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Hundezeiten
 
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Hundezeiten [Gebundene Ausgabe]

Patrice Nganang , Gudrun Honke , Otto Honke
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Stadtansicht von unten - Patrice Nganang beschreibt «Hundezeiten» in Yaoundé Angela Schader Er träume davon, schreibt der vor elf Jahren aus Kamerun emigrierte Patrice Nganang, in seinem literarischen Werk seine Geburtsstadt Yaoundé mit Worten nachzubauen – eine Stadt aus Geschwätz und Lärm, aus Kehrichtgestank und Bratfleischduft, aus den Lügen der Mächtigen und den Illusionen der Jungen; eine erinnerte Stadt, in der er «nach Herzenslust spazieren» und die Eindrücke der Kindheit aufleben lassen könnte. Warum er dann nicht lieber gleich nach Yaoundé zurückkehre, kontert er in trockenem Ton sich selbst. Im Essay «Schreiben als Selbstgespräch», den der 1970 geborene Schriftsteller ursprünglich als Referat für ein Kolloquium in Bayreuth aufsetzte, lautet die Antwort: dass gerade die räumliche Entfernung Bedingung sei für jene «bedrängende Gegenwart» der Heimatstadt, aus der sich sein Schreiben nähre. Wer Nganangs Roman «Hundezeiten» liest – die Originalfassung mit dem Titel «Temps de chien» wurde letztes Jahr mit dem höchsten afrikanischen Literaturpreis, dem Grand Prix littéraire de l'Afrique noire, ausgezeichnet –, wird freilich auch feststellen, dass Yaoundé vielleicht tatsächlich aus Distanz leichter zu lieben ist. Denn nostalgische Verklärung der Kindheitswelt wird man dem jungen Autor beileibe nicht vorwerfen können. Wie es der Titel andeutet, zwingt er in «Hundezeiten» die Perspektive auf die Augenhöhe eines vierbeinigen Protagonisten nieder, den er allerdings mit menschlichem Ausdrucks- und Denkvermögen ausstattet: «Ich habe», teilt uns die Promenadenmischung Mbudjak gleich auf der ersten Seite mit, «die Konstruktionen ihrer Sätze geschluckt und die Intonation ihrer Sprache. Ich habe ihre Ausdrucksweise erlernt, und ich kokettiere mit ihrer Art zu denken.» Zudem treibt das Tier – von seiner Herrschaft je nach Laune getätschelt oder misshandelt – bald einmal eine unersättliche Neugier zu erfahren, was denn an diesen Menschen «menschlich» sei. Die einem Vierbeiner in die Schnauze gelegte Rollenprosa ist literarisch nicht unproblematisch: In jüngerer Zeit hat Paul Auster das Kunststück in «Timbuktu» versucht, das zur gefühligen Hymne auf hündische Treue geriet; etwa zur gleichen Zeit schickte John Berger den Rüden «King» durch soziale Randzonen. Der Kameruner vermeidet bei der Gestaltung seines Protagonisten die naive Attitüde, mit der Auster eine eher künstlich wirkende Glaubwürdigkeit herbeizuschreiben versuchte, ebenso wie das Abheben in analytische Höhen, das bei Berger irritierte. Mbudjak präsentiert sich als ein unbefangener, aber keineswegs besonders «hündischer» Ich-Erzähler, seine Kritik an der Spezies Mensch und den von ihr geschaffenen (und erduldeten) Lebensumständen erwächst vorab aus der Rekapitulation von Beobachtetem und Erlauschtem. Mehr hätte sich allenfalls aus der Sichthöhe dieses aufmerksamen Betrachters machen lassen: eine chaotische Millionenstadt wie Yaoundé erlebt man wohl noch einmal anders, wenn die Perspektive von Schienbeinen und bunten Pagne-Röcken verstellt, die Nase auf gleicher Höhe wie Abfallhaufen und Auspuffgase und das Vorankommen ein steter ängstlicher Hakenschlag ist. Diese Art von Bedrängnis wird nur gelegentlich spürbar; und in der Regel hält Mbudjak auch eine Distanz zu den Objekten seines Sinnens und Betrachtens, die ihm – trotz seiner köterhaften Schäbigkeit, trotz der eingestandenen Abhängigkeit von seinem Meister Massa Yo – eine Art Überlegenheit über die Menschen verleiht. Dass Mbudjak überhaupt einen Herrn sein eigen nennt, ist ein Privileg; deshalb sei auch die etwas paradoxe Art erlaubt, diese Besitzverhältnisse auszudrücken. Der wohlgenährte, an der Leine ausgeführte Haushund – eine Verrücktheit, die sich eigentlich nur Weisse leisten – war Statussymbol in besseren Zeiten, als Massa Yo noch täglich ins Büro wallte; nach dem Verlust des Pöstchens ist es vorbei mit Dosenfutter und Lebensstil, dafür verschafft Massa Yos neue Existenzgrundlage – eine improvisierte Saufkneipe – dem Hund reichlich Lebendware zur Beobachtung. Er lauscht den feuchten Anzüglichkeiten alternder Don Juans, die jeden vorbeiziehenden Frauenhintern taxieren, so gut wie den spektakulären Lügengeschichten, mit denen der «Panther» genannte Stammkunde nicht so sehr die Gäste in Bann schlagen als ein Freibier schnorren will; er sieht zwei Frauen sich um einen dieser trinkfreudigen Taugenichtse dreschen, als gelte es das Leben; er sieht den feigen Rückzug der Anwesenden, als der beste Freund seines Herrn zusammen mit dem «Raben» – einem schweigsamen Schriftsteller, der sich unters Stammpublikum gemischt hat – grundlos verhaftet wird; er sieht die Schmach und Gier der Armen, als der «Rabe» Rache nimmt für den Verrat. Ein Entkommen aus dieser erbärmlichen Welt gibt es nicht: Wohin Mbudjak, mal entlaufen, mal verlaufen, auch kommt, ist die Stadt mit Unrat und fauligen Miasmen überzogen, sind die Menschen bis aufs Blut gereizte Sklaven ihrer hungrigen Bäuche, so dass der Hund am Schluss demütig wieder bei Massa Yo unterkriecht. Und allenthalben scheint über der Menge ein dumpfes Grollen zu schweben, dass am ganzen Elend «sie» die Schuld trügen – die politische Elite eines Landes nämlich, das zur Entstehungszeit des Romans auf den hintersten Plätzen des Korruptionsindexes von «Transparency International» rangierte. Erst im rebellischen Erwachen aus der lähmenden Starre von Armut und Angst werden – in Mbudjaks Augen – Yaoundés Bewohner «als Menschen wiedergeboren», hat der Hund die lang gesuchte Menschlichkeit gefunden. Wenn Patrice Nganang seinen Traum, die Heimatstadt in Worten nachzuschaffen, bis dahin auf bitterlich nüchterne Weise in die Tat umsetzte, so hat sich der Autor mit dieser revolutionären Vision im letzten Moment doch noch auf Schmetterlingsjagd begeben.

Kurzbeschreibung

In ganz neuem Ton, lebensvoll und deftig, intelligent und differenziert, entwirft Patrice Nganang ein vitales Bild des heutigen Kamerun. Aus der Perspektive eines denkenden Hundes entdeckt er gleichzeitig so manches zu der Frage: Was ist der Mensch?

Der Verlag über das Buch

Aus der Hörbuch-Reihe "AFRIKA ERZÄHLT" von steinbach sprechende bücher und Scala Z Media.
2008 mit dem DEUTSCHEN HÖRBUCHPREIS als "Beste verlegerische Leistung" ausgezeichnet! -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Audio CD .

Über den Autor

Patrice Nganang, 1970 in Kamerun geboren, studierte in Yaoundé, Frankfurt und Berlin Literaturwissenschaft. In Frankfurt promovierte er über Brecht und Soyinka. Seit 2000 lehrt er Literatur an der Shippensburg University (USA). Als Autor von Essays, Kritiken, Gedichten und Romanen hat er bereits viele Preise bekommen.

Roman Knizka ist ein beliebter Film, TV- und Theaterschauspieler. Die Zeitschrift "Theater heute" kürte ihn 1994 zum Schauspieler des Jahres. Er spielt in vielen Kino- und Fernsehfilmen an der Seite bekannter Kollegen wie Götz George, Til Schweiger und Franka Potente. Im Kino war er zuletzt in dem für den Oscar nominierten niederländischen Drama "Die Zwillinge" zu sehen. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Audio CD .
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