Der Film lief auf diversen Dokumentarfilmfestivals im Herbst mit großem Erfolg und ist wirklich witzig. Er ist praktisch zweisprachig, die englischen Passagen haben deutsche Untertitel und die deutschen Szenen sind mit englischen Subtitles versehen. Göttlich die Dialoge zwischen Gerhard Steidl und Joel Sternfeld, etwa wenn letzterer sich Sorgen um die mittlere Farbpalette seiner Fotos in iDubai macht und Steidl ihm mit "fu.. the middle" seine Einschätzung mitteilt. Viele Szenen später revanchiert sich Sternfeld, als sie das fertige Produkt betrachten und er trocken feststellt, "lucky I didn't have to fu.. the middle."
Generell ist es immer faszinierend, einem von seinem Beruf (und seiner Berufung) besessenen Menschen über die Schulter zu schauen. Steidl ist so ein Qualitätsfetischist, der traditionelle handwerkliche Kunst im Buchdruck mit moderner digitaler Reproduktionstechnik verbindet und so zum gesuchten Verleger vieler Fotographen und Künstler wird. Der Perfektionsdrang macht solche Menschen häufig schwierig, eine gewisse Exzentrik können sie sich leisten. Gerhard Steidl macht da keine Ausnahme. Trotz der großen Nähe der Kamera im Büro und auf Reisen bleibt aber der private Mensch Steidl, so es ihn gibt, im Dunkeln - sein gutes Recht. Zum Vergleich: von Donald Knuth, dem legendären Mathematiker, Informatiker und Erfinder des Satzsystems TEX weiß man, dass er sein Haus um eine Orgel herum gebaut hat, privat eher scheu und sehr bescheiden ist, und als aktives Gemeindemitglied mit seinem alten Volvo zur Kirche fährt. Dem Hauptdarsteller dieses Films fehlt diese Dimension, gern hätte man gewusst, was so einen außergewöhnlichen Menschen im Inneren bewegt.
Fazit: Nichts ist spannender als die Realität. Dem Dokumentarfilm gehört die Zukunft, hier Gereon Wetzel und Jörg Adolph in "How to make a book with Steidl", genauso könnte man auch Klaus Stern in "Weltmarktführer" und "Henners Traum" und viele andere talentierte Filmemacher anführen. Leider laufen deren Filme dann irgendwann um 23 Uhr auf 3Sat, zur besten Sendezeit um 20 Uhr sehen wir stattdessen wieder so einen verquasten Tatort in diesem zu Tode gequälten Genre. Warum, das bleibt das Geheimnis unserer Fernsehanstalten. Ich hoffe, die DVD kommt bald heraus, ich habe sie schon zwei Fotoschaffenden in den USA versprochen.