Aus der Amazon.de-Redaktion
Am Anfang, ein Zaubertrick. Der Profi-Magier Red Brandon sitzt mit Freunden in einem Oxforder Pub beim Bier, ihm gegenüber ein hübsches schwarzlockiges Mädchen, das ihn allerdings kaum beachtet. Nun, was könnte da besser funktionieren, als die Sache mit den Wundmalen...
Ein Jahr später, nach einer ziemlich turbulenten Beziehung zur dieser ewig rotzigen, ewig - in souveräner Übersetzung! - "Schoiße"-sagenden Irin namens Rosa, ist das Mädchen tot - aus einem Zug gefallen. Oder gestoßen worden? Red nimmt die Spur auf. Im Amsterdamer Rotlichtmilieu erfährt er die Wahrheit über sein Houdini Girl, das er über alles liebt, und muss erkennen, dass sie ihn getäuscht hat. Ihn, den großen Illusionisten, der nichts so klar durchschaut wie die Mechanismen der Täuschung.
Als Kriminalgeschichte ist Martyn Bedfords zweiter Roman sicher kein Meisterstück, obwohl sich der Großteil des Genres von seinem Talent zur Charakterzeichnung ein Stück abschneiden könnte. Houdini Girl ist eher eine subtile Betrachtung über das Wesen der Einbildung, der Vorspiegelung, des Scheins, und sei es dem der Liebe, und ebenso eine philosophische Reflexion über den Beruf des Magiers. Einmal sagt Red: "Ich denke folgendes: Sowohl der Lügner als auch der Zauberer haben das Ziel zu täuschen, doch nur der Lügner ist darauf angewiesen, dass man ihm glaubt. Der Zauberer verbirgt lediglich die Methode seiner Täuschung. Für den Lügner ist das nie genug - er muss die Tatsache selbst verbergen." An solchen Sätzen bleibt man hängen. Ein schönes, dichtes Buch, atmosphärisch nicht weit von William Boyds Bestseller Armadillo - kein Whodunnit-Krimi also, sondern die bisweilen elegische Gedankenwelt eines Menschen, der ziemlich unschönen Verhältnissen auf den Grund geht. --Nikolaus Stemmer
The Times
" Interessant, nervenaufreibend, kühn, ungewöhnlich, nie selbstgefällig und immer intelligent."