Ich habe schon einige Bücher über Essstörungen gelesen, und besonders gestört hat mich leider an vielen Büchern (meist gerade bei Jugendbüchern) ganz einfach Rührseeligkeit, Oberflächlichkeit oder das Gefühl, die Autoren hätten sich sehr ganu an einem Ratgeber oder wissenschaftlichen Buch über Essstörungen orientiert und würden demnach eine ziemlich flache Musteressgestörte Hauptperson erschaffen. Von Hunger, Hunger war ich dementsprechend positiv überrascht, da es sich vom ersten Eindruck nicht gerade über andere Bücher mit diesem Thema erhebt.
Das Buch erzählt in Tagebuchform die Geschichte von Isabell, die sich ihrer Schwester und ihrer Mutter gleichzeitig unterlegen fühlt und dennoch deren Anpassung an allgemeine Werte verachtet. Freunde hat sie nicht, und in ihrer Familie versteht sie sich nur mit ihrer Oma richtig gut. Vordergründig um abzunehmen und schöner zu werden und sich beliebter zu machen, innnerlich aber auch, um ihre Aggression gegenüber ihrer Familie und Umgebung umzugehen, entwickelt Isabell Bulimie. Zwar wird sie tatsächlich beliebter, dennoch leidet sie immer mehr unter ihrer Krankheit, bis sie zusammenbricht und in eine Jugendpsychiatrie eingewiesen wird. Dort muss sie sich langsam wieder ein normales Essverhalten und ein besseres Verhältnis zu sich und ihrer Umwelt erarbeiten.
Isabelle wirkt als Charakter sehr lebendig und überzeugend. Das Buch ist schön und verständlich geschrieben und lässt sich gut weglesen. Die Autorinnen beschreiben das Krankheitsbild gut, ohne sich an Oberflächlichkeiten zu klammern und LeserInnen (die evtl. selbst unter Essstörungen leiden) mit allzuviel Dramatik über die Symptome von Bulimie und Isabells genauen Gewichtsbeschreibungen zu quälen. Auch wird der Heilung der Krankheit Platz gelassen und nicht nur der Krankheit selbst, wie in einigen anderen Jugendbüchern. Das Buch at etwas positives und hoffnungsvolles an sich, auch wenn es um ein trauriges Thema geht. Auch schön ist, dass es hier mal um ein bulimisches, und nicht ein magersüchtiges Mädchen geht, was sonst nicht allzu oft vorkommt. Alles in allem ein empfehlenswertes Buch!