Im ersten Abschnitt des Buches wird das Verhalten von Wölfen und Pudeln im Kieler Institut für Haustierkunde beobachtet und miteinander verglichen. Hier kommen schon bemerkenswerten Unterschiede zu tage. Sehr auffällig war der hohe Anteil kämpferischer Verhaltensweisen bei den Pudeln, einer Hunderasse, die im Zusammenleben mit dem Menschen außerordentlich unterordnungsbereit ist. Hier wird deutlich, dass Hunde sehr wohl zwischen Artgenossen und dem Sozialpartner Mensch zu unterscheiden wissen. Die vielerorts verbreitete Aussage: Der Hund würde uns mit Artgenossen und die Familie mit dem Rudel gleichsetzen, ist daher wissenschaftlich nicht stimmig.
Des weiteren wurden jeweils ein Wurf Labrador Retriever und Golden Retriever von der Geburt bis zur 38. Woche beobachtet. Für den Leser ist sehr interessant zu verfolgen, wie sich die Welpen nach der Geburt darstellten und wie sie sich später bei ihren sehr unterschiedlichen Besitzern entwickelten. Hier wird das Dilemma des Wesenstest offenbar und ich hätte mir eine deutlichere Stellungnahme der Autorin zu diesem Thema gewünscht.
Die Autorin stellt noch mal heraus, wie wichtig die richtige Prägung und Sozialisierung von der 9. Lebenswoche bis zum 9 Monat ist. Wie entscheidend die Qualität der Sozialkontakte zu Artgenossen und Menschen ist. Somit sind alle Erlebnisse die Hunde in dieser Phase mit ihren künftigen Sozialpartner machen (oder versäumen müssen) entscheidend mitbestimmend für die Wesensentwicklung.
Dieses Buch sagt einem nicht, wann, wie und worauf man seinen Hund prägen sollte, es versucht dem Leser, das Rüstzeug zu geben, die Entwicklung des Welpen zu beobachten und selbst zu entscheiden, wie am besten die Prägung und Sozialisation des kleinen Hundes ablaufen sollte. Ob dies gelingt wird, wahrscheinlich von der Erfahrung des Hundebesitzers abhängig sein.
Nun zum Handicap: Man muss schon gut ausgeschlafen sein, um sich dem trockenen Schreibstil von Frau Dr. Feddersen-Petersen nicht durch Sekundenschlaf zu entziehen. Auch die Fremdwörter-Flut der ersten Kapitel macht das Lesen nicht unbedingt leichter. Trotzdem ein Buch, das man engagierten Hundefreunden nur empfehlen kann.