Zugegeben: Man kann den ungarischen Tänzer Nicolas Darvas schon beneiden, der in den 60iger Jahren des 20. Jahrhunderts in anderthalb Jahren als Spekulant an der Wall Street aus wenigen Tausend Dollar zwei Millionen machte (was im Jahr 2009 etwa zehn Millionen Euro entspräche), wenn wir seiner packenden Geschichte, die er in einfacher Sprache erzählt, Glauben schenken dürfen. Doch genau da liegt der springende Punkt: man kann es glauben oder auch nicht.
Denn es besteht die nicht unwahrscheinliche Möglichkeit, dass Darvas sich die Fakten zurechtgebogen hat, wie er sie brauchte, um ein interessantes Buch zu schreiben, das ihm vielleicht eher die Dollar-Millionen einbrachte als seine Börsengeschäfte. Denn das Buch war ein Bestseller. Anhaltspunkte für diese Theorie gibt es, auch wenn man dies fünfzig Jahre nach den Geschehnissen nicht mehr richtig nachprüfen kann. Es gab scheinbar eine Ermittlung des US General-Staatsanwaltes gegen den Autor. Darvas ging darauf ein, sich für den Rest seines Lebens vom Wertpapierhandel in den USA fernzuhalten, sofern die Ermittlungen gegen ihn eingestellt würden. Warum sollte er auf diesen Vorschlag eingehen, wenn er hätte beweisen können, dass seine Story wahr ist? Dass er dem Handel zustimmte, spricht gegen ihn. Später arbeitete Nicolas Darvas als Theaterproduzent, Schriftsteller und Investor in nicht börsengehandelte Unternehmen (Mode, Immobilien).
Zudem, seien wir ehrlich, das Buch ist gefährlich. Denn auf jeden Darvas, der als Trader Multimillionär wird (sofern die Geschichte der Wahrheit entspräche), kommen Tausende, die dies nicht schaffen und ihr eingesetztes Geld schnell verlieren. Survival of the fittest. Trading ist ein Minus-Summen-Spiel, bei der immer einer verliert, einer gewinnt und beide Transaktionskosten zahlen müssen. Die (finanziell) toten Trader jedoch schreiben als stumme Zeugen keine Bücher.
Was bleibt ist eine recht spannende Erzählung, die wohl auch in den nächsten fünfzig Jahren dafür sorgen wird, dass die Zahl der Spekulanten nicht abnimmt, die glauben, hier Rezepte für ein System - das "Box System" - zu finden, das sie schnell reich machen kann. Lesen Sie das Buch vielleicht besser als eine Art Roman. Darvas selbst wurde übrigens nicht alt und konnte von seinen Millionen auch nichts mitnehmen. Das letzte Hemd hat bekanntlich keine Taschen.