Plattenkritik Human Zoo
1. Human Zoo (3:29)
Ganz stark beginnt die CD. Erdig und rockig, fast schon wieder «staubaufwühlend» präsentieren sich Gotthard beim Titelsong. «Back to the roots» - Erinnerungen werden wach, wenn die Gitarren heulen und der Drumbeat erdrückend ist. Fast schon wieder straighter Heavyrock. Textlich ist Tiefgang angesagt. Der Song erzählt von den Unterschieden zwischen Arm und Reich und von der Sensationslust Wohlhabender am Elend Armer.
2. What I like (4:31)
Die erste Singleauskopplung hängt wegen der dauerhaften Radiopräsenz bereits im Ohr fest. Speziell ist der arabische Violinen-Hook im Refrain. Sehr relaxter Song. Textlich handelt er von der Wichtigkeit eigener Interessen. Davon, sein Leben immer so zu führen, wie man es selbst möchte und sich dabei nicht von Medien oder Trends beeinflussen zu lassen.
3. Have a little faith (3:52)
«Heaven», «Let it rain», «Father is that enough?», «I'm on my way», «Angel» und «All I care for» hiessen die Vorgänger dieser Killer-Schnulze. Die Balladen sind, nicht zuletzt aufgrund Steve Lees äusserst ausdrucksstarker Stimme, zum Markenzeichen von Gotthard geworden. Sie sorgen für Begeisterung bei Musikfans aller Genres und werden an Konzerten inbrünstig mitgesungen. Typischer Songaufbau. Nach feinfühli-gem Aufbau entlädt sich ein Refrain-Gewitter feinster Sorte. Und Drummer Hena Habegger holt nach 2:40 zum finalen Schlag aus. Live ist der Gänsehautfaktor garantiert.
4. Top of the world (3:48)
Die Gitarre eröffnet. Zum Mitwippen lädt dieser eingängige Rocker ein. Der hymnenhafte Refrain setzt sich rasch im Gehirn fest. Mit einem mystischen Mittelteil, der bei einem 007-Streifen unterlegt werden könnte, wird das wuchtige Finale geschickt eingeläutet.
5. Janie's not alone (4:15)
Schleppend und mit irischen Fiedeln beginnt diese Midtempo-Ballade. Eine AOR-Perle zum Mitschunkeln. Lagerfeuerstimmung. Inhaltlich allerdings sehr ernst, da vom harten Dasein eines Strassenkindes erzählt wird.
6. Still I belong to you (4:36)
Mit seinem gefühlvollen Charakter soll dieser Song in naher Zukunft als Soundtrack für einen Film dienen. Hymnischer Bombast-Refrain made by Gotthard. Der Anfang und das Ende kommen episch daher.
7. One in a million (3:19)
Ein Good-Time-Rocker der Extraklasse. Gute Laune ist bei diesem Song garantiert. Optimal für Livezwecke, mit Mitklatsch-Teil. Ultimativer Nachfolger von «Come along».
8. No tomorrow (5:21)
Eigentlich ein ruhiger Song. Ein Monsterriff kreiert daraus aber den Nachfolger von «Eagle» (wenn auch nicht so eingänglich) und verleiht dem Song schon einen fast düs-teren Unterton. Im Gegensatz zu den meisten anderen Songs nicht vorhersehbar.
9. First time in a long time (4:33)
Wie immer kommt Steves Wunderorgan bei Balladen am besten zum Zug. Die Melodie ist schön, der Refrain wird ununterbrochen wiederholt - und bohrt sich so ins Gehirn.
10. Where I belong (3:22)
«Human Zoo» ist das erste Gotthard-Album ohne Coverversion. Doch die Entscheidung, eigenes Material zu veröffentlichen, statt einen biederen Durchschnittssong wie «Take it easy» (Duran Duran) auf «Homerun» zu bieten, ist zu begrüssen. Viel lieber hören Fans und Radiostationen Gute-Laune-Rocker der Marke «Where I belong».
11. Long way down (4:03)
Hena Habegger gibt den Tarif an. Led Zeppelin lassen ab der ersten Sekunde grüssen. Der Song groovt ohne Ende. Das Gitarren-Riff ist simpel - aber wirkungsvoll. Und der Song rockt!
12. What can I do (4:26)
Das Juwel zum Schluss. Der Aufbau dieser Hammer-Ballade ist fein und geschmeidig. Diese Liebeserklärung trifft auch musikalisch mitten ins Herz. Nach 2:56 läuft Steve Lee zur Höchstform auf. Und der Abschluss des Songs mit dem ultimativen Mitsing-Teil ist geradezu als Konzert-Abschlussnummer prädestiniert. Da spielt es auch keine Rolle, dass die Schlusspassage 1:1 von Bon Jovis Welthit «I'll be there for you» übernommen wurde.
Plattenkritik: Stefan Leuenberger