Huckleberry Finn ist ein ganz schön abgebrühter Typ. Das muss er auch sein. Er ist nämlich ohne Mutter aufgewachsen und sein Vater ist ein Säufer, der sich fast immer auf ausgedehnten Sauftouren herumtreibt und Huck allein lässt. Natürlich ist Huck das abschreckende Beispiel für alle Mütter, die aus ihren Söhnchen brave Sonntagsschüler machen wollen. Natürlich ist Huck das große Vorbild für eben diese Söhnchen, weil er sich niemals waschen und kämmen, niemals zu Schule gehen und nicht einmal bei Tisch oder mit Messer und Gabel essen muss.
Aber auch Huckleberry hat ein Vorbild und das ist Tom Sawyer. Denn Tom hat die besten Ideen, so findet Huck, und weiss fast immer was zu tun ist. Tom kann Huck sogar dazu überreden, sich von der Witwe Douglas zivilisieren zu lassen. Die Zeit bei der Witwe gehört zu den schlimmsten Erfahrungen für Huck. Er muss saubere Kleidung anziehen, zu geregelten Zeiten essen und zur Schule gehen. Nicht einmal rauchen darf er. Aber gerade das zur Schule gehen hat schon sein Gutes, denn er lernt lesen und schreiben. Somit kann er seine eigene Geschichte niederschreiben. Den ersten Teil seiner Geschichte, Die Abenteuer des Tom Sawyer, hat nämlich schon Mr. Mark Twain erzählt. Obwohl Huck findet, daß diese Geschichte durchaus der Wahrheit entspricht, so meint er doch, Mr. Twain hätte an einigen Stellen schon ziemlich übertrieben. Deutlich kommt heraus, daß Huck überzeugt ist, er könne das Buch viel besser schreiben als Mr. Twain.
Denn Huck bleibt am Boden der Realität und neigt nicht zu Sentimentalitäten und Übertreibungen. So etwas würde er sich ganz bestimmt nicht nachsagen lassen. Und doch, manchmal, ganz selten zwar, wenn er in seinem Floß den Mississippi heruntertreibt, überkommt es ihn und er schildert die Landschaft so schön, daß man sich am liebsten sofort zu ihm setzen will. Dieser Drang hat übrigens viele Jahre auch Jonathan Raban verfolgt, bevor er ihn endlich so gut es ging wahr machte, mit einem Boot den Mississippi hinunterschipperte und sein eigenes Buch - Old Glory - darüber schrieb.
Die ganze Rezension ist hier zu lesen: http://karinkoller.wordpress.com/2011/03/18/mark-twain-the-adventures-of-huckleberry-finn/