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Hundert Tage: Roman
 
 
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Hundert Tage: Roman [Taschenbuch]

Lukas Bärfuss
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 208 Seiten
  • Verlag: btb Verlag; Auflage: Genehmigte Taschenbuchausg., 1. Aufl. (8. Februar 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442739039
  • ISBN-13: 978-3442739035
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 11,6 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 175.521 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Lukas Bärfuss
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Bärfuss erkundet die moralische Dimension der Politik. Doch er schreibt nicht als Moralist, sondern als genauer Beobachter, der sein Thema mit wissenschaftlicher Akribie recherchierte. (...) Ein eindrucksvolles Buch, in dem eben nicht die Fakten zur Hauptsache werden, sondern die Figuren und ihre Verstrickungen erlebbar sind.«

(Jörg Magenau, taz )

»Was für ein ungeheures Buch! So etwas wird in deutscher Sprache nur selten geschrieben. Ein hochpolitischer Roman, der sich nicht in schnellen, vorgefertigten Schuldsprüchen erschöpft und einem schon damit die Ruhe rauben kann.«

(Uwe Wittstock, Die Welt )

»Ein packend, oft überwältigend dicht erzählter Roman.« (Volker Hage, Der Spiegel )

Kurzbeschreibung

Eine schicksalhafte Liebe in Zeiten des Krieges: packend, brisant, eindringlich

Voller Optimismus war der junge Schweizer Entwicklungshelfer David 1990 nach Ruanda aufgebrochen, ins damalige Vorzeigeland des afrikanischen Kontinents. Vier Jahre später sind alle Hoffnungen zerschellt: das Land wird zum Schauplatz eines furchtbaren Genozids. David muss miterleben, dass seine Geliebte Agathe, Tochter eines Ministerialbeamten, zu den Mördern zählt. Und auch David, der „Gutmensch“, wird schließlich zum Komplizen, um seine eigene Haut zu retten.


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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von o-o
Format:Taschenbuch
Ein über weite Strecken gut lesbarer, interessanter R O M A N (!). - Ja, auch wenn die historische Situation der politischen Wirren und furchtbaren Massaker in Ruanda anfangs der 90er Jahre solide recherchiert wurde, so ist doch die Geschichte von David Hohl und seiner Entwicklungshilfe-Organisation pure Fiktion.

Bärfuss verdeutlicht diese Subjektivität noch durch die (völlig unnötige) Konstruktion eines Ich-Erzählers, der als "gebrochener Mann" seine afrikanischen Abenteuer im winterlichen Schweizer Jura einem ehemaligen Schulkameraden schildert.

Um die titelgebenden 100 Tage (der Metzeleien im Ruandischen Kigali) geht es eigentlich nur auf ca. 15 der 190 Seiten.

Kurz gesagt, veranschaulicht Bärfuss an diesem Katastrophenszenario seine Sicht der jahrzehntelang vorhergegangenen nutzlosen Entwicklungshilfe-Zusammenarbeit mit den parasitären Oberschichten. Das Interaktionsschema besteht darin, dass die örtlichen Repräsentanten von Politik und Verwaltung den Entwicklungshelfern nach dem Munde reden, um ihnen die Sinnhaftigkeit des personellen und finanziellen Einsatzes zu bestätigen. In Wirklichkeit werden so Verhältinisse stabilisiert, die moralisch nicht zu legitimieren sind.

Der etwas naive junge Entwicklungshelfer David lernt bei seinem Aufenthalt charakteristische Verhaltensweisen der einheimischen Bevölkerung kennen, die einem Europäer völlig "spanisch" vorkommen. U.a. das kastenartige Stammeswesen mit seiner Unterscheidung der "Kurzen" und der "Langen", welches angeblich die bösen Belgier als Kolonialherren zementiert hatten.
Zur Vertiefung seines Studiums der Afrikanischen Seele treibt er es ausgiebig mit einer schwarzbraunen Schönheit, die zunächst ständig von Brüssel schwärmt, sich letztlich aber auch wahnhaft in die Stammesfehden hineinsteigert.

Bis zum Beginn der Unruhen versteht es Bärfuss, möglicherweise liebgewonnene Ansichten der Leser zu erschüttern und mit stark vereinfachenden Gegenpositionen zu konfrontieren (die aber bemerkenswert sind). Dann gerät jedoch alles ins Wanken, niemand überlebt mehr ohne Blut an den Händen. Selbst der herzensgute David köpft seinen liebevoll gesundgepflegten Bussard.

Fazit: Dass der Autor bisher mit Schauspielen Erfolge erzielen konnte, merkt man wohl am Aufbau seines dramtischen Stoffes und der handelnden Figuren. Leider gelingt es ihm aber mit dem vorliegenden Buch überhaupt nicht, die Fäden der Handlung und - wesentlich v.a. - der moralischen Ableitungen auf die Zielgerade zu bringen.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
"Nein, wir gehören nicht zu denen, die Blutbäder anrichten. Das tun andere. Wir schwimmen darin. Und wir wissen genau, wie man sich bewegen muss, um obenauf zu bleiben und nicht in der roten Soße unterzugehen", sagt der Schweizer Entwicklungshelfer David Hohl. Er ist der Protagonist des Romans "Hundert Tage" des bisher vor allem als Dramatiker bekannt gewordenen Autors Lukas Bärfuss. Weil ich dieses Zitat kannte, wollte ich den Roman erst nicht lesen. Als ich es dann doch tat, war ich überrascht: Dieses Buch ist sensibel geschrieben, vielschichtig und spannend. Außerdem imponiert mir die präzise Recherche.

Der Ich-Erzähler David Hohl macht sich Ende Juni 1990 auf den Weg nach Kigali. Es ist seine allererste Flugreise überhaupt. "Ich reiste in offizieller Mission. Ich fühlte mich wichtig." Er muss in Brüssel umsteigen, der Hauptstadt jenes Landes, das früher in Ruanda Kolonialmacht war. Schon hier hat er eine verstörende Begegnung mit einer Afrikanerin, die man als eine Art Zeichen für das deuten könnte, was er später erleben wird.

Mit Agathe, der Frau vom Brüsseler Flughafen, verwickelt der Autor seine Hauptfigur in eine Liebesgeschichte, die geprägt ist von kultureller Fremdheit, weißer, männlicher Gier und schwarzer, weiblicher Souveränität: "Meine Epiphanien der Lust lagen für sie offen zu Tage, vollständig und von allen Seiten einsehbar. Diese Offenheit beunruhigte mich, denn ich selbst hatte keine Ahnung, wonach mein Inneres schrie. Ich wußte nicht einmal, ob es nicht besser gewesen wäre, es einfach winseln zu lassen." Diese Liebesgeschichte kann man als Spiegel für das sehen, was sich zwischen den Kontinenten ereignet: Dieser Europäer war fasziniert, aber der Sache nicht gewachsen. Das galt für die einzelne Person ebenso wie für die weit über 200 Länder, die in Ruanda Entwicklungshilfe leisteten. Ein Grund dafür war die Arroganz der Weißen, sie bildeten sich z.B. ein, die Landessprache nicht lernen zu müssen. Aber sie alle waren auch mehr oder weniger rassistisch, was dieser Ich-Erzähler von sich selbst und seinen Mitstreitern mit der Ironie berichtet, die ab und an ins Zynistische kippt.

"Wir genossen zwar die Annehmlichkeiten, die Ordnung, das gesunde Klima, aber gleichzeitig wünschten wir uns manchmal, wir hätten uns der Urmutter näher gefühlt, dem dunklen Ursprung, der nicht weit entfernt pulsieren musste. Wir hätten gerne öfter geschwitzt, häufiger das Weiße in den Augen der Menschen gesehen, den Wahnsinn zum Frühstück begrüßt." Das hätten sie nebenan haben können. Aber dort, wo auf den Straßen die Kinder zusammenbrachen und starben, wo es Malaria gab und das feucht-heiße Klima mörderisch war, dort war kein einziger Entwicklungshelfer aktiv. In Ruanda aber traten sich mehr als 200 Organisationen gegenseitig auf die Zehen.

Weil die Mitarbeiter aller Entwicklungshilfe leistenden Nationen die Landessprache nicht verstanden, bemerkten sie nicht, was in der von der Einheits-Regierung des Diktators Habyarimana perfekt durchorganisierten Bürokratie zusammenbraute. Die Schweizer ließen noch kurz vor Beginn des Genozids einen ihrer Medienspezialisten einfliegen, der die Radiomacher in Ruanda professionalisierte. Mit dieser Ausbildung gestalteten die Hutu dann die Mordaufrufe gegen die Tutsi - professionell, interessant, mit Musik aufbereitet. Und als der Genozid begann, flogen die pflichtbewußten Schweizer Mitarbeiter mit der letzten Maschine ab, ohne sich noch einmal umzudrehen - auch ohne sich um die Sicherheit ihrer ruandischen Angestellten zu kümmern. Nur David Hohl blieb, versteckte sich aus Liebe zu der Hutu Agathe und wurde Zeuge des Genozids.

Im Roman lernt man verschiedene Typen von Entwicklungshelfern kennen: Vom korrekten Beamten bis zum Desperado. Mich hat vor allem aufgeschreckt, dass es eine perfekt funktionierende Bürokratie war, die den Genozid erst ermöglichte. Denn das war ja bei uns auch schon in der Nazi-Zeit so: Die eher schlampige Verwaltung Italiens rettete unbeabsichtigt vielen Juden das Leben, während die gut funktionierende der Niederlande und Deutschlands auch das Morden perfekt hinkriegten. So war es auch in Ruanda: Erst der reibungslos funktionierende Staatsapparat ermöglichte den größten Völkermord seit 1945; und Lukas Bärfuss läßt seinen Helden David Hohl erkennen: "Hätten sie sich nicht an unsere Vorgaben gehalten, so hätten sie keine 800.000 Menschen umbringen können, nicht in 100 Tagen."

Dieses Buch ist sehr lesenswert: Man erfährt viel über Afrika, über europäische Fehlhaltungen, und es enthält auch eine Liebesgeschichte, in der es u.a. auch um die verstörende Frage nach möglichen Zusammenhängen von Lust und Gewalt geht.

Ein Kritikpunkt ist, dass der Autor die Rahmenhandlung - David Hohl erzählt seine Geschichte einem Schweizer Schulfreund, während draußen der Schnee fällt - nur 14 Seiten lang durchhält. Dann entschwindet dieser Zuhörer auf Nimmerwiedersehen. Natürlich kann man sagen: Danach nimmt der Leser dessen Platz ein, aber ich hätte mir gewünscht, dass dieser Schulfreund präsent bleibt und wenigstens in der Mitte und am Ende des Buches nochmal auftaucht.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Man ist dann doch gefesselt. Bärfuss gelingt es, den Leser hineinzuziehen in das mörderische Geschehen in Ruanda, 1994. Die Ich-Perspektive eines unerfahrenen Entwicklungshelfers durchschnittlicher Moral macht die Ereignisse glaubhaft in ihrer fürchterlich banalen Mechanik.

Dabei steckt dies Buch - die Profikritiker haben das ausführlich bemängelt - voller Schwächen: im Aufbau (eine Rahmenhandlung, die keinen Rahmen bildet), den blassen Charakteren, den seltsamen Analogien (mechanischer Sex - mechanisches Töten?) und so weiter.

Andererseits: wie schreibt man den perfekten Roman über einen Völkermord? Was mich überzeugt hat, ist das Fehlen griffiger Erklärungen. Der Autor kennt die verschiedenen "Gründe" der Analysten, er erwähnt sie auch, aber er lässt dem Unbegreiflichen seine Unbegreiflichkeit. Die Stärke des Buches liegt in den Bildern; sie sind es, die sich ins Gedächtnis brennen, deutlicher selbst, als es ein Film wie "Hotel Ruanda" vermag.

Klar genug ist die Diagnose, was die Entwicklungshilfe betrifft und ihre Repräsentanten: die Falschen helfen den Falschen aus den falschen Gründen. Dem kann einer, der selbst jahrelang in diesem Geschäft tätig war, kaum widersprechen. Kurze Hilfseinsätze bei Katastrophen mögen manchmal nützen, doch wer ein bitterarmes Land über Jahre und Jahrzehnte mit teueren Wohltaten erfreut, wird unvermeidlich zur Stütze eines dysfunktionalen Systems. Da macht der Autor sich und dem Leser nichts vor.

Kein Buch, das einen glücklicher macht. Dafür klüger. Und die Stunden des Lesens vergehen schnell.
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