Seit "Schwimmbad im Regen" schätze ich das erzählerische Können der Yoko Ogawa. Sie schafft es in wenigen Sätzen Atmosphäre zu beschwören. Trotz der höchst unverständlichen Zuneigung der 17-jährigen Mari in "Hotel Iris" bringt Ogawa genau das glänzend zum Leser. Auch Naturschilderungen fetzt die Autorin in drei Sätzen bis zum kräftigen Sturm hin. Großartig.
Geheimnisvoll bleibt mir die merkwürdige Altersdifferenz, die nach Nabokovs "Lolita" jahrelang (so weit ich weiß) nicht thematisiert wurde, in den letzten Jahren aber einen unheimlichen Boom hat. Ich erinnere mich an die zahlreichen alter Professor - junge Studentin Affären ( J. M. Coetzee: "Disgrace", Philip Roth: "The Human Stain", Zeruya Shalev: "Liebesleben", ...). Seltsam ähnlich sind es immer wieder alter, meist noch unsympathischer Mann und junges, bildhübsches, restlos verfallenes Mädchen. (Ich, 61 Jahre, kann's nicht glauben).
Nun, diese seltsame Konstellation würde man gelassen hinnehmen, käme hier nicht der satt ausgewälzte S&M Kram hinzu. Wen es juckt oder gefällt, daß eine 17-jährige dem Opa den Anus ausleckt, der mag es lesen oder tun. Ich will darüber nichts lesen.
Was das Buch trotz aller Kritik lesenswert macht, sind die dichten Schilderungen der Szenen im Hotel, im Restaurant, auf dem Boot und der schnell zeichnende Stil der Autorin.