Die Kunstform Oper lebt und überlebt von den magischen Momenten, die vergänglich sind aber unvergessen bleiben. Ein solcher Augenblick erreicht uns in dieser insgesamt phantastischen Aufführung beim Auftritt des gespenstigen Sandmanns, der auf geradzu beklemmend schöne Weise in den Abendsegen und die anschließende Traumsequenz überleitet. Wie das von der Sängerin Sasha Cooke gesungen und vor allem gestaltet wird,geht unter die Haut. Da stimmt jede Tonfärbung, jede Geste. Man muß es gesehen und gehört haben, beschreiben läßt sich ein solches Wunder nicht. Der Regisseur dokumentiert aber nicht nur an dieser Stelle, dass er -im allerbesten Sinne- sein Staunen vor der Grimm'schen Kinder- und Märchenwelt bewahrt und die Begabung hat, dieses in zeitgemäßen und dennoch tiefsinnigen Bildern zu vermitteln.
Noch ein Hinweis zur englischen Übersetzung. Bekanntlich lassen sich Opernlibretti nicht eins zu eins übersetzen, da der jeweilige Sprachduktus, bezogen auf die Vorgaben der Partitur, im Regelfall stark voneinander abweicht. (Selbst Originaltexte können nicht so ohne weiteres in Musik gesetzt werden, man lese den Schriftwechsel zwischen Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal.)
Unter Berücksichtigung dieser schwierigen Vorgabe ist der englische Text insgesamt schön gelungen. "Light shimmers from the lodestar, to show the angels where you are and they will bring you safely to the land of dreams", klingt nach meiner Empfindung sogar poetischer als "Dann wachen auf die Sterne, aus hoher Himmelsferne, gar holde Träume bringen euch die Engelein." Aber gut, das ist Geschmacksache.
Ich bin dankbar für diese Aufnahme!