„Hourglass" ist James Taylors erstes Studioalbum seit „New Moon Shine", für das er sich sechs lange Jahre Zeit ließ. Und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen, denn die Platte wurde eine seiner erfolgreichsten überhaupt und besticht durch anmutige Eleganz, hervorragende Texte und brillante Musik. JT hatte 1997 eine harte, ereignisreiche Zeit hinter sich, denn sein Bruder Alex, sein Vater, sein Freund und Musikerkollege Don Grolnick starben und er trennte sich von seiner zweiten Frau Kathryn Walker. So sind die Texte der wunderbar melodischen Songs wieder sehr persönlich gehalten, handeln von Liebe, Familie und sozialen Aktivitäten. „Line 'Em Up" setzt sich ironisch mit dem arrogantem Abgang Richard Nixons 1974 und einer Massenhochzeit im Madison Square Garden auseinander. Das intensive „Enough To Be On Your Way" ist ein Tribut für seinen Bruder Alex („Alice"), der an übermäßigem Alkoholkonsum genau an JTs Geburtstag starb („Same day I was born"). Weitere Highlights sind sicher das umwerfend gute „Gaia", das beschwingte „Jump Up Behind Me" mit Sting als Background-Sänger, die Ballade „Another Day" und „Boatman", einer Coverversion eines Livingston-Taylor-Songs. Man sollte übrigens den 13. Song „Hangnail" (Hidden Track) beim Hören nicht vergessen. Musikalische Unterstützung fand James Taylor u.a. bei Yo-Yo Ma, Mark O' Connor, Edgar Meyer, Stevie Wonder, Branford Marsalis, Michael Brecker, Shawn Colvin, seiner großartigen Stammband sowie Produzenten und Ingenieur Frank Filipetti. „Hourglass" gewann zwei Grammys für „Pop Album Of The Year" und „Best Engineered Album", zu denen ich ihm - Welche Ehre! - während seiner Europatournee 1998 persönlich gratulieren konnte.