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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
"Ich hätte etwas darum gegeben, wenn in meinem Land so viel in Bewegung gekommen wäre wie hier ...",
Von
Rezension bezieht sich auf: Hundert Tage (Gebundene Ausgabe)
Ein über weite Strecken gut lesbarer, interessanter R O M A N (!). - Ja, auch wenn die historische Situation der politischen Wirren und furchtbaren Massaker in Ruanda anfangs der 90er Jahre solide recherchiert wurde, so ist doch die Geschichte von David Hohl und seiner Entwicklungshilfe-Organisation pure Fiktion.Bärfuss verdeutlicht diese Subjektivität noch durch die (völlig unnötige) Konstruktion eines Ich-Erzählers, der als "gebrochener Mann" seine afrikanischen Abenteuer im winterlichen Schweizer Jura einem ehemaligen Schulkameraden schildert. Um die titelgebenden 100 Tage (der Metzeleien im Ruandischen Kigali) geht es eigentlich nur auf ca. 15 der 190 Seiten. Kurz gesagt, veranschaulicht Bärfuss an diesem Katastrophenszenario seine Sicht der jahrzehntelang vorhergegangenen nutzlosen Entwicklungshilfe-Zusammenarbeit mit den parasitären Oberschichten. Das Interaktionsschema besteht darin, dass die örtlichen Repräsentanten von Politik und Verwaltung den Entwicklungshelfern nach dem Munde reden, um ihnen die Sinnhaftigkeit des personellen und finanziellen Einsatzes zu bestätigen. In Wirklichkeit werden so Verhältinisse stabilisiert, die moralisch nicht zu legitimieren sind. Der etwas naive junge Entwicklungshelfer David lernt bei seinem Aufenthalt charakteristische Verhaltensweisen der einheimischen Bevölkerung kennen, die einem Europäer völlig "spanisch" vorkommen. U.a. das kastenartige Stammeswesen mit seiner Unterscheidung der "Kurzen" und der "Langen", welches angeblich die bösen Belgier als Kolonialherren zementiert hatten. Zur Vertiefung seines Studiums der Afrikanischen Seele treibt er es ausgiebig mit einer schwarzbraunen Schönheit, die zunächst ständig von Brüssel schwärmt, sich letztlich aber auch wahnhaft in die Stammesfehden hineinsteigert. Bis zum Beginn der Unruhen versteht es Bärfuss, möglicherweise liebgewonnene Ansichten der Leser zu erschüttern und mit stark vereinfachenden Gegenpositionen zu konfrontieren (die aber bemerkenswert sind). Dann gerät jedoch alles ins Wanken, niemand überlebt mehr ohne Blut an den Händen. Selbst der herzensgute David köpft seinen liebevoll gesundgepflegten Bussard. Fazit: Dass der Autor bisher mit Schauspielen Erfolge erzielen konnte, merkt man wohl am Aufbau seines dramtischen Stoffes und der handelnden Figuren. Leider gelingt es ihm aber mit dem vorliegenden Buch überhaupt nicht, die Fäden der Handlung und - wesentlich v.a. - der moralischen Ableitungen auf die Zielgerade zu bringen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Heikles Thema meisterhaft umgesetzt,
Rezension bezieht sich auf: Hundert Tage (Gebundene Ausgabe)
Ein überaus gut recherchierter Roman über den Völkermord in Ruanda, der sich mit der Frage befaßt, inwiefern wir alle Schuld am Geschehen haben, entweder durch Wegkucken oder indem wir im bester Absicht das falsche tun, weil wir einen völlig verstellten Blick auf Afrika haben.Zur Erinnerung: 1994 fand in Ruanda der schnellste Völkermord der Geschichte statt. Innerhalb von 100 Tagen wurden 800.000 bis 1 Mio Menschen umgebracht. In den Medien wurden die Ereignisse als "Massaker" etiketiert, als jahrhundertealte Fehde zwischen der Hutu-Mehrheit und der Tutsi-Minderheit, ausgelöst durch die Ermordung des Präsidenten. Da war viel von Chaos die Rede und achaischer Gewalt, was angesichts der gebrauchten Waffen (Macheten, Keulen, Hacken, Schraubenschlüssel) auf den ersten Blick plausibel erschien. Das Gegenteil war richtig: Es handelte sich um einen jahrelang vorbereiteten und mit kalter Präzision durchgeführten Völkermord, das war alles andere als Chaos, sondern Ordnung in ihrer schrecklichsten Form. Dabei waren die beiden "Ethnien" nur ein Produkt kolonialer Verwaltung, in den 20er Jahren wurde von den belgischen Kolonialherren willkürlich festgelegt, daß jeder Tutsi ist, der mehr als 10 Kühe hat und so stand das seitdem im Ausweis, die Kinder bekamen den Status des Vaters. Der Autor ist SChweizer und prangert vor allem die Haltung schweizer Entwicklungshilfe an, aber das ist kein Anlaß, sich entspannt zurück zu lehnen. Auch Rheinland-Pfalz hatte vor dem Völkermord eine jahrelange Partnerschaft mit Ruanda unterhalten und offenbar auch nichts gemerkt oder nichts merken wollen. Lesen! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
18 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Historische Facts und menschliche Emotionen,
Von
Rezension bezieht sich auf: Hundert Tage (Gebundene Ausgabe)
'hundert tage' von lukas bärfuss handelt von den hintergründen und den konkreten ereignissen des ruandischen völkermordes. eine furchtbare und doch hoffnung machende lektüre über die fliessenden uebergänge zwischen täter und opfer, über andersartige kulturelle zusammenhänge und konventionen. über die verantwortung der westlichen welt aber auch über die grenzen und möglichkeiten von aussen zu urteilen und zu intervenieren. alles in allem ein versöhnliches buch, das nur mit der damaligen rolle der schweiz stellenweise mit klartext ins gericht fährt - entwicklungshilfe, staatliche und wirtschaftliche interessen etc..nicht nur eine geschichtliche aufarbeitung sondern auch eine ergreifende geschichte mit emotionen und greifbaren menschlichen schicksalen! geschrieben in einer kunstvollen sprache. stellenweise fällt es dem leser schwer sich zwischen historischer aufarbeitung und konkreter realität oder literarische fiktion zurecht zu finden. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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