Da ich von Zeichnen nun wirklich keine Ahnung habe, habe ich dieses Buch meiner Tochter gegeben, die seit Jahren Mangas liest und selber zeichnet. Hier ihre Kritik:
Das Gesamfazit vorneweg: Ich schwanke bei der Bewertung zwischen 4 und 5 Sternen. How to draw Manga ein sehr gutes, sehr ausführliches Werk, das aber nicht für Anfänger ohne zeichnerische Vorkenntnisse geeignet ist und manchmal Übersichtlichkeit vermissen lässt. Für jemanden der sich ernsthaft mit Zeichnen befassen will ist es jedoch eine echte Hilfe und bietet viele Anregungen.
Von den üblichen Lerne-zeichnen-Büchern hebt sich dieses Zeichenbuch deutlich ab. Statt den dünnen, bunten Alben, die man oft findet, handelt es sich hier um ein mit 180 Seiten recht dickes, größtenteils schwarz-weiß gehaltenes Buch. Die zahlreichen Zeichnungen, die die Erklärungen begleiten, sind durchweg sehr professionell gehalten und gefallen mir schon deswegen, weil bei vielen auch noch die ersten Hilfslinien erhalten geblieben sind. Das hilft beim Nachvollziehen des Aufbaus der Figur sehr.
Inder Tat ist dieses Buch in meinen Augen aber nur sehr eingeschränkt für Anfänger geeignet. Der Leser wird durchaus gefordert und viele Grundlagen werden nicht explizit erklärt. Man sollte also bereits ein bisschen Übung im Umgang mit dem Bleistift haben und etwas Zeichenpraxis schadet auch nicht. Ebenso wie eine gewisse Ernsthaftigkeit. Wem knuddelige Tierchen und kleine Chibis reichen, der braucht dieses Buch ganz sicher nicht. Einem ambitionierten Zeichner, der seinen Stil verbessern will, dem kann es aber sicher eine Hilfe sein. Mich persönlich stört das nicht, denn das Buch ist genau das, was ich mir gewünscht hätte: Es gibt viele Hinweise zur Verbesserung des eigenen Zeichenstils , sehr viele schöne Referenzen (beispielsweise Posen) für eigene Zeichnungen und natürlich auch Inspirationen.
Man sollte sich vor einem Kauf des Buches bewusst machen, dass dies kein Zeichenkurs mit klaren Anweisungen ist, sondern viel mehr ein Handbuch für jene, die eigenständig und kreativ zeichnen und dabei die Qualität ihrer Zeichnungen verbessern wollen. Viele Teile des Buches sind daher nicht nur für Mangazeichner interessant: Genaue Anatomiezeichnungen, Erklärungen zum Aufbau des Knochengerüstes, den Muskelaufbau bei Männern und Frauen, die Art, wie die Gesichtsmuskulatur bei verschiedenen Emotionen reagiert, Hinweise zu Haltung und Beweglichkeit des menschlichen Körpers, viele Erklärungen dazu, wie man Körper perspektivisch zeichnet sowieso Hände und Füße in verschiedenen Haltungen. Sogar zur Koloration am PC sind einige Seiten angefügt, obwohl es ja primär um das Erstellen aussagekräftiger Skizzen geht.
Persönlich finde ich abgesehen von den schematischen Zeichnungen von Händen und Füßen die Erklärungen zum Zeichnen von Kleidung am nützlichsten. Die Ausführungen, wie sich Stoffqualität und Schnitt der Kleidung auswirken sind ausführlich und werden mit Bildern verdeutlicht.
Das einzige, was mich etwas stört, ist dass die Seiten oft sehr voll bis überladen wirken. Beispielsweise umfasst die Seite, die sich mit dem Schieflegen des Kopfes und dem Blick zur Seite hin befasst, nicht weniger als zehn Zeichnungen und Schemata und sieben begleitende Erklärungen. Das macht es teilweise anstrengend, den Überblick zu behalten, ist aber symbolisch für die Informationsfülle, die einen im diesem Buch erwartet.