziel, Gewicht zu verlieren, Erbrechen oder die Einnahme von Abführmitteln. Selbst Frauen ohne den klinischen Befund einer Störung verschwenden erschreckend viel Zeit damit, sich Gedanken über ihr Gewicht zu machen, und damit, ihren Körper zu hassen, weil sie glauben, ihr Leben wäre reicher, erfüllter und glücklich
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