Der 6. Band der House of Night-Reihe knüpft nahtlos an seinen Vorgänger "Ungezähmt" an und beginnt abermals Ende Dezember, wobei das winterlich-dunkle Tulsa vorwiegend als Schauplatz dient und eine dunkle Atmosphäre mitbringt.
ZUM INHALT:
Zoey und ihre Freunde haben es geschafft, Hohepriesterin Neferet und ihren unsterblichen Gefährten Kalona aus dem winterlichen Tulsa zu vertreiben und schön langsam kehrt etwas Ruhe in das Benediktinerkloster (Schauplatz des Kampfes und derzeitiger Aufenthaltsort der Truppe) ein. Beim Beseitigen der toten Rabenspötter (die Söhne Kalonas) findet Stevie Rae den verletzten Rabenspötter Rephaim, den sie aus unerfindlichen Gründen (denn eigentlich sind die Rabenspötter durch und durch böse) im Gartenhaus versteckt und aufpäppelt. Und was genau in den unterirdischen Tunneln lauert, verschweigert Stevie Rae ihrer besten Freundin Zoey ebenfalls , die jedoch mit ihren eigenen Problemen beschäftigt ist. Denn neben einer Prägung mit ihrem menschlichen Freund Heath pflegt sie eine Beziehung zum Vampyr Erik und ist stark an ihren persönlichen Krieger Stark gebunden. Und dann möchte die zukünftige Hohepriesterin auch noch ins Vampyrinternat zurück kehren...
MEINE MEINUNG:
Auch diesmal überzeugt mich die Hauptperson Zoey Redbird nicht ganz. Noch immer kann sich die 17-jährige nicht zwischen mehreren männlichen Wesen entscheiden und das nervt inzwischen schon gewaltig. Diese Unschlüssigkeit kann ich mit der starken zukünftigen Hohepriesterin, die die Welt vor dem Bösen retten soll, nicht wirklich in Einklang bringen... Dagegen habe ich Aphrodite ins Herz geschlossen. Ihre bemerkenswerte Wandlung von der Zicke zur netten Person ist den Autorinnen sehr gut gelungen. Im 6. Band wird Zoeys Freunden wieder eine größere Rolle zuteil, was mir sehr gut gefällt. Neben den bewährten Nebencharakteren erfahren wir abermals mehr über die roten Jungvampyre und ihre Fähigkeiten.
Insgesamt wirken die jugendlichen Protagonisten erwachsener als in den ersten Bänden, obwohl ich vor allem Zoeys Handlungen manchmal nicht ganz nachvollziehen kann. Die reizvollen Protagonisten wurden abermals facettenreich ausgearbeitet. "Versucht" startet allerdings nicht ganz so rasant wie seine Vorgänger, baut dann aber im Handlungsverlauf Spannung auf und erfreut die Leser mit rasanten Szenarien und überraschenden Wendungen. Allerdings gibt es noch immer einige unnötige Längen und den obligatorischen Cliffhanger am Romanende.
Dieses Mal berichtet nicht nur Ich-Erzählerin Zoey über die Geschehnisse, sondern auch Stevie Rae und ein paar Nebenfiguren, wie z.B. Stark, Heath, Aphrodite und Rephaim schildern die ereignisreichen Begebenheiten aus ihrer Sicht (in der 3. Person), wobei allerdings Zoey und Stevie Rae den Großteil erzählen. Durch die wechselnden Perspektiven und die verschiedenen Handlungssträngen wirkt die Story abwechslungsreich und unterhaltsam. Die Schreibweise von P.C. und Kristin Cast finde ich nach wie vor spannungsgeladen und flüssig. Außerdem hat sich die plumpe Umgangssprache gottseidank etwas gebessert und nun gehen mir nur noch die unzähligen "Oh Göttin" und "Oh Himmel", sowie verschiedene Dialoge, auf den Geist. ;-)
FAZIT:
"Versucht" ist nicht der beste Band der House of Night-Reihe, bietet aber dennoch unterhaltsame Lesestunden. Da mich allerdings die Hauptperson Zoey teilweise gewaltig genervt hat und die Handlung etwas zu ausführlich geraten ist, vergebe ich für den 6. Band 4 STERNE.