Über Joel und Ethan Coen muss man ja seit FARGO und THE BIG LEBOWSKI kaum noch Erläuterungen abliefern.
Sie sind bekannt für lakonische Geschichten und auf merkwürdige Art und Weise außergewöhnliche Charaktere.
Und dies zeichnet auch HUDSUCKER aus.
Es geht um den jungen naiven Norville Barnes (grandios: Tim Robbins), der aus seiner kleinen Provinz in die große stadt kommt, um das große Geld zu machen. Er hat eine Erfindung in petto, die er hier an den Mann bringen will. Leider findet er keinen Job, der seinen Qualifikationen entspricht, und so muss er sich zuerst in der Postabteilung des Großkonzerns Hudsucker Industries durchschlagen.
Kaum hat Norville dort angefangen, geschieht ein bemerkenswerter Zwischenfall:
Waring Hudsucker, Gründer und Chef der Firma, stürzt sich aus dem 44. Stock des Hochhauses.
Der Aufsichtsrat ist ratlos, denn Waring hat kein Testament hinterlassen, und so würde sein Aktienpaket, das er an der Firma hält, auf den freien Markt kommen und wäre für die Firmenleitung verloren.
Was nun? Der Aufsichtsrat hat zu wenig Geld, um das Paket selbst zu übernehmen, also gibt es nur eine Lösung:
Bevor die Aktien auf den Markt kommen muss der Kurs in den Keller. Und dazu braucht es einen neuen Boss, einen Trottel, einen manipulierbaren Naivling, der die Anleger verschreckt und die Aktienkurse in den Keller treiben könnte.
Doch wo findet man so einen Idioten?
Vize-Chef Sid Mussburger (Paul Newman) macht sich auf die Suche, und als Norville Barnes ihm einen Brief zukommen lassen will und dabei fast sein Büro in Brand setzt, glaubt Mussberger, einen passenden Trottel gefunden zu haben.
Kurzerhand wird Norville Barnes zum neuen Firmenchef gemacht, und wie erwartet beginnt der Aktienkurs zu sinken.
doch womit keiner gerechnet hat: Barnes' Erfindung, der Hoola-Hoop-Reifen, den er auf den Markt bringt, schlägt ein, wie eine Bombe.
Natürlich hat Naivling Barnes keinen Schimmer von dem Spiel, das der Aufsichtsrat mit ihm spielt, nur die junge Reporterin Amy Archer (Jennifer Jason Leigh) hat einen Riecher für das abgekarterte Spiel. Sie lässt sich undercover von Barnes als Sekretärin einstellen und will herausfinden, was in dem Konzern für Spiele gespielt werden, doch während ihrer Undercover-Aktion verliebt sie sich überraschend. Ausgerechnet in den Naivling Barnes....
Die Story ist teilweise so absurd inszeniert, dass man einfach nur lachend und kopfschüttelnd vor der Mattscheibe sitzt.
Wenn dann am Schluss noch der alte Hudsucker als Engel mit Ukulele auftaucht, dann ist der Supergau perfekt.
Die Coens konnten sich bei diesem Kuriositäten-Kabinett richtig austoben, und genau das taten sie auch.
HUDSUCKER ist einmalig inszeniert, es ist kaum zu beschreiben und muss eigentlich gesehen werden. Allein der spektakulären Inszenierung wegen stellt HUDSUCKER eigentlich ein Unikat in der Coen'schen Filmographie dar.
Die Darstellerriege ist toll, vor allem Tim Robbins ist so herrlich naiv und blauäugig, dass es eine Freude ist, ihm zuzusehen.
Ein weiteres kleines cineastisches Highlight ist Bruce Campbell in einer Nebenrolle als Reporter. Er war der Hauptdarsteller in der TANZ DER TEUFEL-Reihe, mit denen die Coens als Assistenten von Sam Raimi erste filmische Erfahrungen sammelten.
HUDSUCKER muss man gesehen haben, er ist einmalig. Wie eigentlich ale Coen-Filme. Und doch ist er irgendwie anders.
Wie gesagt, man muss ihn wohl gesehen haben.