Welt am Sonntag, 1.10.2006
Ganz leichten Fußes führt Alexander Wall den Leser durch sein wohlig müffelndes und erschreckend lebendiges Panoptikum, in dem wenig Platz für Großzügigkeit und lange Kreditlinien bleibt: Abrechnungstag ist hier täglich.
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welt.de, 27.10.06
Auf der Auswahlliste der 25 wichtigsten Herbst-Neuerscheinungen 2006
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Kurzbeschreibung
Die Kneipe wird hier zum Mikrokosmos der Welt. Bevölkert von skurrilen Gestalten und einem Besitzer, dessen Improvisation alle Fäden zusammenhält. Ein Café in einer norddeutschen Großstadt. Doch es handelt sich nicht um ein gewöhnliches Café, in dem Schüler vormittags ihre Stunden schwänzen. Inmitten des Rotlichtmilieus gelegen, zieht es all die enthemmten, verrückten und manchmal auch gefährlichen Gestalten aus der Nachbarschaft an. Sie greifen in das Leben des Betreibers ein, als ob es ihr eigenes wäre. Der Café-Alltag wird bestimmt von ersten Gehversuchen organisationsunfähiger Köche, spontanen 1950er-Jahre-Musikveranstaltungen unterm Lampenschirm, kleinen und größeren Betrügereien und natürlich einer unglücklichen Liebe. Caspar, der Besitzer und Erzähler, begegnet dem mit viel Alkohol, gelegentlich anderen Drogen, einer ordentlichen Portion Schnodderigkeit und gelassener Nachsicht. Walls Roman erzählt von Gescheiterten und Gestrandeten, die gelernt haben, die Widrigkeiten des Lebens selbst dann noch zu meistern, wenn ihre Lage aussichtslos erscheint. “Hotel Monopol” ist direkter als andere Kneipenromane und häufig so schmutzig wie seine Umgebung. Mal witzig, mal erotisch, aber immer überraschend verlaufen die großen und kleinen Geschichten, die Alexander Wall zu einem großen, nicht mehr ganz fleckenlosen Teppich verwebt. Ein bemerkenswertes Debüt.
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Über den Autor
Alexander Wall, geboren 1964 in Norddeutschland: Vor der Wende arbeitete er tagsüber als Schaufenstergestalter in der Miederwäsche-Abteilung eines Kaufhauses und nachts als Türsteher vor Clubs und Diskotheken. Zu dieser Zeit erste Textarbeiten in verschiedenen Szeneblättern. Später einige Semester Theaterwissenschaften, danach Gastronom. Heute arbeitet er als Texter und Schriftsteller. Alexander Wall spielt Trompete, die Veröffentlichung einer CD mit "abstract music" ist in Planung.
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