Aus der Amazon.de-Redaktion
Produktbeschreibung
Es gibt nur wenige Berufe, die einen Menschen dazu zwingen, dem Lauf der Zeit so entschlossen ins Auge zu blicken wie der glorreiche und zugleich etwas suspekte Beruf des Rockstars. Und genau das ist es, was den Titel von Dave Gahans zweitem Soloalbum Hourglass (Mute/Virgin Records) umso prägnanter macht. Dabei wäre dem weithin geschätzten Depeche Mode-Frontmann beinahe selbst die Zeit ausgegangen. Inmitten einer tragischen und verständlicherweise umfangreich dokumentierten Phase der Dekadenz und Selbstzerstörung kurz vor Beginn des neuen Jahrtausends hörte Gahans Herz buchstäblich auf zu schlagen -- Ergebnis einer Überdosis in einem Hotelzimmer in Los Angeles. Bekanntlich überlebte er, bekam eine zweite Chance und machte sich entschlossen daran, dem Rest seiner Tage Bedeutung zu verleihen -- auf eine Weise, wie er es seit sehr langer Zeit nicht mehr getan hatte.
Und so überrascht es vielleicht nicht, dass er diesen Punkt erreicht und eine Platte aufgenommen hat, die ein paar Schichten RocknRoll-Mythologie ablegt und das verletzliche, fehlbare Fleisch und Blut des Menschen darunter bloßlegt. Die sanft-spöttischen Selbstreflexionen seines Solodebüts Paper Monsters gehören der Vergangenheit an. An ihre Stelle ist eine erstaunlich nüchterne und ehrliche Suche nach einer tieferen Bedeutung hinter dem Chaos unseres Erdendaseins getreten. Seltsamerweise ist Gahan davon überzeugt, dass er die Stärke, sich in seinen Texten dermaßen schonungslos zu offenbaren, dem Einfluss seines langjährigen Bandkollegen und Hauptsongwriters Martin Gore verdankt.
Gahan dazu: Das habe ich im Laufe der Jahre von Martin gelernt, der nicht gerade zu den entgegenkommendsten Menschen zählt, wenn es darum geht, eine zwischenmenschliche Beziehung einzugehen. Aber ich habe ihn durch seine Songs kennen gelernt. In seinen Texten öffnet er sich, und dazu gehört viel Mut.
Anstelle einer Sammlung von hochstilisierten und glatt produzierten Songs scheint die Musik auf Hourglass eine direkte Fortsetzung der ganz speziellen Emotionen zu sein, die Gahan auszudrücken versucht. Das Ergebnis ist sehr direkt und alles andere als zweideutig. So beginnt das Album sehr ruhig mit dem beinahe unwirklich schönen, gospel-gefärbten Saw Something, Gahans schmerzvolle Stimme vermittelt eine fast schon unheimliche Zurückhaltung sobald es darum geht, sich seines Glücks sicher zu fühlen -- aus lauter Angst, dass es plötzlich zu Ende sein könnte.