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Hui und Pfui der Welt: Heilsames Gemisch-Gemasch aus Predigten und Schriften
 
 
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Hui und Pfui der Welt: Heilsames Gemisch-Gemasch aus Predigten und Schriften [Gebundene Ausgabe]

Abraham a Sancta Clara , Franz Schuh
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

«Über Tod und Leben, Armut und Luxus konnte Abraham a Sancta Clara predigen wie kein Zweiter. Noch immer fasziniert seine Sprachkraft, seine Sprachfantasie. Sie lässt ihn uns heute geradezu als Ahnherrn der modernen Poesie erscheinen, als einen Barockpoeten, abgestoßen und fasziniert vom großen "Hui und Pfui der Welt".» (Die Zeit )

«In diesen neoreligiösen Zeiten braucht es natürlich Predigten. Wem Käßmann oder Zollitsch nicht fleischig genug sind, findet bei dem Barockprediger aus dem 17. Jahrhundert einen großartigen Glaubensrap über alle denkbaren Laster und Narren dieser Welt.» (Tagesspiegel )

«Saufen, Fressen, Huren, Adelig sein, Bauer sein, Frau sein, Mann sein - in immer wieder neuen Tiraden mahnt Abraham vor der Hölle und weist die Spur des Teufels in jedes Haus nach.» (Bayerischer Rundfunk )

Kurzbeschreibung

Witzig, mitreißend, volksnah – und von zeitloser Aktualität: ein Lesevergnügen, nicht nur für Christen

Drastisch, saftig, volkstümlich – selten gerät Glaubensverkündigung so kurzweilig wie in den Reden und Schriften Abraham a Sancta Claras. Dank erfindungsreicher Wortspiele und einprägsamer Rhetorik wurde der Augustinermönch zum bedeutendsten Barockprediger deutscher Sprache. Die Höhepunkte seines Werks finden sich in diesem Band versammelt.

Bestechlichen Beamten und raffgierigen Kaufleuten, lamentierenden Regenten und schmarotzendem Volk– allen hielt er den Narrenspiegel vors Gesicht. «Wer heucheln kann und schmeicheln kann, der ist heut ein gemachter Mann», dichtete er und hatte auch für die Sündhaftigkeit menschlicher Genüsse deutliche Worte parat. Aus ihnen spricht die Erkenntnis, dass der direkte Weg in Hirn und Herz übers Zwerchfell führt. In einer Zeit, da die Kirche neben der moralischen Erbauung auch für die breite Volkserziehung zuständig war, unterhielten seine mit Märchen- und Fabelmotiven gespickten, vor zeitgeschichtlichen und literarischen Anspielungen strotzenden Predigten ein breites Publikum.

Abrahams rhetorischer Erfindungsreichtum lässt an die Sprachgewalt eines Martin Luther denken – wie manch überbordende Wortspielerei ihn zugleich als das barocke Vorbild eines Ernst Jandl oder H. C. Artmann ausweist. «Eine Vorahnung von zukünftiger Avantgarde» sieht Franz Schuh und bescheinigt in seinem Nachwort Abrahams Analyse der conditio humana eine Aktualität, die zuweilen «in eine beschämende Nähe zu unserer Zeit» gerät.

Klappentext

"Seinem Witz für Gestalten und Wörter, seinem humoristischen Dramatisieren schadet nichts als das Jahrhundert und ein dreifacher Ort: Deutschland, Wien und die Kanzel." Jean Paul

Über den Autor

Abraham a Sancta Clara (1644–1709) hieß eigentlich Johann Ulrich Megerle und war Sohn eines Gastwirts im schwäbischen Kreenheinstetten. 1662 trat er dem Orden der Augustiner-Barfüßer bei und wirkte nach seiner Priesterweihe als Prediger in Taxa bei Augsburg und in Wien. Abraham war kaiserlicher Prediger, Prior in Wien und Graz und Prokurator der deutsch-böhmischen Provinz.

Franz Schuh, geboren 1947, ist Schriftsteller, Publizist und «Kaffeehausliterat» in Wien. Zuletzt erschienen von ihm «Schwere Vorwürfe, schmutzige Wäsche» (2006) und «Memoiren. Ein Interview gegen mich selbst» (2008). Außerdem lehrt er an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien und schreibt regelmäßig Glossen und Kolumnen für die «Zeit» und «Literaturen».

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Der heilige Antonius predigt den Fischen
Der wundertätige Antonius Paduanus predigte einsmal in der Stadt Rimini die Lehr Jesu Christi, welcher Doktrin der Ketzer Bombellus samt den mehresten Inwohnern zuwider waren, welches dann verursachet, dass Antonius unter seiner Predigt wenig Zuhörer bekommen, ja mit der Weil nichts als hölzerne Zuhörer, nämlichen die Herren von Bankenried und Stühlingen, will sagen, nichts als Stühl und Bänk in der Kirchen. Solches schmerzte Antonium, dass denen Riminesern besser schmeckten die ägyptische Knobloch des Bombelli als das süße Manna des Worts Gottes. "Wann dann", sagt Antonius, "der Samen des göttlichen Worts dieser Erden missfället, so will ich ihn werfen in das Wasser, und weilen mich die Menschen verachten, so werden mich doch die Fisch anhören."
Antonius in großer Begleitschaft gehet zu dem Gestad des Meers, fängt an zu predigen das Evangelium Jesu Christi. Siehe Wunder! Bei dem schönen trucknen Wetter lauter nasse Zuhörer, maßen alle Fisch ganz eilfertig dem Gestad zu-geschwummen, die Köpf aus dem Wasser gehebt und der Predig zugehöret.

Die Karpfen mit Rogen Seind all hieher zogen, Habn d' Mäuler aufgrissen, Sich des Zuhörens beflissen. Kein Predig niemalen Den Karpfen so gfallen.

Spitzgoschete Hechten,
Die immerzu fechten,
Seind eilends hergschwummen,
Zu hören den Frommen.
Kein Predig niemalen
Den Hechten so gfallen.
Platteisl, so da klein, Wolltn die Letzte nicht sein, Antonii zu Ehren Sein Predig zu hören. Kein Predig niemalen Den Fischln so gfallen.

Auch jene Phantasten,
So gmein'glich beim Fasten,
Tue Stockfisch verstehen, Hat man auch da gsehen. Kein Predig niemalen Dem Stockfisch so gefallen.

Sardellen gut Bissln, Wann s' liegen in Schüssln, Schwimmen emsig zum Port, Zum göttlichen Wort. Kein Predig niemalen Den Fischln so gfallen.

Gut Aalen, gut Hausen Vornehme gern schmausen, Sich daher bequemen, Die Predig vernehmen. Kein Predig niemalen Dem Hausen so gefallen.

Die Sälbling und Äschen, Sonst trefflich zum Naschen, Vor Freuden schier gsprungen, Zu hören die Zungen. Kein Predig niemalen Dem Fisch so gfallen.
Auch Krebsen, Schildkroten, Sonst langsame Boten, Steigen eilends vom Grund, Zu hören diesen Mund. Kein Predig niemalen Den Krebsen so gefallen.

Fisch große, Fisch kleine, Vornehme und gmeine, Heben in d' Höh die Köpf Wie verständige Geschöpf. Auf Gottes Begehren Antonium anhören.

Nach vollendter Predig des wundertätigen Manns haben alle Fisch die Köpf geneigt und sich bedankt der wunderschönen Lehr, nachmals wiederum unter das Wasser geschwummen, aber Fisch verblieben wie zuvor. Der Stockfisch ein plumper Großkopf geblieben wie zuvor. Der Hecht ein Karpfendieb geblieben wie zuvor. Die Krebsen zurückgangen wie zuvor. Die Aalen geile Gesellen geblieben wie zuvor. In summa: Die Predig hat ihnen gefallen, aber sie seind geblieben wie zuvor. Also gehen viel Neidige in die Predig, hören, wie Gott so scharf gestraft den Neid des Kains, des Sauls, des Esaus, der Brüder Josephs, aber bessern sich nicht. Viel Hoffärtige gehen in die Predig, hören, wie der gerechte Gott so scharf gezüchtiget die Hoffart der Babylonier, der Agar, des Luzifers, des Nabuchodonosor, des Antiochi, des Amman etc., aber bessern sich nicht. Viel Dieb gehen in die Predig, hören, wie die göttliche Justiz ist kommen und gestraft hat den Diebstahl des Achan, des Judae, des Nabaths etc., und bessern sich nicht. Viel Unzüchtige gehen in die Predig und vernehmen nicht ohne Schrecken, wie der Allmächtige gestraft hat den Ammon, den Herodes, den Holofernes, die Sodomiter, die Sichemiter etc., und bessern sich nicht, dann sie können es nicht mehr lassen, wie die Katz das Mausen, wie der Wolf das Zausen, wie der Ochs das Röhren, wie das Schaf das Plärren. Die Gewohnheit ist ein eiserne Pfaid, die Gewohnheit ist schon in der Natur, und die Natur ist in der Gewohnheit. Einen alten Baum biegen, das kann ich nicht, ein alten Hund kuschen lehren, das kann ich nicht, ein altes Mal aus einem Kleid bringen, das kann ich nicht, einem ein alte Sünd abgewöhnen, das kann ich noch weniger. Sicut erat in principio ein Weinkaufer et nunc ein Weinsaufer et semper ein Weintaufer. Er lässt es nicht.
Der verlorne Sohn

Was der verlorne Sohn vor ein Landsmann gewest, ist eigentlich nicht bekannt, ich glaube aber ein Irländer. Wie er geheißen hat, ist nicht bewusst, ich glaube aber Malefacius. Von was vor einem Ort er sich geschrieben hab, allweil er ein Edelmann, hat man noch nicht erfahren, ich glaube aber wohl von Mädlsberg und Frauenhofen etc. Was er im Wappen geführt, hat es niemand beschrieben, ich glaub aber wohl ein Saumagen im grünen Feld.
Dieser Gesell reiste mit wohlgespicktem Beutel in die Länder und Provinzen, aber aus denselben ist er nicht frömmer, sondern schlimmer kommen, und werden noch gar oft manchem adeligen Jüngling die Länder in Elender verwandelt. Auch reiset nicht selten ein guter Germanus aus und kommt ein schlechter Hermannus nach Haus. Was Ehr und Ruhm ist es dann dem ansehnlichen Fluss Donau, dass er in die Länder reist, durch Schwaben, Bayrn, Österreich und Ungarn, endlich aber in die Sau fließt. Der fromme Jakob hat auf seiner Reis ein Leiter gen Himmel gesehen, aber leider, viel aus unserm Adel finden auf ihrer Reis ein Leiter in die Höll. Wann derzeit niemand gereist ist, so hält man ihn für einen
Stubenhocker, der sein Lager hinter dem Ofen aufgeschlagen, aber sagt mir, liebe Halb-Teutsche, dann ganze seiet ihr schon lang nicht mehr gewest, ist es nicht wahr, ihr schicket eure Söhne aus, damit sie in fremden Ländern mit großem Unkosten fremde Laster lernen, da sie doch mit wenigerem Unkosten zu Haus die Tugenden erwerbten. Spitzfindiger kommen sie nicht zurück, ausgenommen, dass sie neue Modi von Spitzen mit sich bringen, galanter kommen sie nicht zurück, müsst dann sein, dass galant vom Galanisieren herrühret, herrlicher in Kleidern kehren sie zwar oft nach Haus, es wäre aber besser ehrlicher als herrlicher. Neue Modihüt, Modiparücken, Modikrägen, Modiröck, Modihosen, Modistrümpf, Modischuh, Modibänder, Modiknöpf, auch Modigewissen schleichen durch euere Reis in unser liebes Teutschland, und veränderen sich euere Narrenküttel täglich mit dem Mondschein. Es werden bald müssen die Schneider ein Hohe Schul aufrichten, worauf sie doktormäßig gradieren und nachmals den Titul "Ihr Gestreng Herr Modidoktor" erhalten.

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