Durch ein Podcast des Bayerischen Rundfunks wurde ich auf den Autor und das Buch aufmerksam, dessen Titel witzig und vielversprechend ist, sowohl die Worte als auch die auffällige grafische Gestaltung.
Leider wurde mir aber zuviel versprochen. Denn für ein Sachbuch - wenn auch populärwissenschaftlich und humorvoll - weist mir das Werk etwas zu wenig Gliederung auf. Der lose Rahmen: Sie sind zusammen mit anderen Gästen, die Sie nicht kennen bei Ihrem Vorgesetzten zum Abendessen eingeladen. Im Laufe des Abends sollten Sie sich durch geistreiche und kluge Konversation einen Vorteil im Wettbewerb mit den anderen Sprechenden verschaffen. Allein dieser darwinistische Ansatz stört mich schon etwas, aber der zunehmend vollgepackte Containerbegriff "Evolution" wird zur Zeit in jede denkbare Richtung gebogen. Nun hat er auch den Small Talk erreicht. (Kleiner Einschub: Ich verstehe Gespräche - auch die die nicht immer tiefschürfend sind - auch als Gelegenheiten, Menschen kennenzulernen, näherzukommen und zu verstehen. Also nicht lediglich als Hilfsmittel, um im Kampf ums wirtschaftliche Überleben der Sonne des Vorgesetzten entgegen zu wachsen).
Der Schreiber des Buches, Andreas Schlieper teilt zwar den Stoff in mehrere Kapitel, die sich jedoch nach einigen einleitenden Bemerkungen nicht erkennbar thematisch voneinander abheben. Dabei springt der Autor von einem Thema zum nächsten, es werden jede Menge Fremdwörter und deren Herkunft gestreift und Schlieper hat damit Gelegenheit, sein ungeheures Allgemeinwissen vor uns auszubreiten. Ich gewann dabei den Eindruck, als pflege der Autor hier seine (jedem Menschen zustehende) kleine Eitelkeit, was auf Buchlänge allerdings etwas mühsam wird. Mich würde auch interessieren, ob er schon jemals Gelegenheit gehabt hat, den Inhalt seines Buches in einem einzigen Abend voll Small Talk auszubreiten. Denn eines ist dieses Buch ganz gewiss nicht: ein ernst gemeinter Konversations-Ratgeber (das habe ich mir allerdings auch nicht erwartet). Aber was wollte er dann? Das hat sich mir als Leser nicht erschlossen.
Mein (subjektives) Fazit: Weniger wäre mehr gewesen. Einige Passagen sind durchaus amüsant und lesenswert - hat man es aber nicht gelesen, entgeht einem nicht wirklich viel.