Ich habe mir nun Monate nach dem Verschwinden des Films aus den Kinosaelen "The Hours" nun schon zum 3. oder 4. Male auf DVD angesehen und er schafft es immer noch, mich zu bewegen.
Allen, die diesen Film noch nicht oder in nur auf Deutsch gesehen haben, moechte ich ans Herz legen, ihn im O-Ton zu sehen. Himmelweiter unterschied. Und groesstenteils ist das English durchaus gut verstaendlich. Ansonsten sind die Untertitel so gut gemacht, dass man ohne Probleme mitlesen kann.
Die Preise, die der Film gewonnen hat, sind meiner Meinung nach mehr als verdient, es ist sogar unverstaendlich, warum er bei der Oscar-Verleihung nur eine Auszeichnung erhalten hat und da haette man ihn dann schon Juliana Moore verleihen sollen, denn fuer mich lieferte sie die beste Darstellung bei an sich hervorragender Darstellung der anderen Schauspieler. Einzig Maryl Streep finde ich nach nun drei- oder viermaligem Ansehen als ein bisschen zu manieristisch, aber ohne dass es zu sehr stoert.
Hervorragend Nicole Kidman in der Rolle der anorexisch-nervoesen Virginia Woolfe, mit falscher Nase, was den Charakter der Rolle noch herausstreicht (Nicole Kidmans eigene Nase haette dazu wohl weniger gepasst). Wie die Schriftstellerin am starren, beschaulichen Leben im laendlichen Richmond erstickt und sie sich nach dem lebhaften, quirrligen Leben in London sehnt, verzweifelt, dass Aerzte ihr Leben bestimmen und ihr Mann sie durch seine Liebe erdrueckt.
Die Streep in der Rolle von Clarissa Vaughan (hab ich das jetzt richtig geschrieben??) in der Jetzt-Zeit, die eine Party fuer ihre Lebensliebe Richard gibt, welcher totkrank ist. Clarissa hat ihr Leben fuer Richard und dessen Pflege aufgegeben, lebt am eigenen Leben vorbei und wird sich erst an diesem einen Tag wirklich dessen bewusst.
Fuer mich aber herausragend: Juliana Moore, als eine Frau aus den 50er Jahren, die gemaess gesellschaftlicher Konventionen in einem Familienleben eingesperrt ist, aus dem sie ausbrechen moechte, und es schliesslich auch tut. Unlgaublich dargestellt die innere Zerrissenheit zwischen dem Zwang, den Schein der heilen Familie aufrechtzuerhalten und dem eigenen Ueberlebenswillen. Fuer mich die staerksten Szenen, die einem das Herz zusammenziehen lassen.
Zum Soundtrack braucht man nichts sagen, er ist wirklich klasse und genuegend zurueckhaltend und trotzdem tragend, um die Szenen zu unterstreichen und nicht zuzustreichen.
Wenn ich nicht wuesste, dass er von einem Mann in Szene gesetzt wurde, haette ich gesagt, das kann nur eine Frau gemacht haben. Ich habe selten einen Film gesehen, der sich derart einfuehlsam mit einem Thema beschaeftigt, das besonders Frauen ansprechen duerfte (eben der Zwiespalt sich fuer die Familie, die Kinder aufopfern, sich einfuegen oder sich selbst verwirklichen, ausbrechen, eigene Wege gehen). Dabei kommt dem Film gerade seine Ruhe und die Zurueckhaltung beim Erzaehlen der Geschichte zugute.
Sehr schoen auch die Bilder (diese Farben!) und die Kamerafuehrung.
Sicher werde ich ihn mir noch ein paar Mal ansehen und immer wieder neue Bilder und Momente, die die drei Zeitstraenge miteinander verbinden, entdecken.
Trotz aller Melancholie und der zugegebenermassen vorherrschenden depressiven Stimmung endet der Film doch optimistisch mit der Aussage, dass es immer einen Ausweg gibt und: take the life for what it is, love for the life for what it is and then to put it away ...