Zenhtrales Thema des Buches ist die Frage nach der (echten) "Wahrheit"; dem echten Mörder. Trotzdem ist es kein einfaches schlichtes "Who-done-it?". Bjarne Reuter hat einen Kriminalroman geschrieben, durch dessen Tempo man bereits gefesselt wird. Ich habe selten ein Buch gelesen, daß sich derart schnell und flüssig lesen läßt, ohne daß man Satz für Satz neu lesen müßte, um dessen (möglicherweise) tiefergehenden Sinngehalt zu erfassen. Dies liegt sowohl an der stringenten und spannenden Story als auch an dem Erzählstil Reuters. Der Autor hat die (leider zu seltene) Gabe seine Geschichte auszubreiten und voranzutreiben, ohne in weitschweifige, banale und unwichtige Abschweifungen zu verfallen. Seine knappen, treffenden und pointierten Formulierungen verhelfen der Story zu einem großen Tempo, ohne jedoch die Atmosphäre oder die Charaktere zu vernachlässigen. Hierbei schafft Reuter es immerhin noch - wenn ich mich nicht verzählt habe - auf den knapp 382 Seiten sage und schreibe 10 (!) Leichen (inklusive eines Suizid) unterzubringen. Diese müssen bei der Suche von Kommissar Johan Klinger nach dem wahren (!) Mörder von Außenminister Albert Como auf der Strecke bleiben. Auf dieser "Reise" begleiten wir Klinger von Wahrheit zu Wahrheit von Verdacht zu Verdacht und von Komplott zu Komplott. Den Roten Faden bildet hierbei eine Lovestory, an dessen Entstehung und Entwicklung der Leser absolut unaufdringlich teilnimmt. Selbst nachdem man am Schluß die eigentliche Wahrheit erfahren hat, bleiben unterschwellig doch begründete Zweifel und man muß seinen "Antihelden" mit dieser Ungewißheit alleine lassen (das Buch ist zu Ende), obwohl man begierig eigentlich noch weiterlesen wollte und in Erfahrung bringen möchte, ob es das denn jetzt tatsächlich gewesen ist oder nicht. Reuter (respektive: Klinger) läßt seinen Leser mit etwas Wehmut und Ungewißheit zurück. Einfach spannend, unterhaltsam, rasant und schön!