Sie wollen die Hoffnung darauf zwar nicht zerstören, neigen aber im vorliegenden Buche deutlich der Ansicht zu, daß es bei dieser Menschheit mit dem Humanismus nichts wird.
"Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!" meinte zwar schon Goethe, ohne sich allerdings selbst in Sachen Lebensführung groß um dieses Prinzip zu scheren. Auch Russeau, der große Aufklärer und Prophet der Freiheit - selbstredend auch in der Pädagogik - hatte kein Problem damit, seine Kinder ins Waisenhaus abzuschieben, denn sie störten ihn beim Denken und Schreiben. Die hehre Idee von der Universalität der Menschenrechte hat sich auch in unseren Tagen noch nicht soweit durchgesetzt, daß die Sonne der Humanität wirklich allen Menschen scheint. Erinnerungen an Peter Singer kommen andererseits hoch, wenn die Geltung der Menschenrechte auch für Menschenaffen eingefordert wird. Auch die Frage nach der Todesstrafe wird gestellt, wenn darüber nachgedacht wird, ob die Idee der Menschlichkeit in der Geschichte erfolgreich war oder nicht.
Aus anthropologischer, biologischer, psychologischer und historischer Sicht legen die Eheleute Wuketits dar, warum nach ihrer Meinung auch in bezug auf zentrale positive Wertsetzungen, "gut gemeint" lediglich als das Gegenteil von "gut" gelten kann und wieso es kaum möglich sein wird, das große Projekt "Humanismus" wirklich flächendeckend zur Maxime menschlichen Wollens zu machen. Im übrigen erst recht nicht namens des und durch das Christentum, das immerhin eine philosophische Glanzleistung wie die "Goldene Regel" in seiner heiligen Schrift notiert hat (Mt. 7. 12), Jahrtausende bevor sich Denker mit neuzeitlichem Wissenschaftsbegriff über etwas wie Ethik und Moral Gedanken machten.
Hätten Wuketits/Wuketits das Buch "Humantität als Illusion" genannt, hätte ich das Buch getrost im Regal stehen lassen können. So aber war meine Neugier geweckt. Ihr Menschenbild ist, sicher auch nicht gänzlich grundlos, mir allerdings dann doch etwas zu pessimistisch, vielleicht beeinflußt von der derzeitigen Diskussion in Biologie, Medizin, Philosophie und Theologie über den (gar nicht so???) freien Willen des Homo sapiens sapiens.