Cesar Valentine (Peter O' Toole) ist ein umjubelter Schauspielstar der 1960er Jahre. Brian Smith (Colin Firth) ist der Mann dessen Manuskript er für seine Autobiographie gestohlen hat. Als er nicht auf Brians Versuche ihn zur Rede zu stellen reagiert erschießt dieser ihn auf dem roten Teppich eines Filmfestivals. Sie treffen sich wieder in einer mediterranen Ferienanlage, die durchgehend von bekannten, bereits verstorbenen Personen bewohnt wird. Die, die noch immer hohes Ansehen unter den Lebenden genießen leben in Luxus, doch je mehr sie in Vergessenheit geraten, umso ärmlicher werden auch die Behausungen, am Ende steht die große Leere. Valentine muss sich nicht nur an seinen Attentäter gewöhnen, dessen Schicksal unweigerlich mit seinem verbunden ist, sondern sich auch mit der Tatsache abfinden, dass sein Ruhm auf Erden nicht so unvergänglich war, wie er gedacht hatte. Brians Interesse gilt der geheimnisvolle Sängerin Bianca und der Frage, ob es möglich ist sich im Leben nach dem Tod zu verlieben.
Wings of Fame, so der Originaltitel, ist ein ungewöhnlicher Film. Filme, die über den Tod, Jenseits und die Vergänglichkeit der Dinge erzählen wollen machen das heute meisten in der Form einer schwarzen Komödie oder eines von Andeutungen schwangeren Arthausfilms. Oder, das ist die schlimme Variante, mit einem sentimental aufgeladenen Biopic mit moralisch rügendem Zeigefinger.
Wings of Fame bedient sich Elementen, der beiden erstgenannten und ist doch keines davon. So fügt sich die Figur der Bianca (wie schön Trintignant doch war') in ihrer verwirrten, verführerischen Undurchschaubarkeit ebenso in das kunstfilmgerechte Bild wie die Ausstattung des Hotels, das immer zwischen Bahnhofshalle und dekadentem Sommerdomizil schwankt. Otakar Votocek versteht es allein durch die Inszenierung eines vollen oder eines leeren Pools komplett unterschiedliche Stimmungen zu erzeugen.
Gleichzeitig hält er den Spannungsbogen während er seine Hauptfiguren den Sinn ihres Daseins überdenken lässt. Es werden natürlich unvermeidlich religiöse Themen angeschnitten, aber auch hier weicht man von konventionellen Bahnen ab. Votocek erklärt nicht; wie der, anfangs als etwas klischeebehafteter eingeführte Charakter der Erika Frisch bemerkt: Es könnte genauso gut die Hölle sein. Das Hotel ist weder gut noch böse, es richtet sich viel mehr nach den Bedürfnissen der Bewohner, die in ihrer totalen Angst vor dem großen Vergessen noch immer großes Amüsement in der Demütigung ihrer Nachbarn finden, was in der schrillen Spiele Show am Ende gipfelt.
Es ist kein schönes, aber gut beobachtetes Portrait einer Gesellschaft, der Anerkennung und Berühmtheit wichtiger ist als Leben.
Aufgelockert wird das ganze jedoch einerseits durch die auch sehr drolligen Gestalten, wie die deutsche Terroristengruppe und Lassie, die auch ihren Platz auf der Insel gefunden haben. Oder durch subtileren Humor, wie zum Beispiel niemand auch nur scheint daran gedacht zu haben, Einsteins Anwesenheit anzuzweifeln und die tragikkomische Figur des kommunistischen Dichters der posthum zu Weltruhm gelangte sich aber beharrlich weigert in ein luxuriöseres Zimmer zu ziehen.
Andererseits trägt auch O'Toole als alternder Filmstar, der nicht nur das britische Kino mit sichtlicher Freude hinterfragt, sondern auch das eigene Image, viel zum Charme des Films bei. Firth, den man anfangs unter der Föhnfrisur und in schlecht gekleideter Jugend nicht leicht als den späteren Frauenschwarm erkennt, bietet mit seiner überzeugenden Darstellung des ehrlichen, realistischen und im Herzen trotzdem freundlichen Brian eine ideale Identifikationsfigur für den Zuseher.
Das unerwartete Ende bekräftigt mich nur mehr darin, diesen Film wärmstens weiter zu empfehlen.
Allerdings muss ich darauf aufmerksam machen, dass die DVD Mängel aufzuweisen hat: In den ersten zehn Minuten des Films und auch in manchen späteren Szenen, passen Ton und Bildspur (in der Originalsprache logischerweise) nicht völlig zusammen, was etwas irritierend sein kann.