Reinhold Miebach ist kein Schriftsteller, das merkt man durch kleine sprachliche und stilistische Fehler, doch darüber sollte man in diesem Fall hinwegsehen und sich auf die Thematik konzentrieren, denn dieses Buch ist meiner Meinung nach sehr zu empfehlen.
Sprachlich erscheint es insgesamt eher anspruchsvoll (abgesehen von den erwähnten Schwächen) und ist daher insgesamt betrachtet frühestens für die 9. Jahrgangsstufe geeignet.
Unverblümt schildert der Autor seine "Kotz-Sessionen" und den Ekel vor sich selbst, erklärt seine Hilflosigkeit und stellt immer wieder klar, dass Bulimie eine Sucht ist - und ein Süchtiger immer süchtig bleiben wird, auch wenn er "clean" ist.
Durch die Perspektive (Ich-Erzähler) erfährt der Leser die Gefühle und Gedanken des Protagonisten, kann allerdings auch nur Vermutungen über die Gedanken und Gefühle der anderen Personen anstellen. Für den Leser aufschlussreich sind allerdings die immer wieder eingeschobenen Kommentare von Reinhold Miebach - er beschreibt seine Gedanken zum Zeitpunkt der Niederschrift und versucht dem Leser Umstände, Situationen und eigene Vermutungen näher zu erläutern.
Etwas schwierig ist der Überblick über den Handlungsverlauf, da enorme Zeitsprünge und auch immer wieder Einschübe vorhanden sind - wodurch das Buch jedoch interessant und anspruchsvoll wirkt.
Hilfreich sind die im Anhang aufgeführten Erläuterungen zu Essstörungen (etwas mehr als eine Seite, also kurz und bündig).
Beachtenswert: der Autor begrüßt Anfragen von Schulen, Therapieeinrichtungen, Selbsthilfegruppen etc. und stellt sich für Lesungen, Diskussionen und Gespräche zur Verfügung!
Manko: die Schriftgröße ist sehr klein
Fazit: äußerst empfehlenswertes Buch zum Thema Bulimie, gerade weil es aus der ungewöhnlichen Sichtweise eines Mannes geschrieben wurde - ein Tabuthema unserer Gesellschaft (vgl. "Der Adoniskomplex").
unverblümt, überzeugend, glaubwürdig, erschreckend ehrlich