Manchmal gibt es tatsächlich Bands, die bei mir allein schon anhand ihres Namens Pluspunkte sammeln können. So wie diese junge Newcomer-Truppe aus meiner Heimatstadt Nürnberg, die sich kultigerweise den Namen WILLIE TANNER gegeben hat. Bei erster Betrachtung sicherlich selten peinlich...doch wie eingefleischte Serien-Kenner wissen, ist WILLIE TANNER - mit seiner erzkonservativen, verschrobenen und leicht vertrottelten Art - der eigentliche Held der US-Comedy-Sitcom ALF, und damit ein unumstößliches Idol meiner Jugend. Holla, diese Band muss einfach gut sein !!!
Das Quintett WILLIE TANNER kümmert sich nach eigener Aussage wenig um die Meinung möglicher Kritiker, sondern macht musikalisch einfach das, auf was sie am meisten Bock haben. Und diese Spaßeinstellung hört man der knapp 35minütigen Debüt-Scheibe "How to be a complete bastard" auch zu jeder Sekunde an. Ohne Rücksicht auf Verluste zocken WILLIE TANNER einfach ihren Stiefel runter, ohne dabei viel Wert auf eine feste Genre-Zugehörigkeit zu legen. Auf diesem knochentrocken produzierten 9-Tracker agieren die fränkischen Jungspunde größtenteils mit eingefahrenen Scheuklappen, und machen damit (fast) alles richtig. Auf Songs wie dem kernigen Opener "Bored treasure" , "My poet monster" , "Up to you" oder "Serial memory killer" bewegen sich WILLIE TANNER irgendwo in einem Sound-Kosmos zwischen den DONOTS , BEATSTEAKS , MUSTASCH , GUANO APES , CLAWFINGER und DIE HAPPY mit gelegentlichen Modern-Einschüben á la DISTURBED. Bei Tracks wie "Ice cream wars" , "Boogiepop phantom" oder "How to be a complete bastard" kommen dafür seltsam freakige Elektro-Spielereien zum Zuge, die den jeweiligen Nummern nochmal zusätzlichen Wiedererkennungswert verleihen. Dafür gehen WILLIE TANNER auf den beiden Album-Highlights "Plastic feelings" und "Home sweet homeless" (geil!) richtig schön schnörkellos zur Sache, überzeugen dabei durch ihren ungemein kraftvollen HELMET-Groove , und schmeicheln dem Hörer wahrhafte Zucker-Refrains ins Ohr. Apropos Refrains...bisher habe ich noch nicht erwähnt, dass WILLIE TANNER eine Sängerin in ihren Reihen haben, die dem rockigen Sound-Cocktail in letzter Konsequenz noch das letzte "Salz in der Suppe" verleiht. Die junge Mikrofon-Braut kann nicht nur durch ihr höchst sympathisches Aussehen (schickes Band-Foto!) punkten, sondern überzeugt vor allem durch ihre tolle, wunderbar rock-soulige Gesangsleistung. Positiv energisch !!!
WILLIE TANNER sind auf jeden Fall ein Newcomer, den man sich merken sollte. "How to be a complete bastard" ist zwar keine musikalische Offenbarung, dürfte aber bei so manch aufgeschlossenem Rock/Metal-Fan für Begeisterung sorgen. Richtig neu ist das musikalische Grundrezept natürlich nicht...aber mit ihrer Mischung aus Alternative, Crossover, melodischem Punk, Nu-Metal und knackigem Rockn' Roll haben diese Nürnberger wirklich eine feine Scheibe am Start, die bereits jetzt Lust auf mehr macht. Beide Daumen nach oben, und ein dicker Stein im Brett !!!