Das die u.a. von McG (als Produzent von Serien wie "Chuck", "O.C. California" und "Supernatural" erfolgreich, als Regisseur von Kinofilmen wie "Terminator 4" oder den beiden ersten Streifen zur Neuauflage von "Charlie's Angels" für mich eine eher zweifelhafte Gestalt) für FOX produzierte Actionserie "Human Target" auf einer Comicvorlage basiert, ist auf den ersten Blick nicht unbedingt offensichtlich - obwohl einige Stories direkt auf Heftausgaben des Comic beruhen. Die meisten Episoden gleichen vielmehr einem in ca. 42 Minuten kurzweilig gepackten und erstaunlich geradlinigen Actionfilm, der ohne große Gefühlsduselei oder komplexe Botschaften Auslangen findet. Simpel aber in dieser Einfachheit präzise und gelungen umgesetzt. In dieser Tonart startet diese Staffel von HT und hält das Level über weite Strecken. Einzelne Episoden funktionieren dabei meist als Standalone-Episoden: Weder ein staffelübergreifender Handlungsbogen, noch die Entwicklung einzelner Charaktere oder ihre Beziehungen zueinander, stehen also im Vordergrund (letzteres kann als Manko betrachtet werden, oder als Vorteil).
Im Zentrum von "Human Target" steht Christopher Chance (ideal verkörpert durch den kantig-markanten Mark Valley, u.a. bekannt aus Serien wie "Fringe" und "Boston Legal"), seines Zeichens geläuterter Auftragskiller. Durch die ständige Selbstaufopferung im Dienst einer guten Sache, versucht dieser tragische "Antiheld" seine Schuldgefühle angesichts wenig rumreicher Vergangenheit zu verarbeiten. Er beschützt also KlientInnen, deren Leben bedroht wird und die Schutz suchen. Nun ist es keineswegs so, dass Chance glaubt, durch gute Taten jemals wirklich ins Reine kommen zu können. Deshalb setzt er jedes Mal alles auf eine Karte und sein Leben mehrfach aufs Spiel. Unterstützt wird er auf seinem Weg der Selbstmarterung von Winston (Chi McBride) und Guerrero (Jackie Earle Haley), der im übrigen eine ähnlich ambivalente Figur darstellt, wie Chance und ebensowenig eine reine Vergangenheit vorzuweisen hat. Sie bilden ein Team und agieren mehr oder weniger neben dem Gesetz. Zunächst ist das Trio noch nicht ideal eingeschworen (mit kleineren zwischenmenschlichen Konflikten), aber am Ende funktioniert die Zusammenarbeit wie geschmiert (und ja, ein bisschen Veränderung findet so gesehen doch statt).
Ob "Human Target" die richtige Wahl ist, hängt wie üblich davon ab, wonach bei einer Serie gesucht wird. HT kann u.a. dann die falsche Wahl sein, wenn die Entwicklung der Charaktere oder staffelübergreifende Handlungsbögen als zentral betrachtet werden (siehe 24, Dexter - wer hier mehrere Episoden versäumt, kann Schwierigkeiten haben, den Anschluß zu finden). HT ist wahrscheinlich die richtige Wahl, wenn gute Action gesucht wird, ohne viel Nachdenken. Die Rettungsszenarios sind sehr abwechslungsreich - von einem Hochgeschwindigkeitszug bis zu einer Rettung im Flugzeug ist sozusagen alles dabei und auf ausgesprochen gutem Niveau produziert. Die Charaktere sind griffig und bleiben relativ stabil. Im übrigen ist die Serie stark männlich dominiert, wobei in fast jeder Folge eine interessante/hübsche weibliche Figur mit von der Partie ist. Ich für meinen Teil wurde gut unterhalten, obgleich ich mich an Charaktere wie Winston und Guerrero gewöhnen mußte (wobei gerade Guerrero inzwischen nicht umsonst bei HT Fans einen Kultstatus geniesst, der vielleicht über jenem dem von Chance liegt). Aus meiner Sicht gibt es aktuell kaum eine Sendung, die derart gute Action liefert. Wem eine Folge gefällt, der wird in der Regel wohl auch vom Rest nicht enttäuscht werden - die Episoden funktionieren nach einem recht klaren Muster.
Allerdings wurde die Serie (UPDATE 11.05.2011) soeben endgültig aus dem FOX Serienpool gestrichen (sprich gecancelled). Es wird keine dritte Staffel mehr geben (der Sender hat im übrigen recht hart durchgegriffen und u.a. auch gleich das quotenmässig schwächelnde "Lie to Me" gestrichen). Ich sage das dazu, weil ich persönlich Serien mit längfristigen Perspektiven bevorzuge. Wenigstens bleibt einem ein Cliffhanger am Ende erspart. In Staffel zwei wurden weiters viele typische Wesenszüge geändert. Maßnahmen, die aus dem Blickwinkel von FOX gesehen, wohl der Erweiterung des Publikums hätten dienen sollen (die Quoten lagen hinter den Erwartungen zurück), was statt dessen aber Quotenschwund und Kritik einbrachte. Unternommene Veränderungen fallen bereits beim (bis dahin starken) musikalischen Theme auf. Aus Einspargründen wurde Tim "Chuck" Jones statt Bear McCreary für die Musik engagiert, was für den gesamten Soundtrack einen pop'igeren Einschlag bedeutet. Weiters wird noch nicht einmal jener Handlungsstrang fortgesetzt, der gegen Ende der ersten Staffel kurzfristig etabliert worden war und die Orientierung am Comic findet so gut wie nicht mehr statt. Ab jetzt gibt es massig Charakterentwicklung, Chance und Guerrero werden softer, die Serie weniger ernst, Liebe and andere Gefühle sind ein beliebtes Thema (mehr noch, es ist das thematische Herzstück der zweiten Staffel) und es gibt zwei weibliche Hauptfiguren, die für mich nicht überzeugend ins Team integriert werden.
Nun genug davon. "Human Target" Staffel eins war an Eskapismus vielleicht auch schwer zu toppen. An Extremszenarios wurde wenig ausgelassen. Zumindest im Rahmen eines gewöhnlichen TV Budgets, fiele mir nicht mehr viel ein, was noch fehlen würde. Die beschriebene Reorientierung könnte so gesehen eine Fortsetzung der Reihe (ob sie nun für gut oder schlecht befunden wird) wenigstens etwas erleichtern. So oder so, im Falle von Human Target ging die Rechnung nicht auf! Punkt ist: Staffel 1 und Staffel 2 zu "Human Target" muß gesondert voneinander betrachtet werden und langfristig ist auf HT kein Verlaß!
Fazit: "Human Target" ist eine actiongeladene, eskapistische, sowie männlich orientierte Serie, um einen von Schuld getriebenen Ex-Auftragskiller, der sein Leben im Dienst einer guten Sache regelmäßig aufs Spiel setzt und sich dabei in höchst unterschiedlichen Extremsituationen bewähren muß. Eine zunächst starke Serie, die aber in der zweiten Staffel deutlich andere Wege geht und von FOX bereits gecancelled wurde. Trotzdem empfehlenswert!