NZZ, Judith Leister, 21.04.2008
Alek Popov rupft den Mythos Amerika kräftig. Überzeugend führt er die Einsamkeit und das Rudelverhalten der sogenannten Leistungsträger vor oder die kapitalistische Ethik, bei der man sich selbst das Mitleid noch verdienen muss. Dabei kommt auch das Klischeebild vom erfolgreichen Diaspora-Bulgaren immer mehr ins Wanken.
Die Presse, Brigitte Schwens-Harrant, 29.03.2008
Der Roman wird abwechselnd aus der Sicht von Ango und Ned erzählt und leiht auch einer Frau die Stimme: die Struktur geht auf. Der Roman lebt von Oppositionen, die keine sind. (...) Statt über den Zustand der Welt zu klagen, spinnt Popov eine unterhaltsame Story. Wenn der Kampf der Guten gegen die Bösen für ein spannendes Finale sorgen soll, kommt es zu hollywoodmäßigen Szenen - sie lesen sich auch wie ein Märchen, in dem Ritter das im Turm eingesperrte Mädchen retten. Hollywood und Märchen: Die Gesellschaften in Ost und West, erzählt dieser Roman, haben von beidem etwas.
FALTER, Sebastian Fasthuber, 12.03.2008
Popov ist der führende Satiriker Bulgariens, ja, mehr als das - er spielt in der ersten Liga jüngerer europäischer Autoren mit. Dem heimischen Residenz Verlag ist mit ihm ein echter Glücksgriff gelungen. [...] Seine Bücher, die in ihrem Reichtum an irrwitzigen Einfällen an verdiente US-Unterhalter wie T.C. Boyle und John Irving erinnern, liefern den Beweis dafür, dass auch schräger Slapstick tiefe Einblicke in die menschliche Seele ermöglichen kann.
Kurzbeschreibung
Vom Hundeausführer zum Millionär, vom Millionär zum Aussteiger: Zwei Brüder aus Bulgarien suchen ihr Glück in Amerika und finden immerhin die Asche ihres Vaters. Eine schwarze Schachtel voll Asche, das ist alles, was Ned und Ango, den ungleichen Brüdern aus Bulgarien, von ihrem Vater geblieben ist. 15 Jahre ist es nun her, dass er, ein Mathematiker zwischen Genie und Wahnsinn, als Gastprofessor in Amerika unter rätselhaften Umständen zu Tode gekommen ist. Jeder der beiden Söhne lebt inzwischen sein eigenes Leben, und der Vater ist längst nur mehr ein Gespenst. Bis sich die Wege der Brüder fern der Heimat in New York wieder kreuzen: Ned, der Tunichtgut, hat es bis in die Top- Etagen der Wall Street geschafft, während der smarte Ango im Central Park mit den Hunden reicher Snobs Gassi geht. Doch dann wendet sich das Blatt, und der Geist des Vaters ist plötzlich wieder lebendig. Mehr jedenfalls, als den beiden lieb ist ... Alek Popov räumt mit alten Märchen auf: Sein neuer Roman, in Bulgarien wochenlang Top 1 auf den Bestseller-Listen, ist eine Satire auf die Goldgräber im Westen wie im Osten, auf die Glückssehnsucht der Erfolgreichen wie der Underdogs und auf die falschen Bilder, die wir voneinander haben, sobald uns eine Welt trennt. Ost oder West, oben oder unten, tot oder lebendig: Lasst uns Brüder sein! Rasant, witzig und verdammt bissig: Wau!
Über den Autor
Alek Popov Geboren 1966, Studium der bulgarischen Philologie, lebt und arbeitet in Sofia. In Bulgarien sind zahlreiche Erzählungen und Hörspiele von ihm erschienen. Sein erster Roman "Mission: London" (2006) wurde bereits in mehrere Sprachen übersetzt, darunter Englisch, Französisch, Polnisch und Ungarisch. Für "Die Hunde fliegen tief" (2008) wurde er mit dem renomierten Elias-Canetti-Preis 2007 ausgezeichnet.