Aus der Amazon.de-Redaktion
Inzwischen sind die Familienmitglieder in alle salzigen Winde zerstreut und fristen ihr Inseldasein unabhängig voneinander, umbraust von Gleichgültigkeit. Trotzdem plant Esther, die Houwelands zum 80. Geburtstag ihres Mannes wieder zusammenzuführen. Im Zuge der Vorbereitungen treiben verdrängte Erinnerungen wieder an die Oberfläche. Was seicht begann, weitet sich zur Schicksalswelle...
Berühmt wurde John von Düffel 1998 mit seinem Debütroman Vom Wasser. Seitdem ist er aufs Feuchte abonniert (Wasser und andere Welten, 2002). Bei Houwelandt ist das bis in die Metaphorik spürbar. Der Geschichte tut das keinen Abbruch, im Gegenteil: Denn der Roman hat kaum verwässerte Stellen, sondern ist ein überaus lesenswertes, atmosphärisch dichtes Psychogramm. -- Stefan Kellerer -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
Pressestimmen
Emotionen 10/2007
»Ein feinsinniger, zu empfehlender Roman ist ›Houwelandt‹ aus der Feder von John von Düffel, der die Geschichte der gleichnamigen Familie erzählt. Dominiert wird diese vom gefühlskalten, schroffen Vater Jorge, dessen subtile Erziehungsmethoden bis in die dritte Generation fortwirken. Selbst die, die sich aus den Fängen der Familie befreit glauben, werden in ihren eigenen Beziehungen immer wieder davon eingeholt. Mit großem Geschick und mit einer gelegentlich verstörenden Beiläufigkeit, schildert von Düffel, warum die Mitglieder Houwelandts so sind, wie sie sind – und schafft es letztlich doch, ein versöhnliches Ende zu finden.«
IHK Wirtschaft November 2007
»John von Düffel zeichnet in ›Houwelandt‹ das Bild einer zutiefst verstörten Familie, ohne deren Mitglieder – eine oft bemühte Formulierung, aber auch in diesem Fall angebracht – zu denunzieren. Der Leser fühlt mit und sich in die Personen ein: egal aus wessen Sicht gerade erzählt wird. Jeder Charakter ist stimmig, die Handlungen auch.«
Die Rheinpfalz 14.08.2007
»Von Düffel entfaltet die komplexe Geschichte der de Houwelandts über drei Generationen leise, subtil, mit psychologischem Feingefühl.«
Tobias Haberl, Der Spiegel Special
»Vielleicht kann man nach der Lektüre dieses glänzend geschriebenen Buchs das nächste Familientreffen mit anderen Augen betrachten.«
Silja Ukena, Die Zeit
»Der Roman entwickelt eine Tiefe, die gerade aufgrund der relativen Banalität der Ereignisse ihre Wirkung entfaltet. John von Düffel gelingt es, in jedem seiner Protagonisten eine eigene Ahnung der unendlich komplexen Verschränkungen zwischen den Generationen einer Familie aufscheinen zu lassen.«
Felicitas von Lovenberg, Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Eine eindrückliche und eigenwillige, über drei Generationen angelegte Rekonstruktion einer Suche nach Geschichte.«
Nina Toepfer, NZZ am Sonntag
»Wer wissen will, wie literarisches Schreiben in der Mediengesellschaft funktioniert, für den ist ›Houwelandt‹ Pflicht.«
Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Der Roman entwickelt eine Tiefe, die gerade aufgrund der relativen Banalität der Ereignisse ihre Wirkung entfaltet. John von Düffel gelingt es, in jedem seiner Protagonisten eine eigene Ahnung der unendlich komplexen Verschränkungen zwischen den Generationen einer Familie aufscheinen zu lassen.«
Felicitas von Lovenberg, FAZ
»Eine eindrückliche und eigenwillige, über drei Generationen angelegte Rekonstruktion einer Suche nach Geschichte.«
Nina Toepfer, NZZ am Sonntag
»Wer wissen will, wie literarisches Schreiben in der Mediengesellschaft funktioniert, für den ist ›Houwelandt‹ Pflicht.«
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Kurzbeschreibung
Das Elternhaus verwaltet sein Sohn Thomas, der sich als gescheiterte Existenz empfindet und am väterlichen Starrsinn zu zerbrechen droht. Sein einziger Sohn Christian wiederum hat den Großvater kaum je gesehen und möchte allen familiären Verstrickungen und Verlogenheiten am liebsten aus dem Weg gehen. Doch Jorges Ehefrau Esther plant eine große Geburtstagsfeier für ihn, in Deutschland, um die versprengte Familie endlich einmal zusammenzubringen. Je näher das Fest rückt, desto unausweichlicher sieht sich jeder der Houwelandts mit der Vergangenheit konfrontiert - der eigenen und der der Familie.
Über den Autor
Auszug aus Houwelandt von John von Düffel. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Die Insel vor ihm hatte die Farbe des Sandsteins, den man hier brach. Das Land in seinem Rücken entließ seine Hügel ins Licht. Es war eine buckelnde Herde, die vor der aufsteigenden Sonne davonkroch, spärliche Haine, gewundene Terrassen, Gärten aus Geröll. Auf den Spuren der Dämmerung wanderten Schatten wie dunkle Wolken über das Land. Doch der Morgen im Sommer war kurz, und sobald die Sonne steil stand, würde sich nichts mehr rühren. Jorge de Houwelandt watete bis zu den Hüften in den Uferwellen und rieb sich eine Handvoll Wasser ins Gesicht. Das Meer schmeckte nach Schlaf. Ohne die Augen zu öffnen, legte er das Kinn auf die Brust, streckte die Arme aus und tauchte ein.Mit angehaltenem Atem schwamm er ein paar Züge unter Wasser, in seinen Ohren das Rollen der Kiesel und Steine in der sanften Dünung. Er wußte, daß Esther ihm vom Strand aus zusah, daß sie die schiefergraue Oberfläche nach seinem Kopf absuchte und darauf wartete, ihn zwischen den Wellen wiederauftauchen zu sehen, die sich zu dieser frühen Stunde noch nicht brachen, sondern an Land huschten wie Tiere unter einem Tuch. Er brauchte nicht zu atmen. Er verspürte keinen Drang nach Luft. Was er brauchte, war das Meer. Er konnte die Feier noch immer absagen. Er war das Familienoberhaupt. Wenn er nicht wollte, würde sein Geburtstag nicht stattfinden, alle würden bleiben, wo sie waren. Er, Jorge, brauchte kein Fest. Die kleine Bucht warf einen Schattensaum über das allmählich erwachende Meer. Nur auf der Insel lag schon Licht. Es fing sich in den Klippen und verlieh dem Sandstein für Augenblicke die Farbe von gebrannten Ziegeln. Jorge glitt schwerelos durch die anschmiegsame, zudringliche Frische der flüssigen Welt und betrachtete die rundgewaschenen Steine und Muscheln unter sich. Ein, zwei Züge noch, dann erreichte er die Felder von Seegras und totem Tang. Danach kam nur noch Tiefe und sich selbst überschattendes Blau. Jorge dachte nicht daran aufzutauchen. Er wußte, daß Esther ihn beobachtete. Für einen Moment war es, als könnte er hören, wie sie von einem Fuß auf den anderen trat und der Steinstrand unter ihren Sandalen knirschte. Er sah ihr zum Meer gewandtes Gesicht und die Strähnen ihres noch immer dichten Haars im auflandigen Wind. Sie würde nicht nach ihm rufen, obwohl ihr sein Name auf den Lippen lag, Esther würde die Luft anhalten, als wären ihre und seine Lungen eins. Doch er vermißte nichts. Er hatte sie hinter sich gelassen wie alles an Land. Das Wasser war flüssiges Glas, farblos vor Frühe. Durch die Tanggärten strich schon der Herbst. Jorge tauchte zwischen zwei algenverhangenen Bojen hindurch, die den Schwimmbereich markierten. Der Gedanke an Sauerstoff durchzuckte ihn, doch es war nur ein Reflex wie vor dem Einschlafen schon vorbei. All seine Sinne richteten sich auf das bodenlose Blau, das sich unter ihm auftat, und die hinaufdrängende Tiefe. Sie hatte ein so weiches Fell. Jorge war überwältigt von dem Gefühl des Entronnenseins auf der Haut. Wie jeden Morgen. Hinter einem Fischerboot mit eingezogenem Motor durchbrach er die Oberfläche. Das Tier, das ihn trug, hatte den Rücken krumm gemacht und ihn in die Höhe gehoben. Jorge schnappte nicht nach Luft, sie strömte in ihn ein. Er war vollkommen ruhig. Es würde keinen Geburtstag geben, und erst recht nicht, wenn es, wie Esther betonte, sein achtzigster war. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .