*Freitag. Die Zeiger der Funkuhr rückten auf 23.43 Uhr vor. Ich saß am Schreibtisch, hielt ein Glas Wein in der Hand und wartete auf das Ende der Woche.
Ich war in Feierstimmung. Aus gutem Grund. Ich hatte die Miete für den nächsten Monat zusammen, war in keinen Rechtsstreit verwickelt und kannte Psychoanalytiker bislang nur aus alten Büchern und noch älteren Woody-Allen-Filmen.
Dabei war ich über 40, wohnte in Potsdam und war so solo, wie man in dieser Welt nur sein kann. Cleo, meine Frau, hatte mich vor drei Monaten verlassen. Oder ich sie? Vergessen. Alles lief bestens. Wenn man nicht allzu genau hinsah.
Unten an der Tür befand sich ein von mir angebrachtes Schild, darauf stand: Siegfried Gass, Privatdetektiv ...
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Zum Tatort: Keine Angst! Kommen Sie ruhig nach Potsdam. Schauen Sie sich Sanssouci an, besuchen Sie die Schlösser und Gärten der Stadt, wandeln Sie meinetwegen auch auf den Spuren von Kaisern und Königen, schlendern Sie durch das Holländerviertel, erkunden Sie die Havelauen, besteigen Sie die Türme des Belvedere auf dem Pfingstberg - die Aussicht ist berauschend -, kehren Sie in eine der vielen Kneipen ein oder in eins der zahlreichen Cafés, gehen Sie shoppen. Sie werden einen wunderbaren Tag erleben. Nur um eins bitte ich Sie, treten Sie beizeiten die Rückreise an.
Sobald es zu dunkeln beginnt und die Nacht hereinbricht, haben Sie den richtigen Zeitpunkt zur Abfahrt verpasst. Dann kann Ihnen nur noch das Glück helfen. Ich weiß, dass Sie mir nicht glauben. In den Zeitungen werden Sie nichts Negatives finden. Und auch die Fernsehsender schweigen sich aus. Aus gutem Grund. Niemand soll verschreckt werden.
Leider können Sie die nicht mehr befragen, die geblieben sind. Und die, die Sie fragen können, haben es richtig gemacht und die Stadt rechtzeitig verlassen. Letztere werden Ihnen nicht erzählen können, was nach Einbruch der Dunkelheit in den Straßen und Häusern Potsdams geschieht.
Und die Potsdamer? Vergessen Sie die Potsdamer!
Was? Na schön. Sie wollen es nicht anders. Dann kommen Sie her und überzeugen Sie sich selbst. Sie werden hautnah erleben, was hier gespielt wird. Sagen Sie aber bitte nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt. Es ist allein Ihre Entscheidung!
Immer zu Diensten (für 50 die Stunde, plus Spesen)!
Ihr Privatdetektiv Gass ...
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Zum Inhalt: Privatdetektiv Siegfried Gass hat seinen vierzigsten Geburtstag schon eine gewisse Weile hinter sich, ist beruflich nicht ganz so erfolgreich, wie er sich das ursprünglich eigentlich vorgestellt hatte, und muss sich nunmehr auch noch damit abfinden, dass Cleo, seine Liebste, ihn verlassen hat. Und als ob das nicht schon genug wäre, hat sie auch noch den gemeinsamen Lebensabschnittshund Hannibal mitgenommen = Dies alles reicht für eine ausgeprägte Midlife-Crisis.
Doch auf einmal sind alle Depressionen vergessen. Plötzlich geben sich lukrative Klienten die Klinke geradezu in die Hand:
- Können zwei Millionen Euro eine Frau über einen abhanden gekommenen Liebhaber hinwegtrösten?
- Belästigen Buchhändlerinnen fremde Männer?
- Und sind Kinoleinwände eigentlich feuerfest?
Siegfried Gass ist gefordert ...
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Fazit: Mit seinem Debüt-Roman "Hundeleben" hat sich der Autor Wolfgang Zander dem wohl schwierigsten Bereich des deutschen Krimis zugewandt: dem Privatdetektiv-Roman. Der Versuch, eine realistische deutsche Variante dieses typisch amerikanischen Genres des Krimis zu schaffen ist sehr gut gelungen.
Ironisch - spannend - skeptisch - illusionsfrei & humoristisch ...
Mit Siegfried Gass ist eine sympathische Figur eines Privatdetektives entstanden, auf dessen weitere Ermittlungs-Abenteuer man gespannt sein darf.
Meine differenzierte Wertung: 4,5 Sterne!
Es grüßt und empfiehlt --
Reinhard Busse