Aus der Amazon.de-Redaktion
Die Arctic Monkeys gönnten sich nach zwei Alben und vielen Konzerten ein Sabbatjahr und ließen die Karriere ein wenig schleifen. Die hatte ja einen derart steilen Verlauf genommen, dass es angebracht war, das Tempo heraus zu nehmen und Atem zu holen. Die vier hörbar erwachsener gewordenen Jungs aus Sheffield hätten es sich leicht machen können, indem sie einfach dort ansetzen, wo sie aufhörten: mit frenetischen, euphorischen Pop-Punk-Hymnen.
Humbug folgt diesem erfolgreichen Konzept nicht, die Platte bricht in puncto Arrangements und Geschwindigkeit deutlich mit den beiden Vorgängern, tendiert in Richtung Last Shadow Puppets. Ein Grund dafür liegt auch am Produzenten Joshua Homme, bekannt als wichtiger Teil von Kyuss und den Queens Of The Stone Age. Weitaus weniger fiel der Gitarrist und Songwriter außerhalb seiner eigenen Bands als Produzent auf, und so liegt die Vermutung nahe, dass er den Artic Monkeys nicht seinen Willensstempel aufdrückte, ihnen aber neue Wege frei machte. Einige Songs spielten die Nordengländer schon live, ausformuliert aber waren sie genauso wenig, wie sich das Quartett im Vorfelde von
Humbug auf eine musikalische Ausrichtung festlegte. Songwriter Alex Turner, der sich mehr und mehr zu einem brillanter Texter entwickelte, hörte beim Schreiben Jimi Hendrix und Cream. Nebenbei ist die gesamte Band Fans der Queens, was lag also näher, Kontakt zu Homme aufzunehmen. Eine Session in L.A. verlief derart erfolgreich, dass man sich gemeinsam in der Wüstenlandschaft des Joshua Tree Nationalparks in Kalifornien im Studio Rancho De La Luna einquartierte. Dort entstanden Teile von
Humbug, der Rest mit James Ford in Brooklyn. Die Distanz von der Ost- zur Westküste, die unterschiedlichen Produzenten lässt sich die Platte nicht anmerken, die auf knapp 40 Minuten verteilten zehn Songs verschmelzen harmonisch. Auffällig ist die Schwere der Tracks, die dunklen Klangfarben, die desperaten Wüsten-Rock-Elemente, bizarre wie strange Sounds und das grandiose psychedelische Orgelspiel. Ein paar Tracks wie „Potion Approaching“ flirten mit der eigenen Vergangenheit, ansonsten stellen die Artic Monkeys die Weichen in die Zukunft neu. Hoffentlich veröffentlichen sie sämtliche Lieder, denn in Kalifornien und New York wurden jeweils ein Dutzend Songs aufgenommen, und die Klasse von
Humbug deutet darauf hin, dass die bestimmt kein Mumpitz geworden sind.
--Sven Niechziol
Wüste vs. New York: Für ihr neues Album "Humbug" gingen die Arctic Monkeys auf Reisen und haben so einen neuen Sound gefunden.
Was sollte man von den Arctic Monkeys nach "Favourite Worst Nightmare" erwarten? Ein Pop-Album, wie es Sänger Alex Turner schon mit seinem Nebenprojekt The Last Shadow Puppets gemacht hat? Oder ein Elektro-Album für die Tanzfläche? Sie wussten es selbst vielleicht nicht so richtig und so kam der Vorschlag ihres Labelchefs, es mal mit Josh Homme zu versuchen zwar überraschend, aber nicht ungelegen.
Die Spuren, die der Queens Of The Stone Age-Sänger auf "Humbug" hinterlassen hat, muss man nicht suchen. Schon der Opener "My Propeller" klingt düster, wuchtig, raumergreifend und knüpft an, wo "If You Were There Beware" vom Vorgänger "Favourite Worst Nightmare" aufhörte. Was folgt ist "Crying Lightning", die ungewöhnlichste Single, die Alex Turner und seine drei Kollegen ihren Fans bis dato beschert haben. Auf keinen Refrain musste ihre Gefolgschaft so lange warten, doch wer durchhält, wird belohnt.
Trotz drückender Bassläufe und Gitarrensoli ist auch der poppige Einfluss der Last Shaow Puppets nicht zu leugnen. Songs wie "Secret Door", "Fire And The Thud" sowie "Cornerstone" schlagen jeweils sanftere und versöhnlichere Töne an. Letzterer, der durchaus an "The Bakery", die B-Seite von "Fluorscent Adolescent", erinnert, gehört zu den Songs, die nicht mit Josh Homme entstanden sind. Nach seiner Wüste-Session zogen die Arctic Monkeys weiter nach New York zu ihrem Vertrauten James Ford, der dazu beigetragen hat, dass "Humbug" kein frickeliges Jungsalbum geworden ist, sondern auch seine seichten und poppigen Momente hat.
Mit "Humbug" schlagen die Arctic Monkeys also gleich zwei Richtungen ein: Zum einen folgen sie Josh Homme und seinen schweren Queens Of The Stone Age-inspirierten Klängen, wandeln gleichzeitig aber mit James Ford durch seichtere Popgefilde. Wie sich ihre Zukunft anhört, wird man erst mit dem vierten Album hören können.