Dieses Buch ist einfach und verständlich geschrieben. Es zeigt das Leben einer essgestörten jungen Person sehr deutlich. Es beschreibt die Essstörung gut, jedoch mehr auf Annika Fechner selbst bezogen, aber sie spricht immer im "wir", womit ich mich, ebenfalls seit 12 Jahren unter Essstörung leidend, persönlich nicht identifiezieren kann. Sie verallgemeinert zu stark. Ich komme mir wie "über einen Kamm geschert" vor.
Sie durchläuft ca. 9 Klinikaufenthalte und ist mehr bulimisch als anorektisch.
Mich hat das Buch nach ca. dem 2 drittel aggressiv gemacht. Sie erschreckte mich mit ihren Fressatacken und so wie sie mit ihrer Familie umsprang. Ihnen den Kühlschrank leer fras, ohne Rücksicht, und sich ein kugelrundes Bulimie-Gesicht kotzte. In den meisten Fällen neigen anorektisch Erkrankte Personen eher dazu ihre Familie zu bekochen und zu bebacken und sie tun alles, damit es ihnen besser geht als einem selbst, aber das ist nun nicht Thema hier.
Ich schließe mich meinen "Vorschreibern" an, dass sie das Ausmaß, was ihre Familie durchlebte, nicht nachvollziehen kann, sondern äußerst egoistisch um Toleranz gebeten hat, was natürlich Eltern, die zusehen, wie sich ihr Kind Schritt für Schritt dem Tode nähert, nicht einfach akzeptieren können. Ihre Eltern fuhren sie von Klinik zu Klinik, kauften für ihre Fressanfälle ein und sahen hilflos zu, wie sich ihre Tochter zerstörte. Mir hätten irgendwann auch die Worte gefehlt.
Hinzu ständig dieses "wir", wenn es um die Beschreibung der Essstörung geht.
Ich habe selbst die Diagnose "anorexia nervosa", habe etliche Therapien und einen Klinikaufenthalt hinter mir, gelte derzeit als stabil, aber Rückfallgefährdet, ich konnte mich wie gesagt, nicht wirklich in sie hinein versetzen, zudem wurde ihr Borderline diagnostiziert, was eher für diese "Ich hasse euch alle- aber verlasst mich micht und seid lieb zu mir" Erscheinung zutreffend ist.
Sie verfällt stets in die Opferrolle und zeigt, meiner Meinung nach, in diesem Buch keinerlei Willen das Leben zu meistern. Sie schiebt die Schuld den Anderen zu, Menschen, die ihr helfen wollten und nicht mitansehen konnten, wie sie sich selbst zerstört. Doch denen begegnet sie mit Hass, Ablehnung und beteuert stets sowie vorwurfsvoll und gnadenlos unberechtigt, dass "Gesunde" Menschen es nicht nachvollziehen können, wie es ist mit einer Essstörung zu leben. Ich widerspreche dem, denn ich habe andere Menschen kennen gelernt...
Ebenfalls muss ich sagen, dass mir auch die Intention fehlt. Ich konnte dem Buch nach dem Lesen, markieren und analysieren keine eindeutige Aussage zuordnen. Ist das Leben jeder Magersüchtigen so?
Ebenfalls fehlt mir die Frage nach dem WARUM? Sie schafft es nicht den "Auslöser" zu finden bzw. ihr fehlt das Wichtigste: die Gründe, warum es so kam. War es nun Mobbing? Sich hässlich finden? Die Familie? Dies bleibt im Raum.
Andere Werke beschäftigen sich mehr mit diesem Thema und gehen ebenso hart mit sich ins Gericht.
Kurz und allgemein:
Wer einen Eindruck haben möchte, wie einzelne Gedankengänge einer Essgestörter sind, sollte es unbedingt lesen. Wer jedoch nach Motiven, Intentionen und Gefühlen sucht, sollte es bleiben lassen sowie auch akut Gefährdete Personen, da ich ebenfalls eine Spur der Verherrlichung erkenne.