Mir liegt die 2. Auflage des Buches von 1988 aus dem Verlag Neumann-Neudamm vor. Auf diese bezieht sich die folgende Rezension.
Im ersten allgemeinen Teil dieses in der Tat etwas ungewöhnlichen Buches wird auf die außerordentliche Bedeutung der Hummeln als Bestäuber von Pflanzen und damit ihre wirtschaftliche Bedeutung, aber auch ihre Bedeutung für die Artenvielfalt der Pflanzenwelt eingegangen. E. v. Hagen beschreibt ausführlich die Lebensweise, Vorkommen und Verbreitung, Unterscheidung und Verhalten, Physiologische Vorgänge und die Pflanzenbestäubung der Hummeln. Er widmet sich umfassend(!) zweckmäßigen und einfachen Methoden, Hummeln in Nistkästen anzusiedeln. Er beschreibt außerdem ausführlich die Gefährdung dieser Tiere durch den zunehmenden Rückgang geeigneter Lebensräume, und notwendige Schutzmaßnahmen. Und die natürlichen Feinde der Hummeln.
An dieser Stelle sei auf einige Anmerkungen von Rezensenten-Kollegen eingegangen:
Ich kann nicht feststellen, dass Herr von Hagen "einseitigen" Naturschutz propagiert, indem er sich zum Schutz der Hummeln für das Töten oder Bekämpfen anderer Tiere ausspräche, sondern ganz im Gegenteil! Ihm geht es darum, gerade n i c h t eine Art gegen die andere auszuspielen, sondern zu lernen, Zusammenhänge im Naturhaushalt zu verstehen und Naturschutz komplex zu praktizieren! Vielmehr wendet er sich insbesondere gegen die intensive und rücksichtslose "Bewirtschaftung" der Natur durch den Menschen!
Auch spricht er sich nicht dafür aus, Hummeln um jeden Preis der gefährdeten Natur zu entnehmen und im "sicheren" eigenen Garten oder Pappnistkasten zu halten. Er gibt vielmehr Tips für die erfolgreiche Zucht von Hummeln. Warum auch nicht? Deutlich ist auch Herrn v. Hagens dringender Appell, nicht aus falscher Motivation Nester der Natur zu entnehmen. Sondern nur bei ganz akuter Gefahr der Zerstörung von Nestern solle dies geschehen! Er verweist dabei ausdrücklich auch auf die geltenden Artenschutzbestimmungen.
Dass der Autor in der "Ich"-Form und damit wohl ganz bewusst subjektiv schreibt, zeigt m. E. sein außergewöhnliches Engagement für diese Insektengruppe. Und so ist das Buch entsprechend sehr persönlich und liebevoll geschrieben.
Im zweiten Teil des Buches folgen dann die Artportraits. Die 36 in Mitteleuropa vorkommenden Hummelarten und 10 Kuckuckshummelarten werden in Text und tollen Fotos und Zeichnungen vorgestellt. Die Artsteckbriefe enthalten jeweils eine Seite Text zu den Aspekten Merkmale, Körpermaße, Volkgröße, Vorkommen, Flugzeiten, Neststandort, Besonderheiten und Haupttrachtpflanzen. In dieser Form ungewöhnlich ausführlich. Die zweite Seite enthält ein oder zwei Fotos der Arten von sehr guter Qualität.
Außerdem enthält das Buch Farbzeichnungen der Königinnen aller beschriebenen Arten. Der Autor weist im allgemeinen Teil des Buches darauf hin, dass Hummeln sehr variabel in ihrer Färbung sind und sich diese außerdem im Laufe ihres Lebens auch noch verändert. Dies ist entsprechend zu berücksichtigen bei dem Versuch, die Zeichnungen zur Bestimmung heranzuziehen.
Nach dem Artenteil folgt ein wissenschaftlicher Bestimmungsschlüssel von V. Mauss, mit dem es ermöglicht werden soll, präzise Bestimmungen der jeweiligen Arten durchzuführen. Der Autor empfiehlt dringend, den wissenschaftlichen Schlüssel nur zu wissenschaftlichen Zwecken zu nutzen, da er das Töten der Tiere erfordert. Ansonsten möge man auf die Beschreibungen, Fotos und Zeichnungen zurückgreifen.
Am Ende des Buches stehen eine nochmalige tabellarische Übersicht über die beschriebenen Arten und ein Verzeichnis der wichtigsten Hummeltrachtpflanzen.
Mein Fazit: ein höchst interessantes, verständlich geschriebenes und engagiertes, mit tollen Fotos ausgestattetes Buch über die heimischen Hummeln.
Wohl der "Klassiker". Es gibt eigentlich seit der 2. Auflage (1988) dieses Buches aus dem Verlag Neumann-Neudamm nichts grundsätzlich Neues über die Hummeln - wohl aber bearbeitete und ergänzte Neuauflagen (Naturbuch Verlag 1994, Fauna Verlag 2003).
Ergänzung:
Die Ausgabe aus dem Naturbuch Verlag von 1994 ist auf 320 Seiten angewachsen, vor allem durch Aktualisierungen und Ergänzungen in den allgemeinen Kapiteln. In den Artsteckbriefen sind einige neue Fotos hinzugekommen. Und es wurden Zeichnungen von Hummeln-Arbeiterinnen und Drohnen zu einigen Arten ergänzt.
Hervorhebenswerter Unterschied der Naturbuch-Ausgabe (4. Aufl. 1994) gegenüber der Ausgabe Neumann-Neudamm (2. Aufl. 1988): Ein neuer Bestimmungsschlüssel in Form verbaler Beschreibungen der Farben und des äußeren Erscheinungsbildes der Hummeln - mit Beschreibung von Varianten - wurde aufgenommen. Der neue Schlüssel, von E. v. Hagen und A. Fadini, ermöglicht auch dem Laien die Bestimmung lebender Tiere, während die Bestimmung nach dem Schlüssel von V. Mauss aus der 2. Aufl. das Töten der Hummeln erforderlich machte. Den Hummeln mag das jedenfalls zugute kommen, ob die Bestimmung dadurch präziser wird, muss wohl kritisch hinterfragt werden.
Die Neuauflage aus dem Fauna Verlag (2003) ist nochmals überarbeitet und erweitert.