Der noch heute sprichwörtliche Superstar aller Entfesslungskünstler hat sich die verrücktesten, vermeintlich unmöglichsten Stunts ausgedacht. In diesem Sinne haben sich die Macher dieses kleinen Comics etwas vorgenommen: Das ganze Wesen Houdinis in eine Nussschale zu zwängen.
Das Kunststück gelingt. Locker, souverän, ohne Atmennot, höchst lebendig. Der schwarz-weiß-bläuliche Comic kann mit der Stoppuhr in der freien Hand gelesen werden: Man legt ihn so schnell ausgelesen beiseite wie Houdini seine Schlösser. Und man ist inspiriert, klüger, verständiger. Ein scheinbar leichtfüßiges, doch durchdachtes Vergnügen. Am Konzept und im Detail zeigt sich: Autor und Zeichner haben ihren Houdini so gut studiert und ihre Kunst so gut im Griff, wie Houdini die Handschellen.
Wie die Vorredner schon richtig festgestellt haben: Das Büchlein nimmt sich einer Episode aus dem Wirken Houdinis an. Fakten und Fiktion geben sich die Hand, wenn dieser eine Tag erzählt wird. Doch auch das Erfundene ist nicht erlogen, sondern entspringt dem Verständnis für Houdini, seiner Zeit, seiner Philosophie und seinem Leben. Ein Missverständnis habe ich bei den bisherigen Rezensenten aber ausgemacht: Nein, der gezeigte Trick Houdinis wird nicht erklärt - jedenfalls nicht mit absoluter Sicherheit. Es handelt sich nur um eine "gelehrige Vermutung".
Hingegen ist mir wie anderen sofort das reichhaltige Vorwort aufgefallen: Dieser Prolog erzählt genauso viel über Houdini, wie der eigentliche Comic - in der gefühlt gleichen Lesezeit. Mit den ergänzenden Anmerkungen am Ende des Bandes ergibt sich auch damit eine Struktur, die seinem Thema perfekt angemessen scheint: Ankündigung (lang, spannend, verheißungsvoll) - Hauptattraktion (wieder mit spannungsreichen Aufbau und Höhepunkt) - Nachbesprechung (das Erlebte im Kontext einordnen...).
Ein rundes, stimmiges, gelungenes Werk. Klug und schlank. Nur der Eintrittspreis von 12,- Euro scheint mir dick aufgetragen, drum fällt es mir schwer, alle Sterne rauszurücken. Sagen wir, 4 1/2. Und vielen Dank.