Zunächst einmal muss ich meinem Vorredner (oder "Vorschreiber") Recht geben: Eine Collection, welche alle Klassiker des einzigartigen wie unvergesslichen "Humph" enthält, ist bei einem Schauspieler, der in rund 25 Schaffensjahren 75 Filme gedreht hat, unmöglich und würde preislich sicherlich den Rahmen sprengen.
Daher sei gesagt, dass die Macher dieser Box hier eine vortreffliche Auswahl von sieben Filmen zusammen gestellt haben, welche in einer schön anzuschauenden Metallbox präsentiert wird.
Filme wie "Nachts unterwegs" können keineswegs als "Ladenhüter" bezeichnet werden, geben sie dem interessierten Zuschauer doch einen Einblick in Bogarts Darstellung von Charakteren, die abseits seiner bevorzugten "zynische Schale, weicher Kern"-Figuren liegen.
Doch nun ganz kurz zu den Filmen:
"Nachts unterwegs" mit Bogey und George Raft ist ein interessant-mitreißender wie atmosphärisch wirklich stimmiger Film über zwei Brüder, welche als Fernfahrer den Traum der beruflichen Unabhängigkeit träumen (und diesen auch verwirklichen?). Bogey, der bei einem Unfall seinen rechten Arm verliert, liefert eine überzeugende Darstellung eines zunächst aufbrausenden, nach seinem Unfall desillusionierten und schließlich wieder Hoffnung schöpfenden Mannes.
In "Entscheidung in der Sierra" von Raoul Walsh zeigt uns Bogart die Figur eines ehemals großen Gangsters, der sich nach einem längeren "Urlaub auf Staatskosten" mit den veränderten gesellschaftlichen Bedingungen auseinander setzen muss und dabei eine für einen "tough guy" sehr sanfte Seite zeigt. Vor allem das Ende des Films ist eindringlich, da sehr dramatisch und einfühlsam gestaltet.
Der Klassiker unter den Klassikern: Über Bogarts Paraderolle als zynisch-abgedroschen sprechenden und handelnden Cafébesitzer Richard "Rick" Blane gibt es wohl kaum noch etwas Neues zu sagen (außer vielleicht, dass Bogey während der Dreharbeiten ständig betrunken gewesen sein soll).
"Haben und Nichthaben" nach einem Roman von Ernest Hemingway zeigt Humph zum ersten Mal an der Seite seiner vierten und letzten Ehefrau, der 25 Jahre jüngeren Lauren Bacall, die es (besser noch als Ingrid Bergman in "Casablanca") schafft, Bogart vom zynischen Einzelgänger in einen mehr oder weniger leidenschaftlichen Kämpfer zu verwandeln. Untermalt wird das alles vom Hintergrund des Zweiten Weltkrieges und der Tatsache, dass die deutschen Behörden (Gestapo etc.) versuchen, auf französischen Gebieten Einfluss zu gewinnen.
"Die schwarze Natter" (im deutschen Fernsehen lief der Film aus unbekannten Gründen unter dem eigentlich eher zutrefenden Titel "Das unbekannte Gesicht") präsentiert einmal mehr das Gespann Bogart/Bacall und überrascht den Zuschauer mit der Tatsache, dass Bogarts Gesicht zunächst gar nicht oder nur als Schattenriss zu sehen ist, da der Beginn des Films aus seiner Perspektive mit subjektiver Kamera gefilmt wurde. Er spielt den aus St. Quentin geflohenen Vincent Parry, der sich zur Tarnung einer Gesichtsoperation unterzieht, um unerkannt seine Unschuld beweisen zu können. Erst nach der Entfernung seines Gesichtsverbandes durch Lauren Bacall erkennt man ihn...
Bogart in der Welt der Berge und im Bann des Reichtums: Als Goldsucher verschlägt es ihn und zwei seiner Freunde ins tiefste Mexiko, wo er sich nicht nur mit Rebellen herumschlagen muss, sondern auch mit seiner durch den Reichtum zunehmenden Paranoia, welche ihn schließlich um den Verstand (und auch um sein Leben) bringt. Bogart selbst hielt diesen Film übrigens für eine seiner besten Leistungen.
Zu guter Letzt trifft Humphrey Bogart auf seinen Erzfeind aus der Zeit seiner Gangsterfilme in den dreißiger Jahren: Edward G. Robinson. Der Film, der seine Spannung nicht aus wilder Action, sondern aus der sich dramatisch zuspitzenden, von einem schweren Unwetter untermalten, Situation des Konflikt zwischen Bogart und Gangster Robinson bezieht, stellt für Bogart eine Art Abrechnung mit Robinson dar, gegen welchen er in zwei seiner früheren Filme "den Kürzeren gezogen" hat.
Man kann also nur sagen, dass die Macher hier eine liebevoll gestaltete Auswahl großartiger Filme getroffen haben, noch dazu in einer für das Alter der Filme großartigen Bild- und Tonqualität. Wer alte Filme im Allgemeinen und Humphrey Bogart im Besonderen mag, sollte mit der Anschaffung nicht zögern.
Was ich zum Schluss noch loswerden möchte ist, dass ich mich über die ständigen Preisschwankungen für die Box nur wundern kann. Ich habe die Collection für ungefähr drei Wochen hier bei Amazon zum Preis von ¤ 50,97 erwoben, zwei Tage später lag der Preis wieder bei ¤ 87,00 und im Moment bei ¤ 79,99.
Welcher Sinn verbirgt sich dahinter ???