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Houwelandt. Roman
 
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Houwelandt. Roman [Taschenbuch]

John von Düffel
4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (21 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Wie immer, so hat der 39-jährige Hamburger Autor und Dramaturg John von Düffel seine aufwühlende Geschichte der Familie Houwelandt auch diesmal nah am Wasser gebaut. Gleich zu Beginn steigt Jorge, der nicht nur geliebte Patriarch, in die Fluten des Meeres, dessen Beschreibung mehr Platz einnimmt als die seiner selbst. „Was er brauchte, war das Meer“, heißt es im Roman. Und auch die Familienmitglieder werden auf nahezu ozeanische Weise eingeführt. Der Fuß von Jorges Frau Esther zum Beispiel hat „Durst“ nach der Gischt. In der nächsten Generation hat die Leidenschaft nur leicht nachgelassen: Sohn Thomas hat zumindest ein Gespür geerbt, mit dem er Regen „riechen“ kann, bevor er überhaupt gefallen ist.

Inzwischen sind die Familienmitglieder in alle salzigen Winde zerstreut und fristen ihr „Inseldasein“ unabhängig voneinander, umbraust von Gleichgültigkeit. Trotzdem plant Esther, die Houwelands zum 80. Geburtstag ihres Mannes wieder zusammenzuführen. Im Zuge der Vorbereitungen treiben verdrängte Erinnerungen wieder an die Oberfläche. Was seicht begann, weitet sich zur Schicksalswelle...

Berühmt wurde John von Düffel 1998 mit seinem Debütroman Vom Wasser. Seitdem ist er aufs Feuchte abonniert (Wasser und andere Welten, 2002). Bei Houwelandt ist das bis in die Metaphorik spürbar. Der Geschichte tut das keinen Abbruch, im Gegenteil: Denn der Roman hat kaum verwässerte Stellen, sondern ist ein überaus lesenswertes, atmosphärisch dichtes Psychogramm. -- Stefan Kellerer -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Pressestimmen

»Der deutsche Schriftsteller John von Düffel ist ein leidenschaftlicher Schwimmer, ja geradezu süchtig nach Wasser. Das merkt man auch seinen Büchern an, allen voran diesem großartigen Roman über eine Familie, die vor lauter Misstrauen und Verachtung kurz davor ist auseinander zu brechen. Ideal für alle Wasserratten.«
Emotionen 10/2007

»Ein feinsinniger, zu empfehlender Roman ist ›Houwelandt‹ aus der Feder von John von Düffel, der die Geschichte der gleichnamigen Familie erzählt. Dominiert wird diese vom gefühlskalten, schroffen Vater Jorge, dessen subtile Erziehungsmethoden bis in die dritte Generation fortwirken. Selbst die, die sich aus den Fängen der Familie befreit glauben, werden in ihren eigenen Beziehungen immer wieder davon eingeholt. Mit großem Geschick und mit einer gelegentlich verstörenden Beiläufigkeit, schildert von Düffel, warum die Mitglieder Houwelandts so sind, wie sie sind – und schafft es letztlich doch, ein versöhnliches Ende zu finden.«
IHK Wirtschaft November 2007

»John von Düffel zeichnet in ›Houwelandt‹ das Bild einer zutiefst verstörten Familie, ohne deren Mitglieder – eine oft bemühte Formulierung, aber auch in diesem Fall angebracht – zu denunzieren. Der Leser fühlt mit und sich in die Personen ein: egal aus wessen Sicht gerade erzählt wird. Jeder Charakter ist stimmig, die Handlungen auch.«
Die Rheinpfalz 14.08.2007

»Von Düffel entfaltet die komplexe Geschichte der de Houwelandts über drei Generationen leise, subtil, mit psychologischem Feingefühl.«
Tobias Haberl, Der Spiegel Special

»Vielleicht kann man nach der Lektüre dieses glänzend geschriebenen Buchs das nächste Familientreffen mit anderen Augen betrachten.«
Silja Ukena, Die Zeit

»Der Roman entwickelt eine Tiefe, die gerade aufgrund der relativen Banalität der Ereignisse ihre Wirkung entfaltet. John von Düffel gelingt es, in jedem seiner Protagonisten eine eigene Ahnung der unendlich komplexen Verschränkungen zwischen den Generationen einer Familie aufscheinen zu lassen.«
Felicitas von Lovenberg, Frankf­urter­­ Allgem­­eine­­ Zeitun­­g

»Eine eindrückliche und eigenwillige, über drei Generationen angelegte Rekonstruktion einer Suche nach Geschichte.«
Nina Toepfer, NZZ am Sonntag

»Wer wissen will, wie literarisches Schreiben in der Mediengesellschaft funktioniert, für den ist ›Houwelandt‹ Pflicht.«
Frankf­urter­­ Allgem­­eine­­ Zeitun­­g

»Der Roman entwickelt eine Tiefe, die gerade aufgrund der relativen Banalität der Ereignisse ihre Wirkung entfaltet. John von Düffel gelingt es, in jedem seiner Protagonisten eine eigene Ahnung der unendlich komplexen Verschränkungen zwischen den Generationen einer Familie aufscheinen zu lassen.«
Felicitas von Lovenberg, FAZ

»Eine eindrückliche und eigenwillige, über drei Generationen angelegte Rekonstruktion einer Suche nach Geschichte.«
Nina Toepfer, NZZ am Sonntag

»Wer wissen will, wie literarisches Schreiben in der Mediengesellschaft funktioniert, für den ist ›Houwelandt‹ Pflicht.«
Frankf­urter­­ Allgem­­eine Zeitun­­g

Kurzbeschreibung

Eine Familiengeschichte von dramatischer Raffinesse. John von Düffel erzählt von drei Generationen der Familie Houwelandt. Großvater Jorge, der Asket und Patriarch, sieht nach einem mit unerbittlichem Stolz gelebten Leben an der Seite seiner Frau Esther seinem achtzigsten Geburtstag entgegen. Den Familiensitz im Norden Deutschlands haben die beiden schon lange mit der spanischen Küste vertauscht, denn das Meer ist Jorges Lebenselixier.

Das Elternhaus verwaltet sein Sohn Thomas, der sich als gescheiterte Existenz empfindet und am väterlichen Starrsinn zu zerbrechen droht. Sein einziger Sohn Christian wiederum hat den Großvater kaum je gesehen und möchte allen familiären Verstrickungen und Verlogenheiten am liebsten aus dem Weg gehen. Doch Jorges Ehefrau Esther plant eine große Geburtstagsfeier für ihn, in Deutschland, um die versprengte Familie endlich einmal zusammenzubringen. Je näher das Fest rückt, desto unausweichlicher sieht sich jeder der Houwelandts mit der Vergangenheit konfrontiert - der eigenen und der der Familie.

Über den Autor

John von Düffel wurde 1966 in Göttingen geboren und wuchs in Irland, Southdakota und diversen kleineren deutschen Städten auf. Nach seinem Studium der Philosophie, Germanistik und Volkswirtschaft promovierte er 1989 in Erkenntnistheorie. Zunächst war er als Film- und Theaterkritiker sowie als Hörspielautor und Übersetzer tätig, später als Dramaturg in Stendal, Oldenburg, Basel und Bonn. Zurzeit ist er Dramaturg am Thalia Theater in Hamburg. Zu seinem Werk: Düffels Erzähldebüt „Vom Wasser" hat ein intensives und durchweg positives Presseecho gefunden. Jochen Hörisch rühmt in der „Neuen Zürcher Zeitung": „Vom Wasser erzählt von Düffel so rhythmisch, so alliterationsselig, so elementar, so flüssig und rauschhaft, dass die Grenze überschritten wird, die Sprache von Natur trennt. In den besten Passagen dieses Buches wird das flüssige Element nicht beschrieben, es lässt schreiben, und Erzählströme fließen." Wieland Freund setzt in „Focus" noch eins drauf: „Tatsächlich ist John von Düffel nicht allein ein begnadeter Stilist und großartiger Beobachter, er ist vor allem auch ein richtiger Erzähler. ,Geschichten‘, sagt er, ,sind das einzige, was die Leute interessiert.‘ und fügt hinzu: ,Wenn jemand eine Geschichte zu erzählen hat, dann hört man ihm zu.‘"Bereits im Sommer 1998 wurde ihm beim Ingeborg-Bachmann-Wettberb in Klagenfurt für das Kapitel „Fliegenfischen" der Ernst-Willner-Preis zuerkannt. Die „aspekte"-Redaktion des ZDF fand, daß „der Roman seine Leser mit turbulenten Variationen des literarischen Wassermotivs in einen beispiellosen Sog zieht." und vergab im Herbst 1998 den „Aspekte – Literaturpreis" an John von Düffel. Es folgte der in Hamburg verliehene, nach der Unternehmergattin Mara Cassens benannte Literaturpreis sowie der Literaturpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung. Auch in seinem zweiten Roman erweist sich John von Düffel als origineller Erfinder von Erzähl- und Handlungszusammenhängen. Dem Versuch jedenfalls, den überwältigenden Erfolg des Erstlings mit einem zweiten Aufguss zu erneuern, hat er gründlich widerstanden. Für Wilfried F. Schoeller („Der Tagesspiegel") setzt der Roman „zwei Kopfmonologe über Beziehungsverluste und Verstörungen gegeneinander und entwickelt sie mit solcher Konsequenz, dass daraus ein Bild klinischer Beschädigung entsteht". Claudia Ihlefeld („Heilbronner Stimme") rühmt „Düffels Einblicke in die Innenwelten seiner traurigen Helden" als „seismographisch dichte Porträts – als ob man direkt dabei stünde". Was für sie „die Faszination dieser sympathisch-traurigen Nabelschau ausmacht: Ein Schattenboxen ohne Sieger und Verlierer, dafür mit ausreichend Projektionsfläche für die eigenen Erfahrungen." Das Thema „Identität" lässt von Düffel auch in seinem dritten Roman „Ego" nicht los. Im Mittelpunkt steht der Unternehmensberater Philipp, der nicht nur einen schicken, im Trend liegenden Beruf hat, sondern sich und sein Leben auch in diese Richtung zu stilisieren versucht: Jeden Morgen misst er vor dem Spiegel seine Bauchnabeltiefe, jeden Abend modelliert er im Fitness-Studio seinen Muskelpanzer. „Von Düffel erzeugt einen faszinierenden Sog einer Sprache im Ich-Rausch. Die am besten trainierte Körperregion des Erzählers ist das Sprachzentrum. Ego gehört zum seltenen Genre einer rundum gelungenen Gesellschafts-Komödie." (Frankfurter Rundschau) -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Auszug aus Houwelandt von John von Düffel. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Jorge
Die Insel vor ihm hatte die Farbe des Sandsteins, den man hier brach. Das Land in seinem Rücken entließ seine Hügel ins Licht. Es war eine buckelnde Herde, die vor der aufsteigenden Sonne davonkroch, spärliche Haine, gewundene Terrassen, Gärten aus Geröll. Auf den Spuren der Dämmerung wanderten Schatten wie dunkle Wolken über das Land. Doch der Morgen im Sommer war kurz, und sobald die Sonne steil stand, würde sich nichts mehr rühren. Jorge de Houwelandt watete bis zu den Hüften in den Uferwellen und rieb sich eine Handvoll Wasser ins Gesicht. Das Meer schmeckte nach Schlaf. Ohne die Augen zu öffnen, legte er das Kinn auf die Brust, streckte die Arme aus und tauchte ein.Mit angehaltenem Atem schwamm er ein paar Züge unter Wasser, in seinen Ohren das Rollen der Kiesel und Steine in der sanften Dünung. Er wußte, daß Esther ihm vom Strand aus zusah, daß sie die schiefergraue Oberfläche nach seinem Kopf absuchte und darauf wartete, ihn zwischen den Wellen wiederauftauchen zu sehen, die sich zu dieser frühen Stunde noch nicht brachen, sondern an Land huschten wie Tiere unter einem Tuch. Er brauchte nicht zu atmen. Er verspürte keinen Drang nach Luft. Was er brauchte, war das Meer. Er konnte die Feier noch immer absagen. Er war das Familienoberhaupt. Wenn er nicht wollte, würde sein Geburtstag nicht stattfinden, alle würden bleiben, wo sie waren. Er, Jorge, brauchte kein Fest. Die kleine Bucht warf einen Schattensaum über das allmählich erwachende Meer. Nur auf der Insel lag schon Licht. Es fing sich in den Klippen und verlieh dem Sandstein für Augenblicke die Farbe von gebrannten Ziegeln. Jorge glitt schwerelos durch die anschmiegsame, zudringliche Frische der flüssigen Welt und betrachtete die rundgewaschenen Steine und Muscheln unter sich. Ein, zwei Züge noch, dann erreichte er die Felder von Seegras und totem Tang. Danach kam nur noch Tiefe und sich selbst überschattendes Blau. Jorge dachte nicht daran aufzutauchen. Er wußte, daß Esther ihn beobachtete. Für einen Moment war es, als könnte er hören, wie sie von einem Fuß auf den anderen trat und der Steinstrand unter ihren Sandalen knirschte. Er sah ihr zum Meer gewandtes Gesicht und die Strähnen ihres noch immer dichten Haars im auflandigen Wind. Sie würde nicht nach ihm rufen, obwohl ihr sein Name auf den Lippen lag, Esther würde die Luft anhalten, als wären ihre und seine Lungen eins. Doch er vermißte nichts. Er hatte sie hinter sich gelassen wie alles an Land. Das Wasser war flüssiges Glas, farblos vor Frühe. Durch die Tanggärten strich schon der Herbst. Jorge tauchte zwischen zwei algenverhangenen Bojen hindurch, die den Schwimmbereich markierten. Der Gedanke an Sauerstoff durchzuckte ihn, doch es war nur ein Reflex wie vor dem Einschlafen – schon vorbei. All seine Sinne richteten sich auf das bodenlose Blau, das sich unter ihm auftat, und die hinaufdrängende Tiefe. Sie hatte ein so weiches Fell. Jorge war überwältigt von dem Gefühl des Entronnenseins auf der Haut. Wie jeden Morgen. Hinter einem Fischerboot mit eingezogenem Motor durchbrach er die Oberfläche. Das Tier, das ihn trug, hatte den Rücken krumm gemacht und ihn in die Höhe gehoben. Jorge schnappte nicht nach Luft, sie strömte in ihn ein. Er war vollkommen ruhig. Es würde keinen Geburtstag geben, und erst recht nicht, wenn es, wie Esther betonte, sein achtzigster war. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
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