Der 18. Januar 2010 war ein schwarzer Tag für die Fans guter Detektiv-Geschichten. Seit über 30 Jahren erweiterte Robert B. Parker kontinuierlich das Universum seiner erfolgreichen Schöpfung Spenser, hartnäckiger und moralisch gefestigter Privatschnüffler mit Hirn und großer Klappe. Nun ist Parker verstorben. Mitten in der Arbeit an einem weiteren "Spenser"-Roman. Umso erfreulicher, dass noch einige Übersetzungen fehlen und der Pendragon-Verlag die "Spenser"-Reihe fortsetzt, Nachschub also zunächst gewährleistet ist. In Kürze erscheint mit "Alte Wunden" bereits der nächste Auftrag für Spenser.
Inhalt:
April Kyle taucht wieder auf. Vor Jahren versuchte Spenser die junge Frau zu retten, nun hat sie sich als Leiterin eines gehobenen Bordells in Boston selbstständig gemacht. Doch schon gibt es Probleme in Gestalt einiger Schläger. Spenser und Kumpel Hawk helfen gerne aus und schaffen April die bezahlten Ärgermacher vom Hals. Doch schnell muss Spenser erkennen, dass man ihm bei weitem nicht alles erzählt hat und der Ärger erst beginnt...
Meinung:
"Hundert Dollar Baby" reiht sich mühelos in die Riege der besseren "Spenser"-Romane ein, was er vor allem dem interessanten Thema zu verdanken hat, das aus verschiedenen Blickpunkten heraus gelungen beleuchtet wird. Für langjährige Fans gibt es zudem ein Wiedersehen mit einigen Charakteren früherer Fälle und von Spenser und Hawk bekommt man genau das, was man erwartet; lakonischen, trockenen Witz und (mal mehr, mal weniger) geistreiche Dialoge.
Autor Parker wiederum bleibt seinem Stil treu, schreibt schnell und flüssig, reduziert auf das Wesentliche. Lieber knappe Dialoge, die sitzen, als ellenlange Erläuterungen, denen man bald nicht mehr folgen mag. Hinsichtlich der Auflösung sieht man diese leider etwas früh kommen, wobei Parker sein Publikum hier nicht unterschätzt und am Ende aufzeigt, dass man den Protagonisten eben doch nicht so viel voraus ist. Die Wurzeln im Noir-Subgenre sind diesmal noch deutlicher als in manch anderen "Spenser"-Geschichten erkennbar, erfreulicherweise ist die Geschichte trotz Verwebung mit alten Fällen auch für völlig "unbelastete" Leser einfach zu verstehen.
Fazit:
An dem Pendragon-Taschenbuch gibt es wie bei den anderen Teilen der begonnenen Reihe nichts auszusetzen. Ein paar wenige Tippfehler können den positiven Gesamteindruck nicht trüben. Nettes Covermotiv, zur Reihe passende Gesamtgestaltung, fairer Preis.
Ein gutes, spannendes, vor allem aber auch gleichsam unterhaltsames wie amüsantes Buch. Knapp an der Höchstwertung vorbei.