Der heimliche Hauptdarsteller dieses Films ist das Haus Cumberland, ein - man kann es nicht anders sagen - mächtiger Gebäudekomplex aus der Kaiserzeit direkt am Kurfürstendammm in Berlin. Eine Art von Hotel mit Dauerwohnungen sollte dies einmal werden, aber schnell fand dieses Haus dann seine wahre Bestimmung als Behörde, mit klaustrophobisch langen Gängen und Zimmern, die ihre Bewohner ob ihrer Größe und Dunkelheit erschlagen.
Die Dreharbeiten in diesem Gebäude sind in einem ansonsten etwas zu langen Making-Of gut beschrieben. Man brauchte nicht viel zu verändern, um die Räume aus einer preußischen Behörde in einen anderen Ort des Schreckens zu verwandeln. Moskau sollen diese Räume im Film jetzt darstellen. Und zwar einen besonderen Ort, nämlich das Hotel Lux in den Jahren kurz vor dem Beginn des zweiten Weltkriegs. Dort wurden die europäischen Kommunisten einquartiert, die während der Jahre des Faschismus aus ganz Europa fliehen mussten. Dieses Hotel wurde allerdings zu einem Ort des Terrors, als Stalin vor allem zwischen 1936 und 1938 seine politischen Säuberungen durchführte. Viele der Bewohner des Hotel Lux begannen jeweils andere als politische Abweichler zu denunzieren. Nachts wurden diese dann abgeholt, sie verschwanden, man sprach nicht über sie und hörte nichts mehr von ihnen, und man lebte in der Angst, der nächste zu sein, dem dieses Schicksal widerfuhr.
In diese Atmosphäre des Schreckens gerät nun Bully Herbig. Er spielt einen Komiker, einen eigentlich apolitischen Menschen, den es durch einen Zufall hierher verschlagen hat, und der keinesfalls hierher gehört, der die merkwürdige Welt des Hotel Lux noch nicht einmal verstehen kann. Und Bully ist halt auch in diesem Film Bully, er macht halt "Tingeltangel", so wie das im Film mehrfach heißt. Es ist fast ein Wunder, dass dieser Kontrast zwischen der Komik und dem ernsten Thema den Film nicht zerreist. Aber tatsächlich funktioniert das dann doch, vielleicht deshalb, weil die ideologische Verbohrtheit der Kommunisten in dem Hotel eben noch viel absurder ist als jede Pointe, die sich der Komiker überhaupt ausdenken kann.
Man merkt dem Film an, mit wie viel Routine das ganze in eine Geschichte und in Bilder umgesetzt ist. Damit wären wir dann beim Dritten Hauptakteur dieses Films. Leander Hausmann hat hier Regie geführt. Dieser hat bereits im wunderbaren "Sonnenallee" große Geschichte aus der Perspektive kleiner Leute erzählt und damit einen Nerv beim Zuschauer getroffen. Und so schafft es Hausmann dann auch hier, ein weiteres historisches Thema mit Eleganz in Form einer Filmkomödie darzustellen. Vorwerfen kann man dem Film allenfalls, dass er beim deutschen politischen Personal in diesem Hotel sich auf die platten Gags beschränkt. Gerade Herbert Wehner bleibt mir hier zu blass beschrieben. Da wäre noch mehr drin gewesen. Aber vielleicht ist dies auch einfach der Menge der genialen Nebendarsteller geschuldet, allen voran sicher Jürgen Vogel als proletarischer Kollege von Bullys Komiker "Zeisig".
Inzwischen wird das Haus Cumberland renoviert. Diese in vielen Filmen und Fernsehserien verwendete Kulisse wird nun in ein Wohnhaus mit Geschäften umgestaltet. Ob es gelingt, den Räumen den beklemmenden Charakter auszutreiben? Sieht man den Film, mag man es kaum glauben.