Moderne R'n'B Produktionen wirken ja seit der Penetrierung dieses Genres durch den Gangsta-Rap nicht nur optisch in den Videos, mit proletarisch zur Schau gestelltem Reichtum wie üppigem Goldschmuck, gepimpten Luxuslimousinen und üppiger und leichtbekleideter Weiblichkeit, lächerlich, sondern auch musikalisch.
Zu oft werden hier songs um samples oder einfach hooks herumkonstruiert, die beats sind meistens vorhersehbar und der wuchtige synthbass steht symptomatisch für diese mittlerweile absolut gehaltlose ,Musik'.
Dass das auch anders geht, völlig ohne Rap, dafür mit rhythmisch akzentuiertem Gesang, interessanten Melodien und Arrangements die mit Liebe zum Detail auch Pop und Rock Elemente addieren bewies diese junge Dame 2001.
,How I Do' ist ein grooviges modernes Soul Album, das schon im R'n'B verortet ist, aber mit dem coolen Gesang von Shareese Renèe Ballard (wie die Dame mit vollem Namen heisst) und der Nonchalance mit der Sie diese Lieder vorträgt eine völlig neue und intelligente Art von coolness präsentiert. Hier wird musikalisch nicht dick, dafür aber umso kompetenter aufgetragen. Die Hip-Hop beats klingen meist angenehm nach akkustischem Schlagzeug, die Gitarrenspuren sind echt und die catchy hooklines nie zu simpel. Wenn die Dame dann beim hidden track ,Say It Anyway' am Ende auch noch die Rockgitarren und lautes Schlagzeug krachen lässt, dann nimmt das schon genau den sound vorweg den Pink dann ab 2003 so trefflich und erfolgreich pflegte.
Die wahren Bringer dieses Albums sind aber das rhytmisch wie gesanglich großartige ,Ice King', das nicht mehr aus dem Ohr zu bekommende ,Sittin' Back mit seinem immer vesretzten Refrain und natürlich ,The Hustler' mit dem der Dame sogar ein Achtungserfolg auf den besseren Radiostationen in Europa gelang.
Insgesamt war das Album aber leider ein Flop - trotz eines Nr. 1 Billboard Dance chart hits mit ,They Say Vision' - weil es wohl einfach zu gut war und zu wenig Oberfläche und zuviel Tiefgang hatte.
Klar ist das R'n'B, aber herrlich unprätentiöser der sich zwischen Jamiroquai und den Common Alben aus dieser Zeit ansiedelt. Mit dem Plattenvertrag war's nach der Pleite von MCA vorbei und das obwohl Sie für Geffen noch ein komplettes Album einspielte, das das Label aber nie veröffentlichte.
Die Dame hält sich mittlerweile nur mit Live Auftritten in kleinen Clubs über Wasser. Weil Sie aber trotzdem weiterhin Musik veröffentlichen wollte gibt's ihr zweites Album auf ihrer Homepage zum Gratis-download (inkl digital booklet) und das ist songwriterisch sogar noch etwas besser als dieser Erstling und hätte mit ,By Myself' auch einen absoluten Hit drauf (the1res.com).
Auch wieder ein Beispiel für ein großes Talent, das keine zweite Chance mehr bekam - sehr schade, denn die Dame definierte so etwas wie ,The new cool' für den R'n'B.