Willkommen zur Show! Doch in diesem Zirkus gibt es weder Elefanten noch Löwen, sondern fünf angeheiterte Finnen, die Humppa machen. Und dass das noch unterhaltsamer ist als echter Zirkus beweisen die Rentner auf "Humppasirkus" mal wieder eindrucksvoll.
Ich liebe Finntroll und Korpiklaani und das war auch der einzige Anreiz, den ich überhaupt hatte, um mich mit dieser Mucke zu beschäftigen, aber ich hätte nie gedacht, dass ich Eläkeläiset inzwischen einfach genial finden würde. Die Krönung schlechthin ist die Tatsache, dass alle vierzehn Songs auf "Humppasirkus" Coverversionen von Pop-, Rock- und Metalsongs sind. Der eingefleischte Fan wird das wissen, aber für alle anderen sei es erwähnt.
"Humppaa Suomesta" (O: The Sounds - Living In America) eröffnet das Spektakel im frischen und fröhlichen Humppa-Rock-Gewandt. "Vihaan Humppaa" (O: Children Of Bodom - Hate Me!) wird dann um einiges schneller und ist sogar noch rasanter als das Original - einfach herrlich. "Jukolan Humppa" (O: Nightwish - Nemo) ist hingegen wesentlich langsamer, ruhiger und fast schon düster. "Humppaidiootti" (O: The Hives - Walk Idiot Walk) ist recht stark am Original gehalten, vor allem im gesanglichen Bereich, weswegen mir das Stück weniger zusagt. "Viinaa Hanuristille" (O: Buzzcocks - Harmony In My Head) ist fröhlich, knackig und macht einfach Spaß. "Humppaneitsyt" (O: Madonna - Like A Virgin) ist auch für den ein oder anderen Lacher gut, vor allem wenn in den Refrains verschiedene Variationen des Wortes "Wow" ertönen. "Kulumaton Humppa" (O: Kylie Minogue - I Can't Get You Out Of My Head) ist mit seinen vielen "Lei Lei Lei"s sehr schön zum mitsingen geeignet und "Humppa Telkkariin" (O: Kemopetrol - Saw It On TV) beginnt erstmal schön mit Zirkusmusik und wird später etwas verträumt und hymnisch. Richtig cool finde ich "Nautiskelen Humpasta" (O: The Hellacopers - By The Grace Of God), weil es eine gelungene Mischung aus Fun und Ernst bildet und trotzdem stets humppa-typisch spaßig bleibt. Von "Hävisin Lotossa Taas" (O: The Cardigans - My Favourite Game) ist auch die deutsche Übersetzung schön: "Ich habe schon wieder im Lotto verloren". Gerade das "schon wieder" scheint in die etwas deprimierte Stimmung des Songprotagonisten noch Witz und Spaß herein zu bringen. Dafür wird's bei "Humpataan" (O: Andrew W. K. - Party Hard) gleich viel lustiger und der klaren Aufforderung "Humpataan" (dt.: "Lass uns Hummpa machen") kann man auch mitsingend zustimmen wenn man kein finnisch spricht. "Humppa Raikaa" (O: Cameo - Word Up!) ist auch in Humppa-Version sehr funky und "Jatkosotajenkka" (O: Hank Williams - Move It On Over) ist auch fröhlich wie sau. "Orpo Humppari" (O: Neil Diamond - Solitary Man) beendet das Album etwas langsamer, trauriger und verträumter.
Eläkeläiset verstehen es wunderbar Musik zu machen. Wenn man es nicht wüsste, dann würde man den meisten Songs nicht anhören, dass sie gecovert sind. Sowohl die neuen, finnischen Texte als auch (und vor allem) die irre geniale Humppa-Mucke sind dafür verantwortlich. Bei den meisten Stücken kann man nicht nur schunkeln, sondern auch noch mindestens ein Stück Text mitgrölen, nämlich den, nach dem der Song betitelt wurde (z. B. 'Humpataan', 'Humppa Raikaa'...). Mir als Children Of Bodom-Fan gefällt "Vihaan Humppaa" natürlich ganz besonders, aber auch "Humppaneitsyt" und "Nautiskelen Humpasta" finde ich richtig klasse. 5 Sterne - denn alles andere wäre lächerlich. Diese Musik muss man einfach mögen!