... kommt dieses Album daher, ohne grosses Marketing oder PR. Warum auch? The Band und Robbie Robertson sind ein klassisches US-amerikanisches Phänomen, ausserdem natürlich noch für eine erwachsenere Zielgruppen gedacht.
Wenig ist geblieben von den - auch sehr empfehlenswerten - Ausflügen in Richtung New Age und indianischer Musik, es sind allerdings auch gut 13 Jahre vergangen. Das aktuelle Album liegt eher in der Tradition der ersten Soloalben von Robertson.
Im Kern entstad 'How to become a clairvoyant' aus immer wiederkehrenden Sessions mit Eric Clapton, der Entstehungsprozess zog sich über Jahre, und nach Aussage der beiden, gab es auch nie einen grossen Plan, wie das fertige Album aussehen sollte. Unterbrochen durch die Arbeit am Soundtrack zu 'Shutter Island' sind erst in den letzten finalen Sessions weitere Freunde und Bewunderer dazugestossen. Die Guitaristen Robert Randolp und Tom Morello (von Rage against the Machine), ebenso NIN Kopf Trent Reznor, aber auch weniger bekannte Künstler, die nicht der Alternative Rock Szene entstammen wie Angela McCluskey (Wild Colonials) oder Taylor Goldsmith (Dawes). Zusammen mit der Kernband um mit Robertson, Clapton, Steve Windwood (!), Bassisten Pino Palladino (wer kennt ihn noch ohne zu googeln? Eine der beliebtesten Studiomusiker in den 80ern und 90ern, u.a. Tears for Fears) und Drummer Ian Thomas. Was kommt dabei heraus, wenn sich so eine Schar illustrer Bewunderer um einen der grössten amerikanischen Songwriter und Gitaristen und seine Good-Ol-Boys Begleitband schart und ohne Zeitdruck rumwerkelt? Richtig ... richtige Musik, lebend, atmend, authentisch. Das Album erzählt eine persönliche, an manchen Stellen autobiographische Geschichte, die klanglich absolut vielfältig und faszinierend umgesetzt wird.
Aber in aller Ruhe, die Zeit muss sein.
STRAIGHT DOWN THE LINE ist der funkiger etwas schmutziger Opener, mit Robert Randolph an der Pedal Steele. Lyrisch herausragend, Robertson malt Bilder mit seinen Worten.
WHEN THE NIGHT WAS YOUG ist eine lebhafte Retrospektive, die einiges autobiographisches verrät, musikalische aufgewertet durch Angela Cluskey Co-Vocals.
HE DON'T LIVE HERE NO MORE ist ein grossartiger Song zum Autofahren, mit einer eher seltenen Einlage von Clapton an der Slide Gitarre und einem geschmackvollen Fast-Flamenco Solo von Robertson.
THE RIGHT MISTAKE ist an Thelonious Monk angelehnt, der mal gesagt haben soll, dass es in der Musik vor allen darum geht, die richtigen Fehler zu machen. Ein listiger und durchtriebener Sing.
THIS IS WHERE I GET OFF ist ein Blick auf die 16jährige Geschichte von The Band. Mit einer Killermelodie und sehr bewegenden Texten und parallelen ineinandergewobenen Gitarrensoli von Clapton und Robertson. Zum Niederknien.
FEAR OF FALING fällt auf, dadurch, dass Clapton die lead vocals übernimmt.
SHE'S NOT MINE ist ein weiteres Highlight in dieser ansich schon bemerkenswerten Songsammlung. Ein sehr atmosphärisches Liebeslied, mit einer typischen bittersüssen Robertson Melodie.
MADAME X ist von Clapton geschrieben und bekommt von Reznor eine elegante Synthesizer Textur verpasst. Fast wie ein Soundtrack Song, spannend.
AXMMAN ist die Verneigung von Robertson Gitarrenhelden. Ein verspieltes Gitarrenduel zwischen Robertson und Tom Morello. Auch wieder zum niederknien.
WON'T BE BACK, eine weiterer eher ruhigerer Sing mit hübscher Melodie und wunderschönen Texten, von Clapton und Robertson elegant präsentiert.
HTBC is der Title Track, gespenstisch und spooky, vorangetragen auch durch die schönen Texte.
TANGO FOR DJANGO ist eine weitere Verneigung von seinen Einflüssen, ein spektakuläres Instrumental.
Und das sind erst die ersten Eindrücke zu diesem grossartigen Album, dass es jetzt wahrscheinlich den ganzen Frühling und Sommer weiterzuentdecken und zu vertiefen gilt.