Die Lounge/Chill-Reihe Hotel Costes geht in Runde 15. Zusammengestellt wurde sie wieder von Stéphane Pompougnac, einem französischen House DJ, Musiker, Komponist und Produzent. Musikalisch interessant sind solche Lounge bzw. Chill-Zusammenstellungen immer dann, wenn sie mehr als nur Gebrauchsmusik, also Hintergrundgedudel für Fahrstühle oder Supermärkte, bieten. Unter diesem Aspekt beleuchtet, bietet sich folgendes Bild:
1. Slack Wax - Close To My Fire: Irgendwo zwischen dem lasziven Soul von Amy Winehouse und dem Retro-Soul von Sharon Jones pendelt sich diese Nummer ein. Sympathisch.
2. Intergalactic Lovers - Fade Away: Ist das Lena Meier-Landruth unter falschem Namen? Wenn nein, meint hier jemand auf den Erfolgszug aufspringen zu müssen. Schlappe Melodie, keine Eigenständigkeit. Überflüssig.
3. Second Date - Young, Beautiful Etc.: Retorten Dance-Track mit ordentlich Rums im Rhythmus. Außer einem Tempowechsel ist nix los mit dem Stück. Ermüdend.
4. DJ Cam feat. Chris James - Swim (Blackjoy Version): Im Original ist das eine Electronica Ballade (schönes Video auf YouTube). Für den Gesang sorgt Chris James von der Band STATELESS. Der französische DJ Cam versorgt diese Version mit einem Brazilectro-Beat und erhöht die Geschwindigkeit. Clever umgewandelt, eine neue Stimmung entsteht.
5. Osunlade - Idiosyncazy: Kraftwerk lassen als Einfluss grüßen. Unterkühlter monotoner Electro-Beat mit Vocoder Stimme. Wenig originell.
6. Lanu - Beautiful Trash feat. Megan Washington: Belangloser Teenager-Girl-Pop.
7. Kid Loco - The Passenger: Cover Version des Iggy Pop Stücks. Bei dieser lustlosen Interpretation wünscht man sich das Original herbei. Peinlich.
8. Brigitte Fontaine & Grace Jones - La Caravane: Immer wieder schön, was von der Stil-Ikone Grace Jones zu hören. Auch hier enttäuscht sie nicht und verpasst dem Duke Ellington Klassiker Caravan zusammen mit der französischen Sängerin, Schauspielerin und Schriftstellerin Brigitte Fontaine eine eigene frankophile Note. Geschmackvoll.
9. Zahed Sultan - I Want Her But I Don`t Want Her: Orient trifft auf Trance-Disco. Gewöhnungsbedürftig.
10. Tom Fire feat. Matthew MC Anuff - Brainwash: Ein flauschiger Pop-Reggae mit Piano-Begleitung. Geht gut ins Ohr. Ist so leicht, dass er auch in Milch schwimmt. Angenehm.
11. Jürgen Paape - So weit wie noch nie: Ein Titel, der ein typisches Beispiel für emotionslose Muzak, d.h. Gebrauchsmusik zur unterschwelligen Beeinflussung, darstellt. Langweilig.
12. Stéphane Pompougnac - One By One: Der Kompilant darf selber auch mitmischen. Auch nicht besser als Titel 11.
13. Maceo Plex - Gravy Train (Nicolas Jaar Remix): Nerviges pseudo-World-Music-Trance-Gedudel.
14. Soulstice - Lost In The City: Hier funktioniert der Groove dank abwechslungsreichem Backing und tragfähigem Konzept. Lebendig.
15. Deluxe - Mister Chicken: Durchschnittliches R&B-Rap-Stück. Guter Gesang, mäßige Melodie. Mittelmaß.
16. Scratch Massive - Paris feat. Daniel Agust: Kommt nicht richtig aus dem Quark, die Nummer. Es fehlt die zündende Hookline. Talentlos.
17. DJ Click feat. Valentina Casula - Guadalquivir: Pluspunkt ist hier das lockere brasilianische Flair. Negativ: ein bisschen zu verspielt das Ganze. Weniger ist mehr.
18. Variety Lab - I Can`t Help Thinking About You: Easy Listening der alten Burt Bacharach Schule. Da verzeiht man auch den einlullenden Charakter des Stücks.
Leider kann die Zusammenstellung aufgrund schwankender Qualität und fehlendem Flow nicht in einem Rutsch durchgehört werden, dennoch findet man die eine oder andere positive Überraschung.