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Die beiden Frühvierziger Rick Smith (Electronics) und Karl Hyde (Gesang, Gitarre) haben ihr neuestes Werk deutlich zurückhaltender produziert. Technohämmer wie "Dark Hard", "Moaner", "Kittens" und die "Trainspotting"-Hymne "Born Slippy" fehlen hier leider gänzlich. Dafür zeigen die beiden Engländer mehr Details, Nuancen und feine Untertöne unter ihren bewährten, tranceartigen Klangteppichen und Big-Beat-Grooves. Auch der Gesang ist weiterentwickelt, und Karl Hyde hat die Magie der Vokalharmonien für sich entdeckt. Und sein Gitarrenspiel wird nicht nur als Klangeffekt angedeutet, sondern bekommt mehr Raum eingeräumt. Die erste Singleauskopplung "Two Months Off" ist ein gutes Beispiel dafür.
Insgesamt haben Underworld mit dem Ausstieg von Darren Emerson zwar an musikalischen Schauwerten verloren (obwohl sie live immer noch wahre Klangorgien zelebrieren), dafür aber die Tiefen und Feinheiten der elektronischen Musik (wieder-)entdeckt. Und in manchen Momenten sind sie gar nicht mal allzu weit entfernt von ihren schöngeistigen Synthiepop-Vergangenheit als "Freur" (remember "Doot Doot"?), was ja nicht das Schlechteste ist.
Underworld bleiben auch mit ihrem ersten Alterwerk "Two Months Off" eine spannende Band, die den Begriff "Techno" auch außerhalb der Neunziger noch mit viel Innovation und Eigenständigkeit verbinden lässt. Hut ab dafür!
"A Hundred Days Off" bietet alles, was der Underworld-Fan von einem gepflegten Album der Jungs erwartet: Treibende Beats, die einen selbst am Schreibtisch in scheinbar nervöse Zuckungen verfallen lassen, die klassischen Underworld-Vocals und 62 Minuten erstklassige elektronische Musik, die nicht eine Sekunde lang langweilig ist und gänzlich darauf verzichtet, auf irgendwelchen Pseudo-Trends mitzureiten, sondern von Anfang bis Ende ganz Underworld ist!
Der entscheidende Unterschied zu den Vorgängeralben ist der, daß dieses Album hier entschieden relaxter ist als zum Beispiel "Beaucoup Fish" es war. Diese Scheibe hier ist damit stellenweise sogar mehr was für's entspannte Homelistening, denn für das Abfeiern auf dem Dancefloor.
Fazit: Ein rundum gelungenes Album, auf das es sich zu Warten gelohnt hat!
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