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Hui und Pfui der Welt: Heilsames Gemisch-Gemasch aus Predigten und Schriften
 
 
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Hui und Pfui der Welt: Heilsames Gemisch-Gemasch aus Predigten und Schriften [Gebundene Ausgabe]

Abraham a Sancta Clara , Franz Schuh
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
  • Verlag: Manesse Verlag (14. September 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3717521969
  • ISBN-13: 978-3717521969
  • Größe und/oder Gewicht: 15,4 x 9,6 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 111.157 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Abraham
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

«Über Tod und Leben, Armut und Luxus konnte Abraham a Sancta Clara predigen wie kein Zweiter. Noch immer fasziniert seine Sprachkraft, seine Sprachfantasie. Sie lässt ihn uns heute geradezu als Ahnherrn der modernen Poesie erscheinen, als einen Barockpoeten, abgestoßen und fasziniert vom großen "Hui und Pfui der Welt".» (Die Zeit )

«In diesen neoreligiösen Zeiten braucht es natürlich Predigten. Wem Käßmann oder Zollitsch nicht fleischig genug sind, findet bei dem Barockprediger aus dem 17. Jahrhundert einen großartigen Glaubensrap über alle denkbaren Laster und Narren dieser Welt.» (Tagesspiegel )

«Saufen, Fressen, Huren, Adelig sein, Bauer sein, Frau sein, Mann sein - in immer wieder neuen Tiraden mahnt Abraham vor der Hölle und weist die Spur des Teufels in jedes Haus nach.» (Bayerischer Rundfunk )

Kurzbeschreibung

Witzig, mitreißend, volksnah – und von zeitloser Aktualität: ein Lesevergnügen, nicht nur für Christen

Drastisch, saftig, volkstümlich – selten gerät Glaubensverkündigung so kurzweilig wie in den Reden und Schriften Abraham a Sancta Claras. Dank erfindungsreicher Wortspiele und einprägsamer Rhetorik wurde der Augustinermönch zum bedeutendsten Barockprediger deutscher Sprache. Die Höhepunkte seines Werks finden sich in diesem Band versammelt.

Bestechlichen Beamten und raffgierigen Kaufleuten, lamentierenden Regenten und schmarotzendem Volk– allen hielt er den Narrenspiegel vors Gesicht. «Wer heucheln kann und schmeicheln kann, der ist heut ein gemachter Mann», dichtete er und hatte auch für die Sündhaftigkeit menschlicher Genüsse deutliche Worte parat. Aus ihnen spricht die Erkenntnis, dass der direkte Weg in Hirn und Herz übers Zwerchfell führt. In einer Zeit, da die Kirche neben der moralischen Erbauung auch für die breite Volkserziehung zuständig war, unterhielten seine mit Märchen- und Fabelmotiven gespickten, vor zeitgeschichtlichen und literarischen Anspielungen strotzenden Predigten ein breites Publikum.

Abrahams rhetorischer Erfindungsreichtum lässt an die Sprachgewalt eines Martin Luther denken – wie manch überbordende Wortspielerei ihn zugleich als das barocke Vorbild eines Ernst Jandl oder H. C. Artmann ausweist. «Eine Vorahnung von zukünftiger Avantgarde» sieht Franz Schuh und bescheinigt in seinem Nachwort Abrahams Analyse der conditio humana eine Aktualität, die zuweilen «in eine beschämende Nähe zu unserer Zeit» gerät.


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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Himmel und Hölle, Narrheiten und Seelenheil, 2. Januar 2010
Von 
helmpr. "w.th.h." (Stuttgart) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Hui und Pfui der Welt: Heilsames Gemisch-Gemasch aus Predigten und Schriften (Gebundene Ausgabe)
Der barocke Schwabe Johann Ulrich Megerle aus dem kleinen Kreenheinstetten im Kreis Sigmaringen wurde einst Augustinermönch. Und da er ein Genie der Sprache war, nannte er sich fortan etwas wohlklingender Abraham a Santa Clara (mir gefällt die elegantere Namensform ohne C besser). Die Namensänderung war nicht nur A-reich, sondern auch erfolgreich, denn er wurde aufgrund seiner Sprachkunst als Prediger nach Wien berufen und schließlich dortselbst Hofprediger des österreichischen Kaiserhauses. Wiewohl der aufrechte Schwabe in österreichischen Diensten nie ein Blatt vor den Mund nahm, um Missstände auch und gerade bei der Hautevollee wortgewaltig anzuprangern.

Der Kaiser Leopold I. wird also Humor gehabt haben, musste er sich doch von seinem Hofprediger etwa anhören: "Ein anderer fragte, ob auch große Könige und Landsfürsten könnten selig werden, und gab gleich selbst mit dem Ja die Antwort - wenn sie nämlich in den Wiegen sterben." Oder grundsätzlich: "Ein Madensack bist du, oh Mensch! Ein Konfekt der Würmer bist du, oh Mensch! Ein Sautrog allen Unrats bist du, oh Mensch!"

Wer die Sammlung von Texten in dieser schönen, gediegenen Manesse-Ausgabe zum 300. Todestag Abrahams goutiert, wird noch viele freche, deftige und scherzhafte Formulierungen lesen, aber auch viele seelsorgerliche und empfindsame. Abraham a Santa Clara konnte alle Register der barocken Kanzelrede ziehen, voll sprühender Phantasie und wuchtiger Sprachkraft. Und immer volksnah. Aus gutem Grund pilgerten die Menschen zu Tausenden in seine Messen, nicht nur um sich zu amüsieren, sondern auch um Trost zu finden in Pestzeit und Kriegszeit (1683: die Türken vor Wien!).

Auf jeder Seite wird deutlich, warum neben Jean Paul auch Johann Wolfgang von Goethe, Joseph von Eichendorff, Martin Heidegger und vor allem sein Landsmann Friedrich Schiller regelrechte Fans von Abraham a Santa Clara waren. Schiller ("ein prächtiges Original, vor dem man Respekt bekommen muss!") hat ihm bekanntlich in der "Kapuzinerpredigt" in "Wallensteins Lager" ein berühmtes literarisches Denkmal gesetzt (Reclam Universal-Bibliothek, Nr.41, Wallenstein I.), an dessen rhetorischen Kniffen sich Schüler bis heute abzuarbeiten haben.

Im Nebeneffekt bieten die gut ausgewählten Texte auch einen authentischen Blick auf die barocke Welt und Gesellschaft, auf ihre Menschen und Stände, auf ihre Vorlieben und Nöte und - in der Sprache Abrahams - auf ihre Narrheiten. Das ist allemal eine kultur- und sozialgeschichtliche Entdeckungsreise wert.

Und mitunter werfen die Worte auch ein Licht auf unsere Narrheiten heute. Das tät dem Johann Ulrich Megerle natürlich saumäßig gefallen!

Die Texte sind nur sehr zurückhaltend und behutsam in moderne Interpunktion und Orthographie gebracht und dialektische Besonderheiten und lateinische Zitate wurden beibehalten. Anmerkungen und ein Glossar erschließen sie hilfreich, so dass die barocke Sprachwelt weitgehendst erhalten bleiben konnte. Und man kann so wunderbare Sätze lesen wie:

"Ein arglistiger Knab ist auf eine Zeit bei einen Bronnen gestanden, hat mit den Händen im Kopf gekratzt und bitterlich geweint. Als solches einer wahrgenommen, der sonst seiner Kunst ein guter Bankfischer, so fragt er den Knaben, warum er so sehr lamentiere. Deme der Knab die Antwort gabe, er habe dessen Ursach ..."

Das Glossar klärt auf, dass "Bankfischer" damals die Diebe genannt wurden, alles weitere, heute grammatikalisch oder lexikalisch Ungewohnte, erschließt sich schnell. Und im Vorübergehen lernt man dabei noch viele vortreffliche Wörter kennen, die heute leider vergessen sind (insbesondere fällt das reiche Arsenal an Wörtern für Dummköpfe und Diebe auf).

Positiv anzumerken ist auch, dass im Gegensatz zu früheren Sammlungen wie Ein Hui und ein Pfui auf die Welt die Texte zwar nicht in heute sicher unerträglicher barocker Weitschweifigkeit, aber doch in ziemlich langen und geschlossenen Sinneinheiten zitiert sind. Das tut den Texten gut, der Eindruck geht tiefer. Siehe dazu die gewissenhaften editorischen Notizen im Anhang, wo auch die sprachliche Überarbeitung begründet ist und die Quellen aufgeführt sind.

Sehr lesenswert im übrigen auch das geistreiche Nachwort des Wiener Schriftstellers Franz Schuh, anhebend mit einer schönen Geschichte des Wiener Burgschauspielers Romuald Pekny, der in den 1970-er Jahren für das österreichische Fernsehen Predigten von Abraham a Santa Clara gesprochen hatte, und schließend mit Reflektionen über Sinn und Kraft von poetischen Sprachspielen, die bleibende Aktualität dieser alten Texte immer wieder treffend vor Augen stellend.

Am Rande bemerkt:

Ebenso wie die großen Barockdichter Paul Gerhardt (Geh aus, mein Herz: Sämtliche deutsche Lieder) und Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch: Aus dem Deutschen des 17. Jahrhunderts und mit einem Nachwort von Reinhard Kaiser) stammte Abraham a Santa Clara aus einem Wirtshaus. Ist eigentlich der Beitrag der Wirtshäuser auf Dicht- und Erzählkunst schon irgendwo untersucht und gewürdigt worden?

P.S. Ein wunderbares Zitat aus der Tagesspiegel-Rezension möchte ich gerne weitergeben:

"In diesen neoreligiösen Zeiten braucht es natürlich Predigten. Wem Käßmann oder Zollitsch nicht fleischig genug sind, findet bei dem Barockprediger aus dem 17. Jahrhundert einen großartigen Glaubensrap über alle denkbaren Laster und Narren dieser Welt." - "Glaubensrap", das finde ich kongenial!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Der Prediger und Popstar aus dem 17. Jahrhundert ruft in unsere Zeit: "Ein schwer Beutel macht leicht eitel.", 15. März 2010
Von 
Happyx - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Hui und Pfui der Welt: Heilsames Gemisch-Gemasch aus Predigten und Schriften (Gebundene Ausgabe)
Ulrich Megerle war sein profaner schwäbischer Name: Abraham a Sancta Clara wurde am 2. Juli 1644 in Kreenheinstetten, einem Ortsteil von Leibertingen (bei Sigmaringen) als Gastwirtssohn geboren. Er geht auf die Lateinschule in Meßkirch und tritt als 18-Jähriger in den Orden der Reformierten Augustiner-Barfüßer ein. Er wird dort sehr schnell mit immer höheren Aufgaben betraut und ist vor allem ein kraftvoller, volksnaher Prediger, dessen Schriften sich heute nur sehr schwer literaturwissenschaftlich einordnen lassen. Die Kirchen sind voll, wenn er predigt.

Friedich Schiller war begeistert, als er von Goethe einen Band mit Schriften von Abraham a Sancta Clara erhielt. Hier entdeckte er die Vorlagen für den Auftritt des Kapuziners in Wallensteins Lager. Schiller übernahm wesentliche Stileigenheiten des Predigers und setzte ihm damit ein unvergängliches Denkmal.

Wenn man die in diesem Buch gesammelten Reden und Schriften liest, fühlt man vor allem eines: wenig hat sich bis heute in den menschlichen Schwächen, Stärken, Ängsten und Charaktereigenschaften geändert. Die Umstände sind anders geworden, der seelische Kern aus Sünden und Vergebungssehnsucht ist gleichgeblieben.

Es ist die klare, oft derbe Sprache, die Abraham a Sancta Clara auszeichnet, er ist unterweisend, moralisierend und hat ein klares Ziel: Er möchte der katholischen Kirche und ihren Zielen ein treuer Diener sein. Er ist vor allem Seelsorger für die Nöte der Menschen und dann vielleicht etwas Literat. Diese Reihenfolge seiner Priöritäten macht aus den Predigten etwas einfach Unverkünsteltes, Klares und Verständliches. Kein Wunder, dass ihm das Volk zu Füßen liegt und gebannt lauscht.

Er liefert mit seinen Predigten Handlungsanleitungen für das ganze Leben: z.B. Hausregeln für Eheleute, Kindesundank, Männertreu, das böse Weib, Neid, Augenlust, Kleidernarren, Wankelmut, Undankbarkeit u.v.m.

Hier sein Rezept wider alle Sünden: "...nimm von Deiner Nichtigkeit, vom bitteren Wermut der Trübsale, von Mhyrren der Sterblichkeit, von jedem eine große Handvoll, zerstoße alles dieses in dem Mörser eines zerknirschenden Herzens, feuchte es an mit dem großen Bußwasser der Tränen, lege solches dann auf das Feuer einer inbrünstigen Andacht, blase zu mit den Seufzern der Reue, koche es wohl untereinander durch Betrachtung. Alle Tage ein Löffel voll mit reinem Gewissen davon eingenommen, ist ein trefflich Mittel wider alle Sünden."

Dieses Buch bzw. seine Predigten und Schriften sind zeitlos lesbar, witzig, volksnah und klug. Heute wäre Abraham a Sancta Clara Rhetorik Professor, bei dem man die Definition einer Predigt allgemeinverbindlich nachlesen kann: "Eine Predigt ist ein Spiegel, worin sich der Mensch sieht; eine Predigt ist ein Hahnenschrei, welcher den Menschen vom sündigen Schlaf aufweckt; eine Predigt ist ein Gastmahl, das die Seele speist."

Seine Aussagen wurden weitergetragen, weitergereicht, sie sind heute copyrightfreie Gedanken, die immer noch in der Zwölf sitzen:

"Juristen, böse Christen, Viel Geschrei, wenig Ei.

Geduldig sein bringt Segen ein.

Wo keine Eifersucht ist, da ist keine Liebe.

Geld und Glück ist aus Flandern, es geht von einem zum andern."

Abraham a Sancta Clara haut den gebeutelten Mensch in die Pfanne, er hält ihm den Spiegel (der eigenen Schwächen) vor und nimmt ihm damit vor allem etwas, dessen Aufgabe auch heute so notwendig wäre: den eitlen Egoismus. Vorm Wurm wird man mit ihm trotzdem zum Turm, der dann in einem selbst entsteht, wenn Geduld, Liebe und Mitgefühl wachsen.

Unbedingt lesen!
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