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32 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine geniale Parabel, 6. Dezember 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Hundeherz (Taschenbuch)
Bulgakows Werk hat ein sehr modernes Thema - die Organtransplantation. Professor Preobrashenskij setzt einem Straßenköter die Samen- und Hirnanhangsdrüseneines Menschen ein, der übrigens ein Dieb und Säufer zu Lebzeiten war. Nun beginnt ein geheimnisvoller Umwandlungsprozeß - aus dem Hund wird ein Mensch, zumindestens hat er die äußere Gestalt eines homo sapiens. Vernunft fehlt ihm allerdings - der ehemalige Hund stellt das Leben des Professors zunehmend auf den Kopf. Zwar kann er lesen und sprechen, doch trinkt er, belästigt die Damen in seiner Umgebung, flucht und stiehlt. Als er den Assistenten erschießen will, kann dieser ihn überwältigen, und die Operation wird rückgängig gemacht. Aus dem Scheusal wird wieder ein friedlicher Hund. Klar und brillant ist die Sprache in diesem Husarenstück. Deutlich wird, daß Bulgakow mit diesem Sujet die Ereignisse nach der Oktoberrevolution aufs Korn nehmem wollte. Er macht sich über die ungebildeten Möchtegern-Machthaber lustig, die das Leben all jener zur Hölle machten, die intelektuell über ihnen standen. Scharf und bissig erscheint das Büchlein, wenn man hinter die vordergründige Geschichte schaut. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein Herz für Tiere, ein Hundeleben in Moskau, 17. Mai 2008
Rezension bezieht sich auf: Hundeherz (Taschenbuch)
Michail Bulgakow (1891-1940) schlich sich durch die Hundehütte in mein literarisches Bewusstsein. Obwohl ich in Buchs Buch "Wie Karl May Adolf Hitler traf" (hier von mir ebenfalls schon rezensiert) bereits über Bulgakow und der speziellen Feindschaft Stalins ihm gegenüber las, blieb mir dieser großartige Schriftsteller zunächst nicht in Seele und Erinnerung. Doch nie und niemals konnte das auf die Dauer so bleiben. Und so verlor ich zunächst mein Herz an "Hundeherz", das Sobacje Serdce des Bello unter den animalischen Frankenstein-Monstern. "Huuuuuh! Oh, seht mich an, ich sterbe." Ein Buch, ein Roman, der mit "Huuuuuh!" beginnt. Das ist ja schon mal recht viel versprechend. Und dann noch aus der Erzählperspektive eines Hundes. "Der Schneesturm im Torweg heult mir das Sterbegebet, und ich heule mit. Ich bin verloren, verloren. Der Schuft mit der schmutzigen Mütze, Koch in der Kantine für Normalverpflegung der Angestellten des Zentralrats der Volkswirtschaft, hat mich mit kochendem Wasser begossen und mir die linke Seite verbrüht. Dieser Dreckskerl, und das will ein Proletarier sein. Herr du mein Gott, wie das weh tut! Das kochende Wasser hat sich bis auf die Knochen durchgefressen. Jetzt heule ich und heule, aber hilft das etwa?" - Der genannte Partei-Koch der KPdSU, zuständig für die Normalverpflegung, spielt in der Geschichte zwar nur eine kleine Nebenrolle; doch diese Geschichte, geschrieben im nachrevolutionären Russland des Jahres 1925 (erschienen allerdings dann erst im Jahre 1968), beginnend mit eben jenem Konflikt zwischen dem Partei-Koch und dem Hund: das alleine lässt den satirischen Gehalt schon erahnen. "Die Hausmeister sind von allen Proletariern das scheußlichste Gesindel. (...) Köche gibt's verschiedene. Zum Beispiel der verstorbene Wlas ... Wie vielen hat er das Leben gerettet! Wenn man krank ist, muss man vor allem einen Bissen schnappen. Alte Hunde erzählen, Wlas hätte manchmal sogar mit einem Knochen gewinkt, an dem noch ein Achtelchen Fleisch dran war. Gott schenkte ihm das Himmelreich, denn er war eine wirkliche Persönlichkeit, herrschaftlicher Koch bei den Grafen Tolstoi, nicht beim Zentralrat für Normalverpflegung." Organtransplantation von Mensch (natürlich handelt es sich um einen Verbrecher: Mary Shelley lässt grüßen) zu Hund: durch den Chirurgen Filipp Filippowitsch Preobrashenski, ein russischer Frankenstein der Zwanziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts. Aus Bello wird der Genosse Bellow, mit dem Nachteil der schlechten Manieren: aus Hundeherz wird Menschenherz, was ja bekanntlich nicht immer zum Besten von Rechtsmoral, Kultur und Sitte führen muss. Klar dass "Hundeherz", wie vieles von Bulgakow, in der Sowjetunion nicht, beziehungsweise erst mit posthumer Verspätung erscheinen durfte - und erst in der Gorbatschow-Ära, im Jahre 1988, verfilmt werden konnte: mit dem unbeschreiblichen Vladimir Tolokonnikov in der verhunztesten Rolle seines Lebens. Schön aufgemacht, das Paperback illustriert mit Wassily Kandinskys "Roter Fleck II", ist die vorliegende Taschenbuchausgabe des DTV München. Bulgakow, ein Name zum merken. "Hundeherz", ein Büchlein zum lesen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
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Warnung vor dem Hunde, 6. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Hundeherz (Taschenbuch)
Moskau zu Beginn der 1920er Jahre. 120%ige Revolutionswächter und Profitgeier (oft genug in Personalunion) bilden die beiden Pole einer Skala, zwischen denen sich die ohnehin schon geplagte normale Bevölkerung irgendwie zurechtzufinden hat. In diesem Milieu spielt Bulgakows Erzählung "Hundeherz". Professor Preobrashenski und sein Assistent gehören zu jenen Auserwählten, die sich alles leisten können, wirklich alles. Von der Siebenzimmer-Wohnung bis hin zu Stör, Kaviar und altem Kognak -- lauter Dinge, von denen zu dieser Zeit ein Durchschnittsmoskauer noch nicht einmal träumen kann. Aber der Professor ist ein berühmter Spezialist für so existenzielles wie operative Verjüngung und Libido-Steigerung, und seine Klientel besteht vor allem aus Neureichen und hohen Parteifunktionären. Letzteres erweist sich mehr als einmal als hilfreich, wenn ihm das Wohnungskomitee wieder mal verzweifelte Obdachlose als Untermieter einquartieren will. So weit, so bequem -- wäre da nicht Preobrashenskis wissenschaftlicher Ehrgeiz, der ihn eines Tages einen Straßenköter auflesen lässt. Bald darauf wagt er eine unerhörte Operation: Er transplantiert dem Hund menschliche Samen- und Hirnanhangdrüsen. Wider Erwarten überlebt der Köter und entwickelt binnen kurzer Zeit ein menschenähnliches Äußeres. Was allerdings seine Manieren angeht, so hat der Professor übersehen, dass die transplantierten Drüsen von einem notorischen Säufer und Gelegenheitsverbrecher stammten. Das Unglück nimmt seinen Lauf: Der "neue Mensch" entpuppt sich als Prolet übelster Sorte, säuft, stiehlt, belästigt Frauen, demoliert nebenbei auch schonmal die professorale Wohnungseinrichtung -- und das alles betreibt der "neue Mensch" politisch linientreu. So etwas m u s s im wahren Klassenkampf enden... Der Leser darf sich auf einiges gefasst machen. Eine ätzende Satire, mit vielen versteckten Anspielungen auf die 1920er Jahre in Moskau. Schon im ersten Kapitel, in dem der spätere Polygraf Polygrafowitsch Bellow noch als Straßenköter auftritt und aus seiner Perspektive berichtet, lernt man die Wirklichkeit der "kleinen Leute" kennen. Diese tatsächliche Wirklichkeit unterscheidet sich deutlich von der offiziellen Wirklichkeit, die die Propaganda verkündet; Armut, Elend und Hunger sind allgegenwärtig. Ebenfalls werden die Glanzbilderchen der vorgeblich parteitreuen Revolutionäre durch ihre weniger vorteilhaften, tatsächlichen Vertreter dargestellt, und Professor Preobrashenski ist trotz seines Berufes alles andere als ein Menschenfreund. Und dann erst seine Patienten: Jeder ist auf seine Weise korrupt und eitel und sorgt für herrlich komische und absurde Szenen. Vielleicht löst das "Hundeherz" deswegen beim einen oder anderen Leser zwiespältige Gefühle aus, weil es keinen positiven Helden gibt. Bulgakows bittere Satire ist eine brillante Parabel auf die sowjetische Gesellschaft und ihren "neuen Menschen". Eine Groteske, die den Gedanken, alles sei machbar, konsequent bis zum bösen Ende denkt.
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